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Oberhavel Berufe auf der Roten Liste
Lokales Oberhavel Berufe auf der Roten Liste
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00:41 28.04.2018
Thomas Wiesel (l.), Ausbilder und Meister für Straßen- und Tiefbau, erklärt Kollegen das Pflastern.
Thomas Wiesel (l.), Ausbilder und Meister für Straßen- und Tiefbau, erklärt Kollegen das Pflastern. Quelle: Enrico Kugler
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Oranienburg

Marvin Michael Selck aus Zühlsdorf ist ziemlich stolz. In den vergangenen zwei Wochen haben er und seine Mit-Azubis des 1. Lehrjahres eine Böschung mit Natursteinen gemauert. Das ist gar nicht so einfach, weil ziemlich schräg. Der Winkel muss stimmen und alles lange halten. Handwerk, das er im Lehrbauhof Oranienburg in der Bykstraße erlernt. Der 22-Jährige wird Straßen- und Tiefbauer, will Geselle, vielleicht auch Meister werden. Ein Teilbereich seiner Lehre umfasst das Handwerk des Steine -setzers. Früher war das ein eigenständiger Beruf. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer: Berufe wie Weber, Steinsetzer, Sattler, Stellmacher, Schmied oder Ofensetzer gehören zu den aussterbenden Berufen. „Aber wir müssen sie erhalten, das Wissen darf nicht verloren gehen“, sagt Lehrbauhofgeschäftsführer Dirk Hagemann.

Deshalb beteiligt sich der Landkreis Oberhavel zusammen mit Ausbildern des Europäischen Zentrums für Bildung und Betreuung in Biala Podlaska in Polen und dem OSZ für Technik und Landwirtschaft in Vilnius in Litauen am „Erasmus+ Projekt“, bei dem es darum geht, jungen Handwerkern eine Zusatzqualifikation in alten Handwerkstechniken zu ermöglichen. Ab Frühjahr 2019 soll es soweit sein. 15 angehende Handwerker pro Land sollen sich im „Dorf der vergessenen Berufe“ in Ostpolen erstmals treffen. Dort gibt es „Übungshäuser“, in denen alte und neue Bautechniken vermittelt werden. „Gerade in Europa gibt es sehr viele historische Gemäuer und Straßen, sie zu erhalten ist wichtig. Dafür braucht es alte Handwerkskunst“, betont Thomas Wiesel, Ausbilder der Tiefbauer, die auch pflastern und Steine setzen können sollen.

In den vergangenen zwei Tagen haben sich im Vorfeld der Ausbildung 2019 die Ausbilder aus Oranienburg, Polen und Litauen über die Ausbildung ihrer Länder ausgetauscht. Was ist ähnlich, was anders, was kann man voneinander lernen? Sie sahen sich im Lehrbauhof ebenso um wie am OSZ in Hennigsdorf, beim TüV in Lehnitz und bei Hufschmied Olaf Peter in Gransee. Im Lehrbauhof in Oranienburg erfuhren sie auch vom „ Projekt Mantua“, bei dem seit zehn Jahren immer im Herbst die besten Azubis des 2. Lehrjahres gemeinsam nach Italien fahren und bei der Sanierung des dortigen Klosters den Bauleuten vor Ort zur Hand gehen.

Vielleicht ist ja auch Marvin Michael Selck 2019 dabei? Er hat die Ausbildung, die zu ihm passt über ein Praktikum im Lehrbauhof gefunden. Sein ausbildender Betrieb ist die Firma Neidick im Gewerbegebiet. Ja, man sei abends nach getaner Arbeit ziemlich alle, aber es mache ihm Spaß, zu sehen, wie eine Pflasterarbeit entsteht.

Von Heike Bergt