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Birkenwerder Rammarbeiten mit Dieselkraft
Lokales Oberhavel Birkenwerder Rammarbeiten mit Dieselkraft
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20:12 04.08.2019
Der Dieselrammbär an der Bahnbrücke in Birkenwerder im Einsatz. Der Verkehr fließt nur einspurig in Richtung Frankfurt (Oder). Quelle: Robert Roeske
Birkenwerder/Mühlenbeck

Weithin war am vergangenen Wochenende das rhythmische Schlagen der Rammen zu hören. An der Bahnbrücke in Birkenwerder, wo unweit des Boddensees vier Gleisstränge von S- und Fernbahn die A 10 überqueren, werden fast 17 Meter lange Spundwandteile in die Erde getrieben. Deren obere Enden liegen nach ihrem Einbau etwa anderthalb Meter unter dem Niveau der Schienen.

Die beiden Gleise der Fernbahn mussten während der Bauarbeiten auf beiden Seiten der Brücke gekappt werden. Obwohl die S-Bahn-Seite erst am zweiten August-Wochenende an der Reihe ist (9. August, 22 Uhr, bis 11. August, 6 Uhr), war während der Bauphase am Wochenende dennoch Schienenersatzverkehr zwischen Birkenwerder und Oranienburg eingerichtet. „Zum Teil haben wir zu nah an der S-Bahn-Strecke gearbeitet“, begründet Bauleiter Henning Benker von der Arge A10/A 24 Havellandautobahn die zeitweise Streckensperrung.

Bei den Arbeiten kamen auch Baumaschinen von den Schienen aus zum Einsatz. Quelle: Helge Treichel

Auf jeder der beiden Seiten der Bahnbrücke kam und kommt bei den Arbeiten jeweils ein sogenannter „Dieselbär“ lautstark zum Einsatz. Das Arbeitsprinzip von Dieselbären entspricht der Funktionsweise eines Zweitaktmotors: Ein Kraftstoff-Luft-Gemisch wird gezündet, um den Kolben nach oben schnellen zu lassen. Außerdem wurde auf beiden Brückenseiten jeweils ein Vibrationsbär verwendet. Dessen hochfrequentes Rütteln lässt die Spundwandelemente wie durch Butter ins sandige Erdreich hinabgleiten.

Den Grund für diese Arbeiten beschreibt Henning Benker so: Zwischen den vorhandenen Brückenlagern und dem Damm mit den Schienen soll beidseitig eine bis zu 20 Meter breite Lücke geschaffen werden. Damit werde die nötige Baufreiheit geschaffen, um die Widerlager der neuen Bahnbrücke zu bauen. Damit der Zugverkehr während dieser Bauphase jedoch weiter rollen kann, werde die Baustelle von sogenannten „Gleishilfsbrücken“ überspannt. Diese provisorischen Brücken sollen am dritten sowie am vierten Augustwochenende montiert werden, weshalb es dann erneut zu Einschränkungen des Bahnverkehrs kommen wird. Durch den späteren Abbruch der alten Brücke und ihrer Widerlager wird Platz geschaffen für die auf insgesamt sechs Fahrspuren verbreiterte A 10. Die neue Brücke wird also deutlich länger sein.

Die lärmintensiven Rammarbeiten in Birkenwerder. Quelle: Helge Treichel

Warum am ersten und zweiten August-Wochenende auch ein geräuschintensiver „Dieselbär“ zum Einsatz kommt? Dies begründet der Bauleiter mit der erforderlichen festen Verankerung von bestimmten Abschnitten der Spundwand im Erdreich: Jene Pfeiler, welche die Lasten der insgesamt acht Gleishilfsbrücken tragen müssen, werden durch den Rammvorgang geradezu im Erdreich verkeilt. Beim Vibrationsverfahren wäre diese nötige Stabilität nicht gewährleistet, erläutert Henning Benker.

Der Bauleiter konnte am Sonntag um 20 Uhr die vorfristige Freigabe der Fernbahnstrecke gegen 0 Uhr in der Nacht zu Montag bekannt geben. Die vorübergehend eingleisige Sperrung der S-Bahnstrecke war bereits am Sonnabend gegen 21.45 Uhr aufgehoben worden.

Auf der Baustelle werden unter anderem ein Mobilkran mit Ramme am Haken (Typ Mäkler), ein Mobilkran, Zweiwegebagger mit Rammaufsatz und ein Arbeitszug mit Lok eingesetzt. Die mehr als 4000 Anwohner im unmittelbaren Angrenzungsbereich (Entfernung zur Baustelle bis 750 m) seien von Mitarbeitern der Arge A10/A24 Havellandautobahn bereits informiert worden. „Sie haben die Möglichkeit, in umliegenden Hotels oder Pensionen Ersatzschlafräume zu nutzen“, informierte Pressesprecher Steffen Schütz. „Wir sind bemüht, die von den Bauarbeiten ausgehenden Störungen so gering wie möglich zu halten“, verspricht er.

Stück für Stück werden die Stahlträger und die Verschalung demontiert. Die L 21 musste dafür am ersten August-Wochenende voll gesperrt werden. Quelle: Robert Roeske

Einen der Auslöser für die angespannte Verkehrslage am Wochenende im südlichen Oberhavel bildete die vorübergehende Vollsperrung der L 21 an der Anschlussstelle Mühlenbeck von Freitagabend bis Montagmorgen. Hier wurden das Traggerüst und die Verschalung für die neu gebaute erste Hälfte der Autobahnbrücke über die L 21 entfernt. Dazu wurde zunächst das Traggerüst etwa zehn Zentimeter nach unten abgesenkt. Das schaffte den Freiraum, um die Schalungsbretter zu lösen und wegzunehmen.

Oberbauleiter Silvio Kassin auf der L 21 in Mühlenbeck Quelle: Helge Treichel

Mit einem Teleskoplader wurden dann stückweise die insgesamt 19 Stahlträger mit einer Länge von zehn Metern herausgehoben, erläuterte Oberbauleiter Silvio Kassin. Die Brücke für die künftig dreispurige Richtungsfahrbahn nach Frankfurt (Oder) werde nun noch fertiggestellt, indem unter anderem der Damm aufgeschüttet und die Fahrbahn hergestellt werden. „Die Verkehrsumlegung ist für den Herbst geplant – und dann geht es an die andere Seite“, so der Oberbauleiter für Ingenieurbau.

Die Schalungen und Träger werden nun entfernt, nachdem der Beton für die erste Hälfte der neuen Autobahnbrücke ausgehärtet ist. Quelle: Robert Roeske

Von Helge Treichel

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