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Birkenwerder Campino kommt zum Plaudern nach Birkenwerder
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01:16 20.01.2019
Sänger Campino (r.) von der Band „Die Toten Hosen“ war am Donnerstag in der Regine-Hildebrandt-Gesamtschule Birkenwerder. Quelle: Enrico Kugler/dpa
Birkenwerder

Die Begegnungen sind sporadisch, aber regelmäßig. Drei gab es allein im vergangenen Jahr. Und für ihn seien die Regine-Hildebrandt-Gesamtschule und ihre Schüler etwas ganz Besonderes, sagt Andreas Frege – den meisten besser bekannt als Campino. Der Sänger, Frontmann und Songwriter der Band „Die Toten Hosen“ war am Donnerstag nach Birkenwerder gekommen, um seiner Rolle als Pate für das Projekt „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ mit den Jugendlichen über die aktuelle politische Situation zu diskutieren. Ziel war es dabei, Grenzen auszuloten. Grenzen der Toleranz, des Erträglichen, des Engagements, des Machbaren.

Für den Einstieg wählte Moderator Philipp Schulze einen TV-Bericht in dem über die Toten im Mittelmeer berichtet wird. Auch im Juni 2018 seien immerhin 629 Menschen während ihrer Flucht umgekommen. Dennoch werde die private Seenotrettung seitens der Behörden in vielfältiger Weise behindert. Die Hilfe müsse in den Herkunftsländern ansetzen, indem Fluchtursachen bekämpft werden, sagte ein Jugendlicher. Und wenn Städte Geflüchtete aufnehmen wollen, dann müsse ihnen das auch gestattet sein. Es sei ein Irrtum zu glauben, ein einzelner alleine könne nichts tun, sagte Campino. Auch er habe ein privates Rettungsboot finanziell unterstützt. Man könne Menschen direkt unterstützen, politisch aktiv werden und Kontakte aufbauen, nannte Lehrer Dirk Kroll mögliche Handlungsfelder: „Das einzige, was ich nicht kann, ist nichts zu tun!“

Es sei aber ganz wichtig, vor den einzelnen Taten den Blick auf die Erfolge zu richten, sagte Campino. Deutschland habe mehr als eine Million Menschen aufgenommen und versorgt und damit das Leben gerettet. Darauf könne man als Nation auch stolz sein. Wenn man zusätzlich die Beispiele geglückter Integration etwas deutlicher zeichnet, ließe sich auch der Widerstand besser brechen.

Der Künstler erinnerte außerdem an die Parallelen zu den Fluchtbewegungen aus Deutschland während der NS-Diktatur. Viele Schiffe mit Verfolgten hätten auslaufen können, wenn ein ausländischer Zielhafen hätte genannt werden können. Doch vielfach seien nicht einmal die Hilfegesuche beantwortet worden.

Außerdem entspann sich eine interessante Diskussion um die rechte und linke Szene innerhalb der Fußball-Fangemeinde. Dabei sei es gut, den Sport als Wettstreit auf einer fairen gemeinsamen Bais zu betrachten. Es gäbe jedoch die Tendenz, dass extreme Haltungen und Gesten dadurch salonfähig werden, dass sie als reine Provokation abgetan werden.

Sänger Campino (M.) von der Band „Die Toten Hosen“ war am Donnerstag in der Regine-Hildebrandt-Gesamtschule Birkenwerder, um mit den Jugendlichen über Flüchtlinge, Politik, Fußball und die Musik zu diskutieren.

Jeder stehe ständig vor der Frage, etwas zu tun oder zu unterlassen, lautet das Fazit der Diskussion. Man war sich einig, nicht die Augen zu verschließen. Es sei aber zum Beispiel extrem schwierig, ein Lied mit einem politischen Text zu schreiben, gestand Campino. Denn in der schnelllebigen Zeit ändere sich der Kontext extrem schnell.

Der Sänger bedankte sich, dass er an der Diskussion teilnehmen durfte. Durch die gelebte Integration an der Schule seien die Jugendlichen sensibilisiert. „Das macht solche Gespräche offener und effizienter“, sagt Campino. Gemeinsam wurde sogleich das nächste Treffen Anfang Mai ins Auge gefasst. Bis zum Abschied blieb noch Zeit für gemeinsame Fotos und Autogramme.

Von Helge Treichel

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