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Oberhavel Auf Studienreise nach Java
Lokales Oberhavel Auf Studienreise nach Java
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02:19 12.04.2018
Für die Herstellung dieses Lebens-Werkes zum Thema „Schöpfung“ in Mola-Technik benötigte Kaufmann 25 Jahre – mit Unterbrechungen. Quelle: Ulrike Gawande
Velten

Der Flur des Mehrfamilienhauses, in dem Elisabeth Kaufmann in Velten lebt, ist grau und trist. Nur ein kleiner Schmetterling zaubert im Fahrstuhl ein wenig Wärme in das Haus. Betritt man dann die Wohnung der gebürtigen Straßburgerin, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Überall in der Wohnung sind kleine und große Kunstwerke zu entdecken: Holzschnitte, Skulpturen, Batiken und Wandbehänge in Mola-Technik.

Batik mit den Glocken des Würzburger Doms. Quelle: Ulrike Gawande

Es sind die Ergebnisse eines langen künstlerischen Lebens. Eine Wohnung voller Kreativität.„Ich wollte immer etwas mit Kunst machen, wäre am liebsten Töpferin geworden“, berichtet Elisabeth Kaufmann, die auf eine bewegte Vergangenheit zurückblickt. Sie wuchs im Elsass auf. Der Vater war Deutscher, die Mutter Französin. Keine einfache Biografie während des Zweiten Weltkrieges. Um dem Vater, einem Pfarrer, nahe sein zu können, zog die Familie ins bayrische Hof. Später nach Karlsruhe, dann weiter nach Rendsburg. Zehn Mal musste Kaufmann die Schule wechseln.

Elisabeth Kaufmann aus Velten ist studierte Textildesignerin Quelle: Ulrike Gawande

Dann wurde ihre Großmutter krank und die junge Frau ging zurück ins Elsass, wo sie bei der Pflege der Oma half und an der Schule für Kunst- und Industriedesign in Mulhouse eine Ausbildung zur Textildesignerin absolvierte. Bei einem Gaststudium am Bard College in New York State widmete sich Elisabeth Kaufmann zudem dem Holzschnitt und der Herstellung von Skulpturen. Bis heute zeugt ein goldener Kopf im Fenster von dieser Zeit. 1957 schloss die heute 83-Jährige die Meisterklasse für Textildesign in Krefeld bei Professor Georg Muche ab, der als Künstler in Dessau beim Bauhaus gewirkt hatte.

Das „Himmelsfenster“ ist eine Hommage an Andreas Felger. Quelle: Ulrike Gawande

„In Krefeld habe ich meine Mappe gestaltet mit der ich dann durch Paris gezogen bin, um mir eine Stelle zu suchen“, erinnert sich Elisabeth Kaufmann. Engagiert wurde sie im Atelier Giraud Dessin. Als Textildesignerin entwarf sie fortan Vorhangstoffe und auch Kinderkleidung. Die Entwürfe wurden an Produzenten verkauft. „Dann habe ich das Praktische hinter mir gelassen“, lacht Kaufmann. Sie ging zurück nach Deutschland, heiratete und bekam drei Kinder. Nach dem frühen Tod ihres Mannes gab Kaufmann dann – wiederum ganz praktisch – Kindermalkurse in Bielefeld und wurde später Leiterin des Kreativen Bereichs der Evangelischen Heimvolkshochschule in Bethel.

Ein frühes Batikwerk von Elisabeth Kaufmann Quelle: Ulrike Gawande

In den 80er Jahren entdeckte sie die Liebe zur Batikkunst, die aus Indonesien stammt. „Die Faszination der künstlerisch-exotischen Batiktechnik liegt in der Spannung des stufenweisen Aufbaus und des Wachsenlassens.“ Auf Studienreisen nach Java ließ sich Kaufmann von der traditionellen Textiltechnik beeinflussen. 1998 erhielt sie beim Wettbewerb „900 Jahre Zisterzienser“ den zweiten Preis des Brandenburgischen Kulturbundes für eine Batikarbeit. Ein Preis, auf den Kaufmann sehr stolz ist. „Die Ideen kommen von alleine. Aber die Natur ist ein guter Ideengeber und es gibt immer Strukturen, die reizen.“ Es mache Spaß, Sachen aus dem Nichts heraus zu gestalten, so die Veltenerin, die bis November 2015 noch ein Haus mit Werkstatt in Hankensbüttel in der Lüneburger Heide bewohnt hat. Dort gab sie Kurse und konnte ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Wie bei der Mola-Technik, einer Nähkunsttechnik der Kuna-Indianer Kolumbiens und Panamas. Molas werden eigentlich auf Vorder- und Rückseite von Blusen genäht und bestehen aus Stoffresten, die in zwei bis sieben Lagen miteinander vernäht werden und durch Heraustrennen und Umnähen von einzelnen Flächen ein Motiv ergeben. Eine Technik, die Kaufmann mit der Batikkunst kombiniert hat.

Batik: Auf einer Säule hat Elisabeth Kaufmann das Glaubensbekenntnis verewigt. Quelle: Ulrike Gawande

Doch machten ihr zunehmend die Augen zu schaffen, und so zog Kaufmann 2015 nach Velten, wo zwei ihrer Kinder mit Familien leben. Liebevoll haben ihre insgesamt acht Enkel – hinzu kommen zwei Urenkel – ein Buch mit Bildern des einstigen, kreativen Zuhauses zusammengestellt. In Velten beteiligt sich die Seniorin nun an Ausstellungen der Patchworkgruppe und des Künstlertreffs. Und sie genießt das reichhaltige Kulturangebot der Hauptstadt. Egal ob Ausstellungen im Barberini in Potsdam oder in der Matthäus-Kirche am Kunstforum Berlin. „Ich gehe gerne ins Museum. “ Besonders die Expressionisten haben Eindruck hinterlassen. „Oft sind es aber punktuell Werke, die im Blick bleiben, wie die Venus von Botticelli, die ich mir jüngst wieder in Florenz angesehen habe.“

Von Ulrike Gawande

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