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Märkisch Oderland In voller Rüstung hoch zu Ross: Bei den Rittern vom Drachenmoor
Lokales Märkisch Oderland In voller Rüstung hoch zu Ross: Bei den Rittern vom Drachenmoor
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09:12 05.09.2019
Daja Ziefuß übt für ihrem Auftritt auf dem Ritterfest. Quelle: Patrick Pleul/dpa
Müncheberg

Christian Scholle-Ziefuß sammelt normalerweise Titel, wie andere Briefmarken: Weltmeister, Internationaler Meister, Europa- oder Deutscher Meister. Wenn es um Disziplinen rund um Pferde, Pfeil und Bogen, Lanzen oder Schwerter geht, ist der 50-Jährige aus Müncheberg (Märkisch-Oderland) gemeinsam mit seiner Partnerin Daja Ziefuß meist ganz vorn mit dabei.

Um so ungewöhnlicher ist es, den hauptberuflichen Computerspezialisten einmal nicht auf dem Pferderücken zu erleben. Seine Leidenschaft ist dem eigentlich erfahrenen Trickshow-Reiter und Stuntman vor Monaten zum Verhängnis geworden: Ein fremdes Pferd warf ihn ab, er knallte gegen eine Wand – Oberschenkel, Knie und Bein zerbrachen.

Christian Scholle-Ziefuß mit dem Kaltblut „Kapitän“. Seine Pferderanch bei Müncheberg wird zum Austragungsort für ein Ritterturnier. Quelle: dpa

„Diese Saison musste ich leider abhaken“, bedauert der inzwischen an Krücken laufende Müncheberger, der die langen Haare seit Jahrzehnten zu einem Pferdeschwanz gebunden trägt. Kritisch beobachtet er seine Frau, die in voller Ritterrüstung zu Pferde über den heimischen Reitplatz galoppiert. „Die Lanze muss höher gehalten werden, das Schild mehr seitlich“, ruft er ihr zu.

Das Ganze sei eine Herausforderung, da dem Reiter in schwerer Rüstung nur zwei Finger für die Zügellenkung blieben. Da hilft nur Übung, denn am Wochenende wird die zwei Hektar große „Sunbow-Ranch“ am Rande Münchebergs zum Austragungsort eines internationalen Ritterturniers.

Wettkampf mit Lanze, Schwert, Pfeil und Bogen

„14 Sportler treten zu Pferde gegeneinander an. Da geht es um das Treffen mit Lanze, Schwert, Pfeil und Bogen sowie um Punkte“, erläutert Scholle-Ziefuß. Derartige Spektakel auf der „Sunbow-Ranch“ sind bekannt, haben in der Region treue Fans. Früher hatte Scholle-Ziefuß eine komplette hölzerne Western-Stadt auf dem Gelände. „Cowboys“ und „Indianer“ lieferten sich hier lautstarke Auseinandersetzungen. Später wurde es mit dem berittenen Bogenschießen und dem Kosakenreiten noch sportlicher.

Pferden auf einer Weide der Sunbow-Ranch von Daja Ziefuß und Christian Scholle-Ziefuß. Quelle: dpa

„Wir wollen den Leuten immer wieder verrückte Sachen mit Pferden zeigen. Doch es darf nie langweilig werden. Deswegen nehmen wir wechselnde Kostüme. Die Waffen aber bleiben letztlich gleich“, sagt der 50-Jährige, der sein Anwesen am kommenden Wochenende (7./8. September) zum Sitz der „Ritter vom Drachenmoor“ macht und für den Abend eine Feuer-Show verspricht.

Die Ungeduld, selbst wieder auf einem Pferd zu sitzen, ist Scholle-Ziefuß anzumerken. Schließlich ist der Autodidakt normalerweise ständig unterwegs, bei Mittelaltershows, Pferdesportevents, für Werbe- und Fernsehfilme.

Er stellt sich zahlreichen Wettbewerben im In- und Ausland, trainiert außerdem ein Dutzend Kinder und Jugendliche auf seiner „Sunbow-Ranch“ im berittenen Bogenschießen.

„Christian ist ein Lebenskünstler, der es mit seiner ruhigen und einfachen Art versteht, Mädchen und Jungen zu begeistern, die sonst vielleicht nie auf die Idee gekommen wären, auf irgendeine Art und Weise Sport zu treiben“, erklärt Geschäftsführerin Manja Lindner die Unterstützung durch den Kreissportbund.

Werbung für den Pferdesport

Auch beim Ritterfest will der Müncheberger wieder für den Pferdesport werben. „Kinder, die noch nie geritten sind, können sich auf einen hölzernen Drachen setzen, der von einem Auto gezogen wird. Sie bekommen Pfeil und Bogen oder aber Holzschwerter“, erzählt Scholle-Ziefuß schmunzelnd. KSB-Chefin Lindner lobt vor allem seine positive Einstellung zum Sport und die Art und Weise, wie er den Umgang mit Pferden anderen vermittelt.

Als „Pferdeflüsterer“ hat er sich in der Region einen Namen gemacht. Er rettete sogenannte Problem-Tiere vor dem Schlachter, gewann mit Ruhe sowie Geduld ihr Vertrauen und trainierte sie für seine Shows. „Das Ganze läuft über Körpersprache. Mit Gewalt hingegen erreichst Du bei Pferden nicht viel“, erklärt der 50-Jährige, der derzeit 14 eigene Rösser hat.

„Pferde sind Fluchttiere – und schreckhaft“

Gerade Pferde, die schlechte Erfahrungen gemacht hätten, litten unter Traumata, ähnlich wie Menschen, ergänzt Pferdetrainer Steffen Kukral aus Krügersdorf (Oder-Spree). „Du musst den Auslöser finden, Dir viel Zeit für das Tier nehmen, keinen Druck ausüben, Sicherheit ausstrahlen. Pferde sind nun mal Fluchttiere und sehr schreckhaft“, erläutert der Fachmann, der vor allem für Firmen nonverbale Kommunikationskurse mit Pferden anbietet.

Mit Brustpanzer und Kettenhemd sitzt Daja Ziefuß auf ihrem Pferd Monroe Quelle: dpa

Mit diesem Wissen gibt Scholl-Ziefuß auch nicht dem fremden Pferd die Schuld an seinem Unfall. „Es war meine Entscheidung, auf ihm reiten zu wollen und es war die falsche“, sagt er. Deutlich sicherer fühlt sich Partnerin Daja trotz Helm, Kettenschutz und Rüstung auf ihrem American Quarter Horse „Monroe“.

„Den trainiere ich seit einem Jahr. Als er zu uns kam, hat er nur gebuckelt, scheute vor jeder Fliege“, erinnert sie sich. Inzwischen wirkt der braune Hengst in dem weiten, bunten Stoffumhang, als hätte er in seinem bisher zwölfjährigen Leben nie etwas anderes gemacht.

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Von Jeanette Bederke

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