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Wustermark Erstes Wildpferd-Fohlen in der Döberitzer Heide geboren
Lokales Havelland Wustermark Erstes Wildpferd-Fohlen in der Döberitzer Heide geboren
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19:21 18.05.2020
Beschützt von der Mutter wird das kleine Sorraias-Fohlen in den ersten Wochen seines Lebens. Quelle: privat
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Elstal/Dallgow/Potsdam

Nicht nur Rinder, Wasserbüffel, Schafe und Ziegen weiden im Auftrag des Biotop- und Artenschutzes auf dem früheren Truppenübungsplatz „Döberitzer Heide“ im Landkreis Havelland und Teilen der Stadt Potsdam. Auch robuste Pferderassen setzt der Naturschutz-Förderverein Döberitzer Heide dort seit einigen Jahren erfolgreich zur Landschaftspflege ein.

Nun gibt es besonderen Grund zur Freude, denn vor wenigen Tagen wurde erstmals Nachwuchs bei den vom Ausstreben bedrohten Sorraia-Wildpferden geboren. „Ein großer Erfolg für die Erhaltungszucht“, sagt Max Jung, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins.

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Eine Win-Win-Situation

Seit knapp einem Jahr setzt der Verein im Zuge eines eigenfinanzierten Modellvorhabens eine kleine Herde mit fünf Tieren dieser akut bedrohten iberischen Tiere zur Landschaftspflege im Ferbitzer Bruch ein. Es sei eine Win-Win-Situation, sagt Max Jung. Die Erhaltungszucht dieser Tiere passe zu den Zielen des Vereins, also Landschaftspflege und Biotopschutz. „Außerdem soll erstmalig in Deutschland eine Zucht dieser einmaligen Pferde innerhalb eines naturschutzorientierten Beweidungsprojektes erfolgen.“

Futtersuche mit dem Muttertier. Quelle: privat

Zustande kam das Projekt dank der Hilfe von Züchter Sven Scyziel aus Prenzlau, der etwa 30 Sorraias besitzt. Der Förderverein nahm zu ihm Kontakt auf und es gelang schließlich, vier Stuten zur Leihe in die Döberitzer Heide zu holen. Den passenden Hengst „Tannto“ habe der Naturschutzförderverein dazugekauft, so Jung. Seither durchstreifen die Wildpferde, die an ihrer fast gelben Farbe und einem Ramskopf zu erkennen sind, ein abgetrenntes Areal von rund 40 Hektar Fläche des Naturschutzgebietes Ferbitzer Bruch.

Fohlen noch ohne Namen

Nach elf Monaten Tragzeit hat die Leitstute der Herde jetzt ein gesundes Stutfohlen zur Welt gebracht. „Auf staksigen Beinen erkundet das bislang noch namenlose Fohlen unter strenger Aufsicht seiner fürsorglichen Mutter das Areal,, in dem die Sorraias ganzjährig im Auftrag des Naturschutzes weiden“, erklärt Max Jung.

Zum Förderverein

Bereits seit 1992 setzt sich der Naturschutz Förderverein Döberitzer Heide für den Erhalt der Artenvielfalt auf dem früheren Truppenübungsplatz Döberitzer Heide ein.

Mit einem eigenen, auf Landschaftspflege spezialisierten, Bio-Landwirtschaftsbetrieb und rund 40 halbwilden Konik- und Sorraiapferden, sowie Ziegen, Wasserbüffeln und schottischen Gallowayrindern sichert der Verein heute mittels Pflege wertvolle Biotope und Lebensräume in der Naturerlebnis-Ringzone der Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide.

Ergänzt wird diese Naturschutzarbeit mit maschinellen Pflegemaßnahmen wie Mahd oder Mulchen. Das Ziel ist der Erhalt einer halboffenen Weidelandschaft als Rückzugsort für zahlreiche bedrohte Tier- und Pflanzenarten wie etwa Steinschmätzer, Wiedehopf und Feldlerche oder Sumpfknabenkraut, Teufelsabbiss und Spargelerbse. Denn ohne den Einsatz der Weidetiere würde die Artenvielfalt für immer verschwinden.

In den ersten Wochen würde die Mutter ihr Fohlen vehement verteidigen, und akribisch darauf achten, dass es immer dicht an ihrer Seite bleibt, weiß der Experte. Erst wenn die sensible Prägungsphase abgeschlossen sei, lasse sie zu, dass auch die restlichen Pferde Kontakt zu dem neuen Herdenmitglied aufnehmen dürfen.

Weiterer Nachwuchs kündigt sich an

Sorraias gehen auf eine Restpopulation iberischer Wildpferde zurück, die erst in den 1920er-Jahren in den weitläufigen Flusslandschaften des Sorraia-Flusses in der nur dünn besiedelten, unzugänglichen Region Alentejo in Portugal entdeckt wurde. Seitdem haben sich zahlreiche Wissenschaftler für den Erhalt dieser urtümlichen Pferde eingesetzt, so Jung. Dennoch wird der weltweite Bestand auf weniger als 250 Individuen geschätzt. „Unsere Sorraias werden im portugiesischen Stutbuch registriert “, so Jung.

In den kommenden Wochen rechnet der Förderverein noch mit weiteren Geburten, denn auch die anderen Stuten der Herde sind tragend.

Von MAZ

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