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Oberhavel Alle Wege führen nach Kraatz
Lokales Oberhavel Alle Wege führen nach Kraatz
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02:39 30.04.2018
Die Landschaften der vierten Etappe der MAZ-Radtour waren gesprägt von Rapsfeldern und Windrädern. Quelle: Helge Treichel
Oberhavel

Das Aprilwetter zeigt sich auf der vierten Etappe der MAZ-Radtour von seiner besten Seite. Immer wieder prasseln heftige Regenschauer aus den dunklen Wolkenbergen, ab und zu bricht wiederum die Sonne durch.

Kurz vor Kraatz grüßt der Klapperstorch. Quelle: Helge Treichel

Die graue Suppe am Himmel sorgt zunächst für einen sehr einsamen Streifzug. Der Zehdenicker Wochenmarkt – Ausgangspunkt der 30 Kilometer langen Etappe – ist noch belebt. Wenige Kilometer später sieht es in Klein Mutz schon ganz anders aus. Regelrecht ausgestorben präsentiert sich der Ort, keine Menschenseele weit und breit zu sehen. Ebenso in Osterne. Gespenstische Ruhe. Erst drei Kilometer weiter, in Kraatz, treffen wir auf einen Anwohner. Martin Schröter ist auf dem Weg zur Arbeit. Auf den Reittag in Kraatz am kommenden Sonntag (ab 9 Uhr) will er trotzdem noch schnell hinweisen. „Ein Höhepunkt für das ganze Dorf“, schwärmt er. „Ich bin als Helfer im Einsatz, der ganze Ort macht mit.“

Die Kirche in Kraatz. Quelle: Helge Treichel

Entlang an blühenden Rapsfeldern, Weiden, Pferden und Kühen kommen wir Gransee näher. Am Ortseingang entdecken wir den Firmensitz von Wilfried Hanke. Gemeinsam mit Bruder Wolfram betreibt er die Hanke Landtechnik GmbH seit 1992, mit der er Landmaschinen wartet, repariert und verkauft. „Lange konnten wir davon gut leben, hatten einst 18 Mitarbeiter. Seit drei, vier Jahren ist es schwer, heute sind wir noch sechs Leute.“ Grund: Die von der EU verhängten Sanktionen gegen Russland, die Auswirkungen bis nach Oberhavel haben: „Getreide, Milch, Butter – Russland hat uns so viel abgekauft. Seitdem das nicht mehr erlaubt ist, sind die Preise enorm gesunken, den Bauern bleibt deutlich weniger Geld. Das merken auch wir.“ So sorgt die große Weltpolitik bis ins idyllische Gransee für Probleme. Beim Aufbruch erfahren wird – auch Wilfried Hanke stammt aus Kraatz, mischt dort ebenso beim Reitverein mit. „Selbstverständlich“ ist er beim Fest am Sonntag dabei.

„Ich bin mein ganzes Leben lang hier und finde das gut. Wo andere Urlaub machen, dürfen wir arbeiten“, sagt Wilfried Hanke (59) aus Kraatz mit Blick auf den Werbeslogan des Amtes Gransee. Quelle: Helge Treichel

Unser nächster Kurzstopp ist „Hermis Boulettenschmiede“ am Granseer Supermarktzentrum. Erneut prasselt eine Husche in diesem Moment nieder. Hermis Bouletten sind offenbar ein echter Geheimtipp, gehen zum Sofortessen aber auch zur Mitnahme über die Theke wie frisch gebackene Semmeln. „Die sind noch selbst gemacht, die Zutaten hole ich jeden Morgen frisch vom Fleischer. Den Job mache ich gern – es ist immer was los, man kennt die Leute“, erzählt der Inhaber.

Insgesamt 118 Kilometer lang ist die Strecke – einmal von Süd nach Nord durch den Landkreis Oberhavel. Zwei MAZ-Reporter erkunden den Landkreis per Fahrrad und sammeln unterwegs Geschichten und Fotos von Menschen und Sehenswertem ein. Die vierte Etappe führt am Donnerstag von Zehdenick über Gransee bis nach Mildenberg – vorbei an Geronsee und Wentowsee.

Uns treibt es weiter zum Stadtkern. Vor allem das Luisendenkmal ist sehenswert, ebenso die Stadtmauer, die sich rund ums Stadtzentrum schlängelt. 4000 Einwohner leben noch in der einstigen Kreisstadt, erzählt uns Nicole Bräseke von der Touristeninformation. Die 43-Jährige stammt: ebenfalls aus Kraatz. Und Sonntag? Sei sie natürlich beim Reitfest. Und außerdem zum Kuchenbacken eingeteilt. Der Kraatzer Reitplatz scheint am Wochenende der Brennpunkt der Region zu sein.

Das Luisendenkmal in Gransee. Das vom preußischen Architekten Karl Friedrich Schinkel entworfene Denkmal erinnert an die tatsächliche Aufbahrung von Königin Luise an dieser Stelle im Jahr 1810. Quelle: Helge Treichel

Für uns geht es weiter, am Geronsee entlang auf dem nun hervorragend ausgebauten Radweg. Durch Altlüdersdorf treibt uns der Rückenwind Richtung Wentow. Gefühlt mehr Tiere als Menschen leben in den Dörfern, die wir nun durchkreuzen: Zabelsdorf und Ribbeck, ehe wir das Etappenziel, Mildenberg, erreichen. Durchnässt, aber vor allem bereichert mit zahlreichen Eindrücken der landwirtschaftlich geprägten Region.

Die MAZ-Radtour durch Oberhavel

– 118 Kilometer lang ist die Strecke – einmal von Süden nach Norden durch Oberhavel.

– Die MAZ-Reporter Nadine Bieneck und Helge Treichel erkunden vom 23. bis 27. April den Landkreis per Fahrrad und sammeln unterwegs Geschichten und Fotos von Menschen und Sehenswertem aus Oberhavel ein.

– Die fünfte Etappe führt am Freitag (27. April) von Mildenberg über Dannenwalde und Bredereiche nach Fürstenberg – unter anderem entlang der Havel und des Stolpsees.

– Tourimpressionen und Fotogalerien mit vielen Bildern gibt es auf der MAZ-Oberhavel-Seite sowie in der Facebookgruppe „MAZ-Radtour durch Oberhavel“. Nachmachen ist ausdrücklich erwünscht.

Ostern: Auch von hier aus führt natürlich ein Weg nach Kraatz. Quelle: Helge Treichel

Lesen Sie weiter:

MAZ-Radtour, Etappe 1 am 23. April 2018: „Oberhavel mit dem Drahtesel entdecken

MAZ-Radtour, Etappe 2 am 24. April 2018: „30 Kilometer am Wasser entlang

MAZ-Radtour, Etappe 3 am 25. April 2018: „280 Seelen – Peter Nickel kennt sie alle

Am Geronsee zieht sich während der MAZ-Tour wieder einmal der Himmel zu. Der reisende Fotograf jubelt, der Radler ärgert sich. Quelle: Helge Treichel

Von Helge Treichel und Nadine Bieneck

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