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Wustermark Theaterstück ist unter freiem Himmel am Elstaler Bahnhof zu erleben
Lokales Havelland Wustermark

Theater im Eisenbahnwaggon am Elstaler Bahnhof

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15:12 22.08.2020
Das Theaterstück „Komme bald!“ wird in der nächsten Woche unter freiem Himmel am Elstaler Bahnhof aufgeführt.
Das Theaterstück „Komme bald!“ wird in der nächsten Woche unter freiem Himmel am Elstaler Bahnhof aufgeführt. Quelle: promo
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Elstal

Auf dem Rangierbahnhof Wustermark in Elstal wird in wenigen Tagen ein ozeanblauer Zug einfahren und dort Station machen. Der ist nicht nur farblich etwas Besonderes, denn: Er ist die Produktionsstätte für Theaterprojekte im öffentlichen Raum. „In den elf Wagen des 140 Meter langen Zuges gibt es Werkstätten und Unterkünfte für die mitwirkenden Darsteller“, erklärt Juliane Lenssen vom Theater „Das letzte Kleinod“.

Drei Theaterabende auf dem Rangierbahnhof

Eines dieser Stücke mit dem Titel „Komme bald!“ wird an drei Abenden live auf dem Rangierbahnhof zu erleben sein. In dieser Geschichte geht es um junge Deutsche, die als Kinder an die Fronten im Zweiten Weltkrieg ziehen mussten und erst weit nach 1945 aus sowjetische Kriegsgefangenschaft zurückkehrten.

Ein altr Waggon bildet die Bühne für das Theaterstück "Komme bald" in Elstal Quelle: promo

Die Heimkehrer hatten den Krieg, die Gefangennahme und die Straflager überlebt. Manche galten als verschollen und hatten keinen Kontakt zu ihren Angehörigen. Viele waren kriegsverletzt oder durch Mangelernährung ausgezehrt. Nach tagelangen Transporten kamen sie im Lager Gronenfelde am Stadtrand von Frankfurt/Oder an. Dort wurden sie entlaust, bekamen Kleidung und Essen. Und durften ein Telegramm an ihre Angehörigen schicken: „Ich lebe“ oder „Komme bald!“. Kurze Zeit danach trafen sie in der Heimat ein, manche erst nach zehn Jahren der Trennung.

Theatermacher besuchten Zeitzeugen

Das Theater „Das Letzte Kleinod“ besuchte Zeitzeugen, die alle inzwischen mindestens 92 Jahre alt sind“, erklärt Juliane Lenssen. Die ehemaligen Soldaten hätten von der Kindheit in der Hitlerjugend, von der Verblendung durch den Faschismus und von der Verrohung der Jugendlichen im Kriegsgeschehen erzählt. Auch darüber, wie sie im Lager überlebten und schließlich in die jahrelang ersehnte Freiheit entlassen wurden. In dem Stück gehe es auch um solche Fragen, wie: Konnten sie die Erlebnisse im Krieg und in Gefangenschaft jemals verarbeiten? Was bedeutete die Rückkehr für ihre Familienangehörigen? Die Erzählungen wurden transkribiert und zu einem Theaterstück verdichtet. Das Eisenbahntheater geht in diesem Jahr auf große Reise durch Deutschland und hält an Orten, die einen Bezug zu den Geschichten haben, so Lenssen.

Das Theaterstück wird an drei Abenden hintereinander gezeigt. Quelle: promo

Die dokumentarische Vorstellung wird auch in Elstal in und vor einem alten Güterwaggon gespielt. „Viele andere Objekte helfen den Darstellerinnen, die Erlebnisse der Heimkehrer in Bilder zu übersetzen. Mit einem Güterwaggon werden die jungen Soldaten nach Sibirien deportiert. Auf der Ladestraße wird ein Feldlazarett aufgeschlagen, wo die Kriegsgefangenen wegen Mangelernährung oft um ihr Leben kämpfen mussten. Und schließlich erleben sie die glückliche Rückfahrt in offenen Waggons durch die endlose Weite Russlands nach Hause“, erzählt Juliane Lenssen.

Wegen der Corona-Pandemie sind die Plätze im Freien am Elstaler Bahnhof auf insgesamt 60 begrenzt. Das Trafen eines Mund-Nasenschutzes wird empfohlen. Tickets gibt es im Vorverkauf unter www.das-letzte-kleinod.de oder der 04749/10 30 060. Die Vorstellungen in Elstal Bahnhof sind 24., 25. und 26. August um 18 Uhr. „Wenn es an einen der Abende mehr als 60 Interessierte gibt, wird gegen 20 Uhr eine zweite Vorstellung angeboten“, so Lenssen.

Von Jens Wegener