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Wustermark Baupläne bei der Sielmann-Stiftung
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16:05 21.01.2019
Die alte Kommandantur soll neues Besucherzentrum werden.
Die alte Kommandantur soll neues Besucherzentrum werden. Quelle: Foto: Ralf Stork
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Elstal

Von außen sieht die alte Kommandantur am Rand der Döberitzer Heide noch ziemlich intakt aus. Innen zeigt sich jedoch der Verfall. Nun soll dem Haus neues Leben eingehaucht werden.

Die Flachbauten links und rechts waren früher Maschinenhallen. In den zwei Stockwerken in der Mitte waren bis 1992 die Büros des Kommandanten und seines Stabes untergebracht. Auch dieser Teil sieht von außen noch ganz passabel aus.

Spuren des Verfalls

Dieser Eindruck ändert sich schlagartig, sobald man das Gebäude betritt: Die Wände sind nackt und roh. Alle Kabel und Rohre längst verschwunden. Die Türen sind herausgerissen.

Blick ins Innere. Quelle: Ralf Stork

Viele Stellen sind mit einer dicken Schicht Vogeldreck bedeckt. Ein paar Vögel, die den Weg nach draußen nicht mehr gefunden haben, liegen als mumifizierte Leichen auf dem Boden.

Pläne für die Kommandantur

Es wird viel Geld und Arbeit brauchen, um die alte Kommandantur umzubauen. Aber genau das ist der Plan: „Wir hoffen sehr darauf, dass wir 2019 mit dem Umbau anfangen können“, sagt Matthias Wichmann. Wichmann ist Leiter der Sielmanns Naturlandschaften in Brandenburg. Die sowjetische Kommandantur soll zum Besucherzentrum der Döberitzer Heide umgebaut werden.

Fördermittel beantragt

4,1 Millionen Euro müssen dafür in das alte Gebäude gesteckt werden. Der entsprechende Antrag auf Förderung über den sogenannten Stadt-Umland-Wettbewerb wurde bereits im Frühjahr gestellt. Falls die Mittel in den kommenden Monaten bewilligt werden, könnte das Besucherzentrum bis 2020 fertig sein: In die Maschinenhalle, die dem Rundwanderweg am nächsten liegt, soll eine Ausstellung über die Döberitzer Heide und ihre Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten einziehen. In der hinteren Maschinenhalle wird der Fuhrpark der Sielmann-Stiftung untergebracht.

Seminarraum mit Panoramablick

In den zentralen Gebäudeteil kommen Büros, ein Seminarraum mit tollem Panoramablick über die Heide und – im Erdgeschoss – eine Schauküche. „Wir wollen in Zukunft unsere Bildungsarbeit ausbauen. Mit dem fertigen Besucherzentrum bekommen wir einen guten Anlaufpunkt für Seminare oder Schülergruppen“, sagt Wichmann.

Matthias Wichmann, Leiter Sielmanns Naturlandschaften Brandenburg Quelle: Ralf Stork

 

Für den Umbau der ehemaligen Kommandantur wird die Sielmann-Stiftung einen Eigenanteil von fast einer Million Euro aufbringen.

Mittel für Landschaftspflege

Es ist nicht die einzige größere Investition der Stiftung in der Döberitzer Heide. Über die Stadt-Umland-Förderung wurden und werden auch Landschaftspflegemaßnahmen für 1,4 Millionen Euro durchgeführt. Auch dort hat die Stiftung den Eigenanteil in Höhe von 20 Prozent selbst zu stemmen.

Über das Gak-Förderprogramm (Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz) flossen 2017 und 2018 bereits rund 4,6 Millionen Euro in die Landschaft. Für 2019 ist bereits ein neuer Antrag in Höhe von mehr als einer Million Euro gestellt. Mit dem Geld wurden unter anderem Tausende Bäume gefällt und samt Stubben abtransportiert. „Es geht dabei um den Erhalt beziehungsweise die Wiederherstellung der Offenlandschaft“, sagt Wichmann.

Ökologisch wertvolle Bereiche

Große magere Offenbereiche sind in der Landschaft selten und deshalb ökologisch besonders wertvoll. Als die Fläche noch militärisch genutzt wurde, haben Panzerketten, Granateinschläge und Brände die Vegetation in weiten Teilen kurz gehalten und den sandigen Boden aufgerissen. Zum Teil erledigen heute in der Kernzone Wisente, Przewalski-Pferde und Rothirsche diese Aufgabe. Und außerhalb Schafe, Ziegen und Galloway-Rinder.

Nicht nur echte Tiere sind auf dem Stiftungsgelände zu finden. Quelle: Ralf Stork

Weil die Tiere alleine es aber (noch) nicht schaffen, die Vegetation im Zaum zu halten, werden sie maschinell unterstützt. Werden die früheren Offenbereiche nicht wieder freigestellt, drohen empfindliche Strafzahlungen an die EU. In den 1990er-Jahren hatte Brandenburg die Flächen als besonders schützenswert an die EU gemeldet und verpflichtet, sie auch in Zukunft zu erhalten. Bei der Gak-Förderung muss die Sielmann-Stiftung zwar keinen Eigenanteil aufbringen, aber viel Arbeitszeit für das Stellen der Anträge.

Bedeutung Brandenburgs

Das erhöhte Engagement vor Ort deckt sich mit der steigenden Bedeutung Brandenburgs für die Sielmann-Stiftung. Von rund 13000 Hektar Fläche, die die Stiftung deutschlandweit besitzt, liegen 12 000 Hektar in Brandenburg. Neben der Döberitzer Heide sind es noch die Kyritz-Ruppiner Heide, die Bergbaufolgelandschaft in Waninchen und die Großschauener Seen. Mit 20 Mitarbeitern ist der Standort der Sielmann-Stiftung in Elstal mittlerweile genau so groß wie der Hauptsitz der Stiftung im niedersächsischen Gut Herbigshagen.

Von Ralf Stork