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Birkenwerder Gemeinde ruft nach Hafen-Brand zu Spenden auf
Lokales Oberhavel Birkenwerder Gemeinde ruft nach Hafen-Brand zu Spenden auf
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16:02 18.11.2019
Nach dem Brand im Bootshafen in Birkenwerder bietet sich den Eigentümern grausames Bild. Quelle: Helge Treichel
Birkenwerder

Tage nach dem Großfeuer liegt noch immer ein stechender Brandgeruch über dem Hafengelände des Motorwassersportclubs (MC) Birkenwerder. Ein Graureiher ist regungslos auf seine nächste Mahlzeit fokussiert – unbeeindruckt vom Bild der Verwüstung, das die in Schutt und Asche gelegte Halle sowie die rund 20 zerstörten Boote abgeben. Die Polizei hat das Gelände beschlagnahmt und abgesperrt. Zutritt: verboten.

Am Sonnabend, dem Tag nach dem Großeinsatz, waren die Brandermittler noch zu keinem Ergebnis hinsichtlich der Brandursache gekommen, sagt Polizeisprecher Stefan Rannefeld. Es sei klar geworden, dass Teile des Brandschutts zunächst mit schwerem Gerät beiseite geräumt werden müssen, um weitere Untersuchungen anstellen zu können. „Dies wird voraussichtlich erst am Mittwoch der Fall sein“, so Rannefeld.

Michaela Bobon und Manfred Dahlke versuchen sich am Zaun des Vereinsgeländes ein Bild vom entstandenen Schaden am Bootshafen in Birkenwerder zu machen. Quelle: Helge Treichel

Am Zaun versuchen Vereinsmitglieder, sich aus der Distanz einen Eindruck vom Ausmaß der Zerstörung an den Booten zu machen, möglichst auch vom eigenen. Zu ihnen gehört Michaela Bobon, die mit ihrem Mann aus Borgsdorf erschienen ist. Das kleine Kajütboot ihrer Familie ist ein Totalschaden, auch das des Schwiegervaters. „Unsere Kinder sind traurig, die beiden haben geweint“, sagt Michaela Bobon, die seit 17 Jahren Vereinsmitglied ist. Für die achtjährige Tochter und den zehnjährigen Sohn gehörte das Boot zur Kindheit dazu. Ebenso bei ihrem Mann. „Wir können uns definitiv kein neues mehr leisten“, sagt die Mutter niedergeschlagen. Mit Spannung erwartet sie das Ermittlungsergebnis zur Brandursache. Viele Leute hätten nicht nur ihr Boot verloren, sondern nun auch noch das kostspielige Problem, die Überreste als Sondermüll entsorgen zu lassen.

Von der Drehleiter aus konnte Bürgermeister Zimniok einen genauen Eindruck vom Ausmaß der Schäden auf dem Gelände des Bootshafens gewinnen. Quelle: Gemeindeverwaltung Birkenwerder

„Wenn ich das sehe, kommen mir die Tränen“, sagt Manfred Dahlke. Der 84-Jährige ist seit mehr als 40 Jahren Mitglied beim MC Birkenwerder und hatte sein Boot vor zwei Jahren schweren Herzens verkauft. „Steht der Werkzeugschuppen noch?“, fragt er Michaela Bobon. Die bejaht, was den Senior aber kaum trösten kann. „So schlimm habe ich es nicht erwartet“, sagt er. Vor allem, dass auch so viele Boote außerhalb der Halle beschädigt oder zerstört worden sind, habe ihn überrascht. „Hier steckt so viel Kraft und Herzblut drin“, sagt er. „Was haben wir uns gequält, um alles aufzubauen.“ Als Schweißer habe er selbst mit angepackt – von den Schienen über den Brückenbau bis hin zum Fahnenmast.

Ob aus Kunststoff, Holz oder Metall – 20 Boote wurden in Birkenwerder total zerstört, zehn weitere zum Teil stark beschädigt. Quelle: Helge Treichel

Die Gemeindeverwaltung Birkenwerder hat inzwischen einen Spendenaufruf veröffentlicht, unterzeichnet von Bürgermeister Stephan Zimniok (BiF). „Gegen 13.16 Uhr kam es aus bisher ungeklärter Ursache zu einem Knall mit starker Rauchbildung und einem sich rasend schnell ausbreitenden Feuer“, fasst der Verwaltungschef die Ereignisse vom vergangenen Freitag zusammen. 70 Feuerwehrleute seien mit 20 Fahrzeugen bis in die frühen Abendstunden mit den umfangreichen Löscharbeiten beschäftigt gewesen. Fast 30 Boote von Mitgliedern des MC Birkenwerder seien betroffen.

