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Oberhavel 280 Seelen – Peter Nickel kennt sie alle
Lokales Oberhavel 280 Seelen – Peter Nickel kennt sie alle
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15:05 08.05.2018
Krewelins Ortsvorsteher Peter Nickel empfing die MAZ-Mitarbeiter herzlich. Quelle: Helge Treichel
Oberhavel

Bergfest für die MAZ-Radtour am Mittwoch. Von Liebenwalde aus geht es auf dem „Radweg Berlin-Kopenhagen“ am Voßkanal entlang bis nach Zehdenick.

Noch weit vor der Abfahrt klingelt bereits das Telefon. Am Hörer: Peter Nickel, Ortsvorsteher von Krewelin, einem der dreizehn Ortsteile Zehdenicks. Das 700-jährige Bestehen des Ortes steht an, eine Ausstellung zur Geschichte Krewelins steht in den Startlöchern, die müssen die MAZ-Mitarbeiter auf ihrer Tour gesehen haben. Abgemacht.

Liebenwaldes einst prächtiges Herrenhaus. Quelle: Helge Treichel

Von der Marina in Liebenwalde aus geht es vorbei an vielen schmucken Fachwerkhäuschen und über die belebte B 167 hinweg Richtung Schleuse Bischofswerder. Zu schleusen gibt es dort noch nichts, der Ansturm der Wassertouristen lässt auf sich warten. Auch der Radweg, der bis in die dänische Hauptstadt führt, ist gähnend leer. Vorbei an endlos grünen Wiesen und wild sprießenden Bäumen gehört die Natur an diesem Vormittag über viele Kilometer hinweg uns ganz allein. Nur vereinzelt treffen wir auf Radler und Läufer.

Natur pur auf dem Weg von Liebenwalde nach Zehdenick. MAZ-Mitarbeiterin Nadine Bieneck dokumentiert fleißig. Quelle: Helge Treichel

Krewelin in Sichtweite erscheint gleichzeitig auch eine Menschenseele am Horizont: Wie ein Deichgraf thront Peter Nickel auf der Ortseingangsbrücke und erwartet die MAZ-Mitarbeiter. Die Begrüßung fällt herzlich aus, der fitte 70-jährige Ortsvorsteher hat den Schalk im Nacken und kennt jeden Grashalm in seinem Dorf. Und jeden Hund. Zwei Frauen passieren mit ihren Vierbeinern die Brücke, Peter Nickel grüßt alle Vier persönlich. Dem Dorf selbst noch keinen Meter näher gekommen, hat der Ortschef bereits die ersten Kapitel der 700-jährigen Ortsgeschichte abgefeuert. Der gelernte Keramikingenieur zog 1981 aus Zehdenick in den Ortsteil, in dem er seit 14 Jahren Ortsvorsteher ist. 280 Einwohner zählt das Dorf – Peter Nickel kennt jeden Einzelnen.

Es gibt kaum etwas, was Krewelins Ortsvorsteher Peter Nickel über sein Dorf nicht weiß. Quelle: Helge Treichel

Die Kreweliner Dorfstraße entlang – die einzige Straße im Ort – geht es zum Kirchplatz. Jeden Morgen um 9 Uhr schließt Edelgard Schley dort die kleine Fachwerkkirche aus dem Jahr 1694 auf. Da ist die 76-Jährige bereits seit Stunden auf den Beinen. „Punkt 6 Uhr steht der erste Kaffee des Tages auf dem Tisch“, berichtet sie. Sohn Matthias ist der einzig verbliebene Bauer im Dorf, die Tagesarbeit bei Familie Schley beginnt früh.

Insgesamt 118 Kilometer lang ist die Strecke – einmal von Süd nach Nord durch den Landkreis Oberhavel. Die MAZ-Reporter Nadine Bieneck und Helge Treichel erkunden den Landkreis per Fahrrad und sammeln unterwegs Geschichten und Fotos von Menschen und Sehenswertem ein. Die dritte Etappe führt von Liebenwalde über Krewelin nach Zehdenick – vorbei an Voßkanal, Schneller Havel und Döllnfließ.

