Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Havelland Zurück in die Heimat
Lokales Havelland Zurück in die Heimat
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:30 26.03.2013
Anzeige
RATHENOW

. 2006 beschloss sie den Beruf als Sozialplanerin im Landkreis an den Nagel zu hängen und sich ganz auf das Schreiben zu konzentrieren. Bis dahin hatte sich die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin mehrmals unbezahlt freistellen lassen, um ihrer Leidenschaft nachzugehen. Diese habe sie recht spät entdeckt. „Erst nach der Wende begann ich, Geschichten für meinen Sohn zu schreiben“, erinnert sich König. Dass ihre Werke durchaus auch für ein breiteres Publikum interessant sein durften, beweisen die mittlerweile knapp zwanzig Stipendien, die die Rathenowerin in den letzten Jahren bekam. Anfang März erhielt sie die Zusage für ein weiteres. Das Brandenburgische Kulturministerium unterstützt erstmals sechs Stipendiaten aus den Bereichen Literatur, Bildende Kunst, Musik und Darstellende Kunst. Die Unterstützung ist für Projekte im Ausland gedacht und beinhaltet neben einem Arbeitskostenzuschuss auch eine Reisekostenpauschale. Diese kann Rita König gut gebrauchen, denn für die Recherche ihres neuen Romans muss sie einige Kilometer zurücklegen.

Die Idee dazu kam ihr letztes Jahr während eines Aufenthalts in Ventspils, Lettland. Museumsbesuche und Gespräche vor Ort machten sie auf die Umsiedlung der Baltendeutschen ins damalige deutsche Reich, dem heutigen Polen, aufmerksam. „Auch im heutigen Sprachgebrauch ist es eine Umsiedlung und keine Vertreibung, und das ist es, was mich interessiert hat. Es gibt diese scheinobjektiven Gründe. In der Literatur heißt es ’diktierte Option’, das ist, glaube ich, die beste Beschreibung.“

Anzeige

Der Hitler-Stalin-Pakt, auch bekannt als deutsch-sowjetischer Nichtangriffspakt, den im August 1939 die Außenminister Ribbentrop und Molotow unterzeichneten, besiegelte das Schicksal der Baltendeutschen. In einem geheimen Zusatzprotokoll wurde vereinbart, dass das Baltikum an die Sowjetunion fällt. „Bis dahin waren es unabhängige Staaten. 700 Jahre deutsche Geschichte im Baltikum und dann kommt Hitler und fordert die Bevölkerung auf ihre Heimat zu verlassen“, erklärt König. Viele folgten der Aufforderung, auch die Protagonisten in Königs Roman: eine baltendeutsche Familie aus der Hafenstadt Ventspils, im Westen Lettlands. Hauptfigur ist die Tochter, die die Umsiedlung als kleines Kind erlebte und als alte Frau erstmals zurück in ihre Heimat fährt.

„Bisher ist es so, dass die Frau ihr gesamtes Leben nach dem Krieg in Berlin verbracht hat“, schildert die Autorin die Idee. Allerdings überlege sie nun, ihre Hauptfigur in Rathenow anzusiedeln. Stefan Nitsche, der Leiter des Rathenower Stadtarchivs, habe sie darauf gebracht. Er erzählte ihr, dass nach dem Krieg auch in Rathenow viele Baltendeutsche lebten. Bisher würden ihr aber noch Informationen fehlen. „Es ist natürlich schon relativ spät, darüber zu recherchieren“, räumt König ein. Sollte es jemanden geben, der ihr mehr erzählen kann, wäre die Autorin sehr dankbar.

Etwas mehr als hundert Seiten hat sie inzwischen fertig. Ihr Ziel ist es in diesem Jahr den Entwurf fertig zu stellen, das Werk soll dann also grob stehen. Wenngleich Kollegen sie zwecks des recht ambitionierten Ziels belächeln, denn der Rechercheaufwand ist sehr hoch. „Es ist erschreckend, wie viel Material es in den Archiven gibt. Die Deutschen haben alles genau dokumentiert.“ Seit Januar ist die 50-Jährige nun ständig auf Recherchereise und verbrachte unzählige Stunden in Archiven. Eine Woche lang besuchte sie das Herder-Institut in Marburg, das sich intensiv mit der Geschichte Ostmitteleuropas auseinandersetzt. In Gießen sprach sie mit einer alten Dame. In Ventspils führte eine 89-Jährige sie durch den Ort, zeigte ihr wo früher der Fleischer war, wo die Schule oder wo man Tinte kaufen konnte. Eine Woche verbrachte sie in Posen, jenem Ort in Polen, in dem die Familie ihrer Hauptprotagonistin nach der Umsiedlung landet. Auch hier nahm sie Kontakt mit Menschen auf und vergrub sich in Archiven, um ein Gefühl für die damalige Zeit zu bekommen. „Es ist so viel, dass ich ungefähr 90 Prozent nicht verwenden werde, aber ich brauche dieses Wissen um ein paar lockere Sätze schreiben zu können.“

Am 2. April wird Rita König für drei Wochen nach Krakow fahren. Dort will sie die vielen Puzzleteile zusammenfügen und schreiben, schreiben, schreiben. Ist der Roman erst einmal fertig, fehlt nur noch ein Verlag, der diesen und die weiteren Romane und Erzählungen, die in Rita Königs Schublade schlummern veröffentlicht. (Von Christin Schmidt)

Havelland Der Optikpark in Rathenow bereitet sich trotz Schnee und Eis auf den Saisonstart vor - Wettlauf mit dem Winter
26.03.2013
Havelland Nachdem die Brücke des Seelensdorfer Weges aus der Premnitzer Prioritätenliste flog, ist sie nun wieder drin - Hin und her mit Happy End
26.03.2013
Havelland Henryk Wichmann, Politiker „in der dritten Reihe“, war zu Gast beim CDU-Stadtverband Rathenow - Hauptdarsteller in zwei Filmen
26.03.2013