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Oberhavel Geteiltes Erinnern: Nicht alle Gäste sind bei der Feierstunde willkommen
Lokales Oberhavel Geteiltes Erinnern: Nicht alle Gäste sind bei der Feierstunde willkommen
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20:30 28.10.2019
Stacheldraht erinnert neuerdings am Naturschutzturm, einem alten Grenzturm, an die Sperranlagen. Quelle: Helge Treichel
Hohen Neuendorf

Der 30. Jahrestag des Mauerfalls am 9. November soll mit einer offiziellen Feier am Grenzturm begangen werden. Doch nicht alle Gäste sind willkommen. Das keineswegs wegen ihrer politischen Rolle in der DDR oder ihrer Einstellung zur deutschen Teilung. Vielmehr geht es um den Streit, wer den Grenzturm an diesem Tag betreten darf, wer die Deutungshoheit über die Mauer-Geschichte hat und welches Gewicht der Naturschutz künftig noch am „Naturschutzturm“ hat. Dabei wird nicht davor zurückgeschreckt, die beteiligten Akteure in ihrer Privatsphäre herabzuwürdigen.

Einer der nicht eingeladenen ist Marian Przybilla, ein ehemaliger Westberliner Lehrer, der „große Freude mit der Einheit“ verbunden habe und sich bald mit dem Verein „Deutsche WaldjugendNaturschutzturm“ (DWJ) Verdienste um den Erhalt des Grenzturms erworben hatte. 2015 schenkte er seinen Anteil am Turm, der ihm zusammen mit seiner Mitstreiterin, der Hohen Neuendorfer Lehrerin Helga Garduhn gehörte, der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) – allerdings der SDW Berlin.

Helga Garduhn und Marian Przybilla im Jahr 2016 an ihrer alten Wirkungsstätte, dem Naturschutzturm im ehemaligen Grenzstreifen. Quelle: Helga Garduhn und Marian Przybilla

Der begünstigte Verein verbietet Przybilla aber bald, seine alte Wirkungsstätte zu betreten. Warum, darüber hüllt sich der Vorsitzende der SDW Oberhavel, Dirk Hartung, gegenüber der MAZ in Schweigen. Wohlweislich, denn es gibt eine gerichtliche Vereinbarung: Die SDW-Mitglieder verpflichteten sich, „gewisse Vorfälle nicht in die Öffentlichkeit zu bringen“, wie Hartung es ausdrückt. Im Gegenzug habe sich Przybilla bereiterklärt, sich an das Hausverbot zu halten.

Marian Przybilla wiederum widerspricht dieser Darstellung: „Das Hausrecht war nie Gegenstand einer Gerichtsverhandlung. Folglich gab es zum Hausverbot keinen Vergleich.“ Przybilla nennt Hartungs Darstellung „eine Lüge“ und betont: „Der Vergleich bezog sich lediglich auf die Verbreitung des ,Geredes’.“

Aber „in einer Mitgliederversammlung kann jemand straffrei Lügen verbreiten, weil eine Mitgliederversammlung nicht öffentlich ist“, wehrte sich nun Przybilla in der Bürgerfragestunde der Stadtverordnetenversammlung (SVV) am vergangenen Donnerstag gegen seinen faktischen Ausschluss von dem Gedenken, bei dem die Stadt Mitveranstalter ist. „Auf meine Nachfrage erhielt ich von der Stadtverwaltung die Mitteilung, dass sich die Stadt in diese Streitigkeiten nicht einmischt“, sagt der Betroffene.

Für öffentliche Veranstaltung soll privates Hausrecht gelten

Allerdings habe sich Bürgermeister Steffen Apelt (CDU) sehr wohl auf die Seite der SDW geschlagen, indem er im Namensstreit um die Nutzung der Bezeichnung „Naturschutzturm“ ein Empfehlungsschreiben an das Patent- und Markenamt in München verfasste, sagt Marian Przybilla. Allein aus diesem Grund wäre er nun an die Öffentlichkeit gegangen, rechtfertigt sich der Ausgeschlossene.

Bürgermeister Steffen Apelt (CDU), akzeptiert für die öffentliche Feier zum 30. Jahrestag des Mauerfalls das Hausverbot der SDW gegen einen Gast, da er sich nicht in die Auseinandersetzung einmischen möchte. Quelle: Helge Treichel

Bürgermeister Apelt ging aber vor der SVV darauf nicht ein, sondern wiederholte: „Ich übe das Hausrecht dort nicht aus und kann mich nicht über ein Hausverbot hinwegsetzen.“ Dennoch äußert er auf MAZ-Nachfrage: „Inhaltliche Abstimmungen finden gleichwohl auf Augenhöhe statt, dass sich keiner der Partner über explizite Wünsche, Bedenken oder Regeln des anderen hinwegsetzen kann.“

Warum die Stadtverwaltung überhaupt den schon lange mit dem Streit zwischen SDW und DWJ belegten Ort wählte, anstatt einen neutralen kommunalen Ort, begründet Apelt so: „Privatrechtliche Auseinandersetzungen ändern nichts daran, dass dieser Ort bezüglich des Jubiläums der geschichtsträchtigste Ort der Stadt ist.“

Aber der Bürgermeister weist darauf hin, dass auch die Waldjugend mit ihren Veranstaltungen Teil des Programms bis zum 17. Februar 2020 ist– dem Jahrestag der direkten Grenzöffnung von Frohnau nach Hohen Neuendorf. „Selbstverständlich ist es auch ein Beleg dafür, dass wir Ihre Leistungen hoch schätzen“, lobt er den 67-Jährigen, der 1999 mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt worden ist.

