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Wustermark Siedlungscharakter soll erhalten bleiben
Lokales Havelland Wustermark Siedlungscharakter soll erhalten bleiben
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20:06 25.09.2018
Einige der neuen Häuser im Theodor-Fontane-Ring in Priort. Quelle: Tanja M. Marotzke
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Priort

Der Wustermarker Ortsteil Priort wächst. Nicht so schnell wie Elstal, aber die 1500 Einwohner-Marke wird wohl bald geknackt. Grundsätzlich wird der Zuzug von allen begrüßt, bringen mehr Leute auch mehr Steuern und mehr Leben in den Ort. Nur gibt es ernste Bedenken, vor allem seitens des Priorter Ortsbeirates, dass der Siedlungscharakter des Dorfes verloren geht, weil die Bebaubarkeit der Grundstücke nicht „ausreichend geregelt ist“, wie Ortsvorsteher Reiner Kühn (CDU) sagt. Insbesondere geht es um Grundstücksgrößen und das Maß der baulichen Nutzung.

Grundstücke nicht kleiner als 800 Quadratmeter

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Bereits im April 2017 hatten die Wustermarker Gemeindevertreter einen Grundsatzbeschluss zur wohnbaulichen Entwicklung im Ortsteil Priort gefasst. Danach soll in künftigen Bebauungsplänen kein Grundstück kleiner als 800 Quadratmeter sein. Diese Regelung möchte der Ortsbeirat auch für die bestehende Priorter Siedlung festsetzen, außerdem ein Bauen in zweiter Reihe möglichst verhindern.

Zur Gestaltungssatzung

Die Gemeinde Priort hat im Juli 1994 für den Bereich der Siedlung eine Gestaltungssatzung in Kraft gesetzt. Eine Neufassung der Satzung „Priort Siedlung“ erfolgte 1999.

Alle Gestaltungssatzungen im Gemeindegebiet Wustermark wurden 2010 aktualisiert, so dass die örtliche Bauvorschrift „Gestaltungssatzung der Gemeinde Wustermark“, seit Januar 2011 die gestalterischen Vorgaben für den Wohnungsbau vorgibt.

Aufgrund der nicht klaren vorhandenen Strukturen ist es derzeit in Priort möglich, dass jemand ein zweites Wohngebäude auf einem sehr in die Tiefe reichenden Bestandsgrundstück errichten kann.

Deshalb hat er jetzt einen Vorstoß unternommen, den BebauungsplanPriort Siedlung“ aufzustellen, der mit etwa 55 Hektar nahezu den gesamten Innenbereich von Priort umfasst. „Wir wollen die Entwicklung von Priort weiterführen, aber Schritt für Schritt und in geordneten Formen“, so Reiner Kühn. Eine Lückenbebauung sei ausdrücklich gewünscht, sagt Ortsbeiratsmitglied Robert Rosenbusch (CDU).

Nur bedeutet so ein Bebauungsplan, noch dazu in der Größe, für die Wustermarker Verwaltung einen riesigen Arbeitsaufwand und er kostet Geld, viel Geld. Nach ersten Schätzungen würden etwa 225 000 bis 245 000 Euro zusammen kommen. Die Aufwendungen im Einzelnen: Vermessungsbüro 20 000 bis 30 000 Euro, Gutachter Artenschutz etwa 25 000 Euro, Umweltbericht 60 000 bis 70 000 Euro, Planungsbüro etwa 120 000 Euro plus Kosten für nötige Ausgleichsmaßnahmen.

Empfehlung für mehrere kleiner Bebauungspläne

Inhaltliche Voraussetzung für die Aufstellung eines Bebauungsplanes sei eine Bestandsermittlung und eine jeweilige grundstücksbezogene Einzelfallprüfung, welche Auswirkungen auf die Festsetzungen des B-Planes auf den vorhandenen genehmigten Bestand hat, so die Verwaltung. Als Plangrundlage sei ein amtlicher Lageplan von einem öffentlich bestellten Vermesser für das gesamte Siedlungsgebiet anzufertigen. Die Kosten hierfür wurden noch nicht ermittelt, sagt Vize-Bürgermeister Uwe Schollän.

Deshalb hält die Wustermarker Verwaltung einen solch großen Bebauungsplan mit 55 Hektar zwar für realisierbar, empfiehlt aber die Aufstellung von kleineren Textbebauungsplänen. Jedes Plangebiet sollte nur eine Fläche von 3 bis 4 Hektar umfassen.

Kosten sind zu hoch

Diesem Vorschlag schloss sich in der Gemeindevertretersitzung Elke Schiller (WWG) an. „Die Kosten für den Gesamtplan sind so hoch, dass wir lieber kleinteiliger planen sollten.“ Elstals Ortsvorsteher Matthias Kunze (SPD) gab zu bedenken, dass eine Festlegung der Mindestgröße von 800 Quadratmeter pro Grundstück gewisse Einschränkungen mit sich bringe. Nicht jeder könne große Grundstücke in Priort bezahlen.

Eine grundsätzliche Entscheidung in der Sache haben die Gemeindevertreter noch nicht getroffen. Zunächst soll noch mal im Ortsbeirat Priort und im Wustermarker Bauausschuss darüber diskutiert werden.

Von Jens Wegener