Der Brand habe alle Mitglieder schockiert. „Viele stehen vor den Ruinen jahrzehntelanger Arbeit an den Booten, die zum Teil schon an nachfolgende Generationen übergeben waren“, heißt es in dem Aufruf. Tief beeindruckt habe ihn die Geschichte eines Seniors, der vor 40 Jahren sein Boot selbst gebaut hat, aus Holz und unter den damaligen Möglichkeiten in der DDR. „Es ist mit vielen Erinnerungen und dem Wissen, dass es unwiederbringlich verloren ist, verbrannt“, so Zimniok, der während des Einsatzes unter anderem Brötchen für die Einsatzkräfte geholt und Anwohner informiert hatte.

Von einigen Booten aus Metall ist nurmehr der ausgeglühte Stahlkörper übrig geblieben. Quelle: Helge Treichel

Um den Mitgliedern des MC Birkenwerder „ein wenig Hoffnung auf ein gutes Ende dieser Katastrophe geben zu können“, bittet der Bürgermeister um eine Spende auf das Konto des MC Birkenwerder. Spendenquittungen stelle der Verein aus. „Wenn jeder Einwohner einen Zehner spendet, wäre das ein gutes Grundkapital für den Neustart – inklusive Anschaffung vielleicht einiger Boote“, sagt Stephan Zimniok. Außerdem habe die Gemeinde als Grundstückseigentümerin auch die Behörden informiert, um nun gegebenenfalls mögliche Einflüsse auf den Boden und das Grundwasser ermitteln zu lassen. Die zunächst abgeschaltete Brunnengalerie zur Trinkwassergewinnung in der Schutzzone sei inzwischen wieder in Betrieb genommen worden, so Zimniok.

Blick auf den Großbrand im Bootshafen Birkenwerder. Quelle: MC Birkenwerder

Unter der Überschrift „Verein braucht Hilfe“ wandte sich am Montagnachmittag auch der MC Birkenwerder an die Öffentlichkeit. „Trotz der fatalen Auswirkungen möchten wir nicht aufgeben“, heißt es in dem Aufruf: „Bitte helfen Sie uns, den Verein zu erhalten, Anlaufpunkt für unsere Mitglieder zu sein, vor allem für die, die auf so schreckliche Weise ihr Boot verloren haben. Die weitere Durchführung gemeinnütziger Veranstaltungen liegt uns sehr am Herzen.“

Dafür wurde ein Spendenkonto eingerichtet: Mittelbrandenburgische Sparkasse, MC Birkenwerder, DE63 1605 0000 3704 0038 82. Kennwort: Spende Großbrand.

Der Vereinsvorstand hat die 175 Mitglieder für den 8. Dezember zu einer außerordentlichen Versammlung eingeladen, informierte Vizevereinsvorsitzender Tino Hoffmeister. Großes Thema sei es einerseits, „die betroffenen Vereinsmitglieder nicht im Regen stehen zu lassen“, andererseits gehe es um Maßnahmen gegen mögliche Umweltschäden. Schließlich befinde sich das Vereinsgelände in einem Trinkwasserschutzgebiet. Zudem müssten einige der frisch gefassten Beschlüsse aus der Herbstsitzung wieder aufgehoben werden.

Die Aufnahme einer Drohne vom Brandort. Quelle: MC Birkenwerder

Der Wassersportverein war 1968 von Gleichgesinnten mit einer gemeinsamen Leidenschaft gegründet worden. „Es wurde eine Gemeinschaft in dem Jung und Alt sich treffen, Boot fahren, viele gemütliche Stunden gemeinsam verbringen“, heißt es in dem Hilferuf des Vereins, dessen Mitglieder sich zugleich bei allen Einsatzkräften sowie bei der Firma Merkel Tiefbau für einen zur Verfügung gestellten Bagger bedanken. „Boote wurden noch in mühevoller Arbeit mit viel Liebe und Handarbeit selber gebaut.“ Die Gemeinschaft sei im Laufe der Jahre zu einem Verein mit 175 Mitgliedern herangewachsen. Zugleich habe man die Allgemeinheit und Gemeinde an dem schönen Stück Natur teilhaben lassen wollen: „So entstanden die Ideen, Hortkinder einzuladen, Seniorenausfahrten zu organisieren, Hafenfeste zu gestalten und den Jugendlichen aus der Region den Wassersport näher zu bringen.“ Die Gründungsmitglieder seien Jahrzehntelang dabei gewesen. Ihre selbstgebauten Boote seien zum Teil über mehrere Generationen vererbt und in Stand gehalten worden.

„Das ist ein Tiefschlag“, sagt Manfred Dahlke mit Blick auf die Brandschäden. „Der Verein darf aber nicht sterben“, fügt er trotzig hinzu.

Ein Bild der Zerstörung bietet sich nach dem Brand. Quelle: Helge Treichel

Von Helge Treichel

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