Dirk Hartung, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Oberhavel, verwehrt dem Gründer des Naturschutzturms den Zutritt zur dessen alter Wirkungsstätte. Quelle: Helge Treichel

Der Hausherr, Dirk Hartung, kann die ganze Aufregung nicht verstehen: „Die Veranstaltung wird außerhalb unseres Geländes stattfinden. Wir haben gar nicht so viel Platz für die vielen Leute, die wir erwarten.“ Daher habe auch Marian Przybilla die Möglichkeit, dieser beizuwohnen. Zwar werden die Posaunenklänge vom Dach des Turm weithin schallen, aber der Eröffnung eines „Memorials“ mit Fotodokumenten direkt am Grenzturm muss sich Przybilla wohl fern halten.

Ehemaliger Jugendrebell kritisiert heutigen Akteur

Ein weiterer früherer Mitstreiter von Dirk Hartung ist Dirk Maretzki, der ebenfalls nicht gern gesehen ist. Einst waren beide sogar befreundet und kämpften gemeinsam bis 2011 gegen die Umgehungsstraße L171, die nahe des ehemaligen Grenzstreifens verlaufen sollte. „Ich war oft mit meinen beiden Kindern am Naturschutzturm und habe Marian Przybillas Arbeit geschätzt. Er ist durch den Streit um sein Lebenswerk fast draufgegangen“, erzählt er.

Dirk Maretzki war bis 1989 im Hurrican-Trio ein Skater vom Alexanderplatz, ist aber als Zeitzeuge der Wende nicht gern gesehen. Quelle: Matthias Busse

Eigentlich wollte Maretzki als Zeitzeuge zur zuvor geplanten Filmvorführung „This Ain’t California“ über die DDR-Skaterszene auftreten. Nach eigener Aussage gehörte er zum „Hurrikan-Trio“ um einen der Hauptdarsteller Marco Sladec. Die unangepassten Jugendlichen außerhalb der organisierten Freizeitarbeit waren bei der DDR-Obrigkeit lange nicht gern gesehen.

Daher fühlt sich der gebürtige Ostberliner, der sich außerdem als damaliges Mitglied der Jungen Gemeinde in der Sophienkirche (Berlin) zum Widerstand rechnet, zurückgesetzt von Hartung. Der habe schon mal uniformierte Grenzsoldaten-Darsteller im NVA-Armeejeep am Turm auffahren lassen, wie sich Maretzki erinnert.

Die Anschuldigung seines ehemaligen Weggefährten, er sei als „Grenzer“ aktiv am Todesstreifen beteiligt gewesen, weist Dirk Hartung jedoch strikt zurück: „Ich war drei Jahre in Prora an der Unteroffiziersschule, denn ich wollte später studieren.“ Er habe jedoch weder mit der Grenzsicherung zu tun gehabt noch sei er auf einer Offiziers-Kaderschmiede gewesen oder überhaupt SED-Mitglied.

Im Zusammenhang mit seiner gegenteiligen Tatsachenbehauptung zum Lebenslauf von Dirk Hartung äußert Dirk Maretzki dies: „Die Hauptdarsteller der Show vom 9. November erinnern mich an selbst erlebte dunkle Zeiten des SED-Regimes.“

Mit ihm oder der Stadtverordnetenversammlung sei das Programm und die Wahl des Veranstaltungsortes jedenfalls nicht abgesprochen gewesen, sagt Stadtverordnetenvorsteher Raimund Weiland (CDU).

***

In einer zuvor veröffentlichten Version dieses Beitrages schrieben wir, dass die Verbreitung von gestreuten Gerüchten zu den Hintergründen des Hausverbotes gerichtlich verboten worden war. Nach Darstellung von Dirk Hartung hatte es eine gerichtliche Einigung zwischen den Kontrahenten gegeben.

In dem Zitat von Dirk Hartung zu seiner Zeit in Prora war von einer Offiziersschule die Rede. Tatsächlich handelt es sich nach seiner Aussage um eine „Unteroffiziersschule“. An der ehemaligen DDR-Grenze habe er nie Dienst getan. Zugleich macht er nähere Angaben, die sein Verhältnis zum DDR-Regime klarstellen.

Höhepunkte des Erinnerns an den Mauerfall vor 30 Jahren

Über Bürgerdialoge und Runde Tische berichten Beteiligte am 2. November um 14 Uhr in der Kulturwerkstatt, Karl-Marx-Straße 24.

Eine Ausstellung zum Mauerfall wird unter freiem Himmel am S-Bahnhof Hohen Neuendorf vom 8. November bis zum 17. Februar 2020 gezeigt.

Die Festveranstaltung am Grenzturm Bergfelde am Waldjugendweg am 9. November beginnt um 16 Uhr mit der Eröffnung des Memorials. Dazu gibt es Musik und Filmvorführungen.

Zeitzeugen berichten vom Leben beidseits der Grenze im Rathaus an der Oranienburger Straße 2 am 17. Januar 2020 um 17.30 Uhr.

Open-Air-Fotoausstellung am Mauerweg neben dem Naturschutzturm Bergfelde zur Veränderung des Grenzstreifens am 26. Januar von 11 bis 14 Uhr.

Wiedervereinigungsparty in der Stadthalle Am Rathaus 1 unter dem Motto „Typisch DDR – Typisch BRD“ am 21. Februar um 19 Uhr. Tanz 30 Jahre nach der Maueröffnung zu Frohnau.

Von Matthias Busse

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