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Oberhavel Angetan vom Charme alter Gemäuer
Lokales Oberhavel Angetan vom Charme alter Gemäuer
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19:09 21.02.2018
Sabine Opdensteinen und Ehemann und Unternehmer Christoph Miethke sind Eigentümer des Oranienwerkes. Quelle: Heike Bergt
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Oranienburg

„Ich mag den Atem der Geschichte in Gebäuden“, sagt Sabine Opdensteinen. Das sei schon damals so gewesen, als ihr Mann Christoph Miethke den ersten Firmenstandort aussuchte: einen alten Reitstall in Kleinmachnow: „Die Firma war winzig, die Halle riesig“, erinnert sie sich. Jeder Architekt habe abgeraten, aus dem alten Gemäuer etwas machen zu wollen. Damals sei ihr Mann noch Student der Medizintechnik gewesen und bekam die Chance, mittels Förderung ein Unternehmen zu gründen. Heute ist die Miethke GmbH als Hersteller unter anderem von Ventilen zur optimalen Behandlung des Hydrocephalus ein Global Player, beschäftigt an zwei Standorten in Potsdam 160 Mitarbeiter.

Und für einen kurzen Moment gab es auch 2011 die Idee, das ehemalige Kaltwalzwerk in Oranienburg zum neuen Firmenstandort zu entwickeln. Die Eheleute mit den drei Söhnen ersteigerten das Gebäudeensemble an der Kremmener Straße. Auch hier hätten sie sich in den besonderen Charme der alten Industriehallen verliebt. Seit 2014 entwickeln Christoph Miethke und Sabine Opdensteinen in privater Initiative hier das „Oranienwerk“, einen Standort, wo Kunst, Kultur und Wirtschaft gleichermaßen zu Hause sind, erfolgreich netzwerken, einer vom anderen profitiert.

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Inzwischen gibt es 30 Unternehmen am Standort, von der Weberin bis zur Designerin für bunte Shorts, Architekten haben hier ebenso ihren ungewöhnlichen Arbeitsplatz wie Musiker. Neu am Standort: die Agentur für Kultur und Kreativwirtschaft. Donnerstags von 9 bis 16 Uhr bietet sie Coaching und Beratung an.

Marco Bartsch sei dabei ein echter Glücksfall gewesen: „Er hat Lust, etwas draus zu machen, will dieses Projekt voranbringen, hat Ideen.“ Seit zwei Jahren ist er zusammen mit Frank Steinmüller das Management-Team, das Organisatoren-Herzstück des Oranienwerkes.

Doch das schlage noch nicht am rechten Fleck. „Wir haben keinen optimalen Eingangsbereich, es ist hier etwas labyrinthisch“, beschreibt es Sabine Opdensteinen, die Kunst, Literatur, und Theaterwissenschaft studiert hat. Das soll sich ab 2018 ändern.

ILB und Wirtschaftsministerium haben im November aus einem Förderprogramm für die Kreativwirtschaft 120 000 Euro (über drei Jahre) bewilligt. 30 000 Euro steuern die Potsdamer Eheleute als Eigenanteil dazu. Das Fördergeld ist vor allem für die Personalkosten. Zudem soll umgebaut werden. Das finanzieren die Eigentümer. Der jetzige Zuweg zum Oranienwerk wird künftig in ein gläsernes Treppenhaus münden, von dem aus das gesamte Ensemble überschaubar ist. Dann sehe jeder: Wo ist hier was.

Das Büro von Marco Bartsch und Frank Steinmüller wird an die Halle des „Werkzeugbaus“ andocken, der Dreh- und Angelpunkt für alle Besucher werden. Die Halle bekommt neue Fenster bis zum Boden. Hier können künftig Ausstellungen, Lesungen, sonntägliche Matinees stattfinden. Zudem wird es einen Präsentations- und Verkaufsraum für Produkte der Oranienwerker geben, die auch Unternehmen aus Oberhavel nutzen können.

Das ist Bauabschnitt 1, der 2018 startet. In den Bauabschnitten 2 und 3 folgen das gläserne Treppenhaus und der Umbau der „Taschenschirmhalle“ mit 600 Quadratmetern zur größeren Veranstaltungshalle. „Die fehlt den Oranienburgern“, so Opdensteinen.

Von den Oranienburgern wünscht sie sich, dass sie die Angebote insgesamt oder die sich gerade etablierenden, wie den „Kulturfreitag“ oder das „Freisingen“ besser wahrnehmen. Einfach mal vorbeikommen.

Dass sich das Oranienwerk heute „annähernd trägt über die Mieteinnahmen“, hätte Sabine Opdensteinen vor vier Jahren nicht gedacht. „Es soll für alle bezahlbar bleiben und wir möchten hier vielen eine Chance geben“, das ist ihre Philosophie.

Von Heike Bergt