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Oberhavel Ausbildungszentrum: zentrale Lage favorisiert
Lokales Oberhavel Ausbildungszentrum: zentrale Lage favorisiert
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19:47 05.10.2018
Der Seilershofer Frank Kliem, Vizepräsident des Landesfeuerwehrverbandes. Quelle: FOTO: Feuerwehr
Oranienburg/Gransee

Die Entscheidung über den Standort des neuen Technik- und Ausbildungszentrums für den Brand- und Katastrophenschutz fällt beim Kreistag am 10. Oktober. Die Beschlussvorlage sieht vor, dass das Zentrum in Oranienburg gebaut werden soll. Aber noch wird trefflich darüber diskutiert. Denn der Norden galt laut ungeschriebenem Gesetz als favorisierte Variante für die Investition. Dort befindet sich das Feuerwehrtechnische Zentrum seit 20 Jahren. Frank Kliem ist als einstiger Kreisbrandmeister (2000 bis 2016) ein Kenner der Szene. Er ist seit knapp einem Jahr Vizepräsident des Landesfeuerwehrverbandes.

Als vor einem Jahr die Entscheidung für die Investition eines Ausbildungszentrums fiel, war von einer Standortdiskussion in solch einem Maß wie in den vergangenen Wochen kaum etwas zu spüren. Wundert Sie die Intensität dieser Auseinandersetzung?

Frank Kliem: Der Standort spielte 2016, als es erste Überlegungen für bessere Ausbildungsbedingungen in Oberhavel gab, nicht die ganz große Rolle. Wichtig war, dass sich der Standard verbessern muss. Wir hatten und haben in Oberhavel das Modell der dezentralen Ausbildung. Das heißt, die Ausbilder fahren zu den Kameraden in die jeweiligen Stützpunkte. Lediglich die Ausbildung der Atemschutzgeräteträger und Löschfahrzeugmaschinisten finden in Gransee statt. Das hat mit damaligen Entscheidungen - unter anderem vom früheren Landrat Karl-Heinz Schröter - zu tun. Priorität hatte damals der Neubau von Feuerwehrgerätehäusern der örtlichen Feuerwehren. Überall dort, wo der Landkreis mit Fördermitteln die Investitionen unterstützte, wurden die Gebäude im Gegenzug dann auch für die Kreisausbildung genutzt.

Genau das soll sich ändern. Die Ausbildung soll künftig zentral stattfinden. Feuerwehrleute aus dem Südkreis wollen den Standort des Zentrums Richtung Südkreis verlagern. Der Kreistag muss darüber entscheiden. Wäre das ein richtiger Schritt, dem zu folgen?

Aus Sicht des Feuerwehrmannes sage ich, es wäre eine richtige Entscheidung. Die fachlichen Argumente sprechen dafür.

Was sind dafür die Gründe??

Alle Kameraden würden eine gleiche Ausbildung genießen. Das ist jetzt nicht möglich, weil die Feuerwehren unterschiedlich ausgestattet sind. Ein zweiter Grund: Es wird jetzt an den eigenen Geräten und der eigenen Ausrüstung der jeweiligen Löschzüge ausgebildet. Die haben dadurch einen höheren Verschleiß. Im Umkehrschluss heißt das zukünftig: Die Kameraden fahren zur Ausbildung.

Da sind wir beim Thema Standort...

Der sollte natürlich gut und zeitnah erreichbar sein. Ein weiteres Argument: In dem Ausbildungs- und Technikzentrum werden Reserven vorgehalten, die in größeren Einsatzlagen abgerufen werden: Schläuche, Schaum und Atemschutzgeräte können schneller zugeführt werden. Das sind alles keine neuen Argumente. Man braucht bloß den Zirkel auf die Karte legen und sieht, wo das Zentrum ist. Eben nicht im Norden des Landkreises.

Was spricht dagegen, dass die Kameraden einmal im Jahr zum Atemschutzgerätelauf und zur Kreisausbildung in die Granseeer Region fahren?

Für die Kameraden aus der Oranienburger Region wäre das sicherlich zumutbar, aber es geht auch um die Teilnehmer aus Kremmen oder Glienicke. Da ist der Fahraufwand wesentlich höher. Und es gibt mehr Feuerwehrleute im Südkreis. Die Atemschutzgeräteträger müssten nur einmal im Jahr fahren. Aber dann gibt es zum Beispiel die Ausbildungen zum Truppführer. Diese Ausbildung findet an drei Wochenenden jeweils drei Tage lang statt. Das ist schon ein wesentlich erhöhter Aufwand, der würde dann jahrzehntelang betrieben werden müssen. Deshalb ist ein Standort in zentraler Lage eben günstiger.

Politik und Verwaltung aus dem Norden von Oberhavel hatten seit der Investitionsentscheidung alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit der Standort im Nordkreis möglichst in der Granseer Region bleibt. Nach dem Feuerwehrleute aus dem Südkreis aufstanden und für einen Standort  im  bevölkerungsreicheren  Süden plädierten, sehen sie ihre Felle davonschwimmen. Können Sie die Auffassung der Vertreter aus dem Norden nachvollziehen?

Absolut! Ich wohne selbst im Nordkreis und kann verstehen, dass sie die Einrichtung im Norden behalten möchten. Denn dadurch würde der Norden gestärkt werden. Jede Investition und jeder Arbeitsplatz macht die Region attraktiver. Selbst der Ausbau der B96 erhielte eine höhere Priorität, wenn das Zentrum dort errichtet wird. Es kann am Ende nur eine politische Entscheidung werden.

Warum wurde die Standortdiskussion nicht schon vorher geführt?

Aus meiner Sicht ist das Thema leider zu wenig kommuniziert worden. Der Landkreis und auch der Kreisfeuerwehrverband hätten die Protagonisten rechtzeitig an einen Tisch holen müssen, um Verständnis zu den Positionen zwischen den Beteiligten herzustellen. Die CDU oder die Bürgermeister aus dem Norden brachten die Diskussion und Kommunikation richtigerweise in Gang. Jetzt wurde sie mehrheitlich über die Medien geführt.

Am 10. Oktober soll der Kreistag über den Standort in Oranienburg entscheiden. Wie lautet Ihre Vermutung auf den Ausgang?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass das noch nicht entschieden ist. Wichtig für mich wäre eine schnelle Entscheidung. Planung und Bau werden mehrere Jahre benötigen. Selbst wenn sich jetzt alle für Oranienburg entscheiden sollten, glaube ich nicht, dass innerhalb der nächsten drei Jahre dort die erste Ausbildung stattfinden kann. So ein Projekt braucht seine Zeit.

Von Stefan Blumberg

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