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Märkisch Oderland Klimawandel und Wasserentnahme: Pegel im Straussee sinkt bedrohlich
Lokales Märkisch Oderland Klimawandel und Wasserentnahme: Pegel im Straussee sinkt bedrohlich
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10:34 31.03.2020
Der Klimawandel mit heißen und trockenen Sommern sowie fehlenden Niederschläge gefährdet den Straussee in Strausberg (Märkisch-Oderland). Quelle: Patrick Pleul/dpa
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Strausberg

Die Strausberger wollen ihren Straussee retten. In einer Bürgerinitiative engagieren sich dafür mehr als 250 Mitstreiter. Denn seit Jahren sinkt der Pegel des als klar und sauber gepriesenen Badeparadieses scheinbar unaufhaltsam. Im vergangenen Jahr lag das Freibad bereits trocken und auch in dieser Saison wird es nicht öffnen können.

Der Pegel an der Straussee-Fähre zeigte bei normalen Wasserverhältnissen durchschnittlich 1,30 Meter an. Seit zwei Jahren ist er gar nicht mehr in Betrieb, da komplett auf dem Trockenen. Ein vom Brandenburger Landesumweltamt weiter im See postierter Hilfspegel steht bei nur 50 Zentimetern.

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Warum ist immer weniger Wasser im See?

Wohin das Wasser verschwindet und wer oder was daran schuld haben könnte, darüber rätseln die Strausberger schon seit Jahren. Das Gutachten zweier Firmen aus Berlin und Dresden (Sachsen) sowie von Wissenschaftlern der Technischen Universität Dresden, das die Strausberger Stadtverwaltung in Auftrag gegeben hatte, soll jetzt Klarheit bringen und Vorschläge liefern, wie die negative Entwicklung möglichst gestoppt werden kann.

Die Ingenieure und Wissenschaftler sprechen demnach von einer „Überlagerung mehrerer Einflussfaktoren“. Als Hauptursache dafür, dass dem Straussee das Wasser ausgeht, haben sie nach Informationen der Strausberger Stadtverwaltung die ausbleibenden Niederschläge der vergangenen Jahre und die starke Verdunstung aufgrund höherer Temperaturen während der Sommermonate ausgemacht.

Auch das neue Wasserwerk hat seinen Anteil

Einen Einfluss auf den sinkenden Pegel hat laut Gutachten auch das 2014 zusätzlich in Betrieb genommene Wasserwerk Spitzmühle, das ebenso wie das Wasserwerk Strausberg dem See Grundwasser zur Trinkwassergewinnung entzieht. Gäbe es Spitzmühle nicht, könnte der Pegel 20 Zentimeter höher sein, urteilen die Gutachter. Doch selbst wenn dort die Fördermengen reduziert würden, wäre der Gesamt-Trend nicht aufzuhalten, heißt es.

Die Bürgerinitiative für den Erhalt des Straussees sieht sich dennoch in ihren Befürchtungen bestätigt. „Der zuständige Wasserverband Strausberg-Erkner wird die Förderung nicht freiwillig reduzieren“, glaubt der Vorsitzende Frank Weber. „Im Gegenteil, er hat beim Landesumweltamt sogar eine Erhöhung beantragt.“ Das bestätigt Thomas Frey, Sprecher der Behörde.

So könnte der Straussee gerettet werden

Das Landesbehörde müsse nun auf die Ergebnisse des Gutachtens reagieren, fordert Weber. „Wir als Bürgerinitiative werden da nicht locker lassen.“ Um die Bildung von Grundwasser, aus dem sich der See unter anderem speist, zu erhöhen, sollten im Einzugsgebiet mehr Wiesen die bisherigen Nadelwaldbestände ersetzen, empfehlen die Gutachter weiter. Dadurch könnte sich der Wasserstand um 30 Zentimeter erhöhen. Anhand von Messdaten und Wasserproben hatten sie ein Wasserhaushaltsmodell des Straussees und seines Einzugsgebietes erstellt. „Aus diesen Berechnungen geht hervor, dass dem See zur Sicherung des Mittelwasserstandes im Durchschnitt 14 Liter pro Sekunde fehlten“, informiert Stadtsprecherin Caroline Haitsch-Berg.

Ursprünglich hatte die Strausberger Stadtverwaltung das Gutachten in einer großen Bürgerversammlung vorstellen wollen. Aufgrund der aktuellen Corona-Krise musste die Veranstaltung abgesagt werden. Auch eine Videopräsentation in Strausberg (Märkisch-Oderland) scheiterte nach Angaben der Stadtsprecherin, weil den Gutachtern ein Dienstreiseverbot ihrer Arbeitgeber erteilt worden war.

Der zusammenfassende Endbericht werde sich deshalb auch um etwa vier Wochen verzögern, informierte Haitsch-Berg. „Den werden wir abwarten und dann durchrechnen, ob die angegebenen Werte sich mit unseren Fakten decken und sie nachvollziehbar sind. Erst danach wird das Landesumweltamt über den Antrag des Wasserverbandes entscheiden“, sagt Frey.

Leider kein Einzelfall

Der drastisch zurückgehende Wasserspiegel ist nicht nur ein Problem im Straussee, sagt Frauke Zelt, Sprecherin des Brandenburger Umweltministeriums. Die extrem trockenen Sommer und die starke Verdunstung aufgrund hoher Temperaturen setzten allen mehr als 1000 Seen in der Mark zu. So kämpft auch der Seddiner See (Potsdam-Mittelmark) in Westbrandenburg mit spürbar sinkenden Wasserständen. Zelt führt auch die Einzugsgebieten von Spree und Schwarzer Elster in Südbrandenburg an. „Selbst der Regen in den vergangenen Wochen reichte nicht aus, um dort alle Talsperren und Speicher wieder aufzufüllen“, macht Zelt deutlich.

Befürchtungen von Strausbergern, die für das Tesla-Werk in Grünheide (Oder-Spree) geplante höhere Wasserentnahme würde den Straussee zusätzlich belasten, seien unbegründet, so die Ministeriumssprecherin. „Genehmigt wurde dem Wasserverband Strausberg-Erkner eine Erhöhung der Fördermenge im Raum Eggersdorf, ausdrücklich nicht in der Region Strausberg.“

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Von RND/dpa

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