„Unsere Kirche ist eine offene Kirche“, berichtet währendessen Peter Nickel. „Probleme mit Vandalismus oder Diebstahl hatten wir noch nie. Hier im Dorf passen wir auch aufeinander auf.“ Das merken wir, denn plötzlich steht Dirk Bernhardt vor uns. Er ist Mitglied im Gemeindekirchenrat und hat uns fremde Gesichter erspäht. Es gibt ein freundliches Hallo. Der 52-Jährige will später noch den Rasen am Kirchplatz mähen. „Hier packt jeder mit an.“ Als einziger Mann im Kirchenrat fühle er sich für diese Aufgabe besonders verantwortlich.

Die Kreweliner Dorfkirche ist eine offene Kirche. Täglich gegen 9 Uhr öffnet Edelgard Schley die Pforten des Gotteshauses. Quelle: Helge Treichel

Direkt neben der Kirche steht das Küsterhaus. Die Kreweliner nutzen den herzigen Fachwerkbau für verschiedene Anlässe. Aktuell hat dort die Ausstellung „Historische Ansichten“ zur 700-Jahr-Feier des Ortes Unterschlupf gefunden. Faszinierend, wie kleinteilig der Heimatverein Zahlen, Daten und Informationen rund um das Dorf aus den vergangenen Jahrhunderten zusammengetragen hat. Offiziell öffnet die Schau kommenden Montag, am 30. April (18 Uhr) und lädt bis zum 30. September dieses Jahres zum Besuch ein. Das 700-jährige Bestehen des Ortes wird richtig groß ein ganzes Wochenende lang im Juni gefeiert (8. – 10.06.). Dafür eingespannt wird das ganze Dorf.

Der „Radweg Berlin-Kopenhagen“ verbindet die Hauptstädte Deutschlands und Dänemarks miteinander. Quelle: Helge Treichel

Nach einem heftigen Regenguss geht es für die MAZ-Mitarbeiter weiter. Nur noch wenige Kilometer am Wasser entlang, dann überqueren wir mit der Brücke nach Zehdenick hinein das heutige Etappenziel. Wenig später stehen wir auf dem Marktplatz. Viele Zehdenicker sind auf den Straßen unterwegs, mit der MAZ sprechen möchte jedoch niemand so recht. „Viel zu viele Kneipen gibt es. Und damit auch Gewalt und Kriminalität“, berichtet eine Mutter mit ihren beiden Kindern. Ihren Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen.

Die Klostergalerie am Zehdenicker Kloster. Quelle: Helge Treichel

Auch eine 67-jährige Ur-Zehdenickerin will namenlos bleiben, obgleich sie zufrieden mit ihrer Heimatstadt ist: „Ich lebe gerne hier. Wir haben schöne Luft, Wald und Wiesen vor der Tür. Woanders ist es schlimmer“, meint sie mit Blick auf die Kritikpunkte.

Die MAZ-Radtour durch Oberhavel

– 118 Kilometer lang ist die Strecke – einmal von Süden nach Norden durch Oberhavel.

– Zwei MAZ-Reporter, Helge Treichel und Nadine Bieneck, erkunden vom 23. bis 27. April den Landkreis per Fahrrad und sammeln unterwegs Geschichten und Fotos von Menschen und Sehenswertem aus Oberhavel ein.

– Die vierte Etappe führt am Donnerstag (25. April) vom Zehdenicker Marktplatz aus über Gransee nach Mildenberg – vorbei an Geronsee und Wentowsee.

– Tourimpressionen und Fotogalerien mit vielen Bildern gibt es auf der MAZ-Oberhavel-Seite sowie in der Facebookgruppe „MAZ-Radtour durch Oberhavel“. Nachmachen ist ausdrücklich erwünscht.

Lesen Sie weiter:

MAZ vom 24. April 2018: „Oberhavel mit dem Drahtesel entdecken

MAZ vom 25. April 2018: „30 Kilometer am Wasser entlang

Der Zehdenicker Marktplatz. Quelle: Helge Treichel

Von Nadine Bieneck und Helge Treichel

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