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Oberhavel Bürgerinitiative gegen weitere Abholzungen
Lokales Oberhavel Bürgerinitiative gegen weitere Abholzungen
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06:04 02.03.2018
Spuren der bisherigen Abholzung an der nördlichen A 10 in Birkenwerder im Zuge des sechsstreifigen Autobahnausbaus. Quelle: Bürgerinitiative A10-Nord
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Birkenwerder/Hohen Neuendorf

Die 50Hertz Transmission GmbH legt im Zuge des bereits 2014 begonnenen Planfeststellungsverfahrens zum Neubau einer 380 kV-Stromleitung im nördlichen Berliner Umland eine 1. Planungsänderung öffentlich aus. Die betreffenden Unterlagen können eingesehen werden: vom 15. Januar bis 14. Februar im Rathaus Birkenwerder sowie in der Hohen Neuendorfer Rathausaußenstelle in der Oranienburger Straße 44.

Ziel der Planungsänderung ist eine Erhöhung der geplanten Masten um zusätzliche 20 Meter auf fast 100 Meter. Gleichzeitig soll die bereits bestehende 110-/220-kV-Trasse im Gemeindegebiet Birkenwerder um einige Meter nach Norden verschoben werden. „In Folge droht ein zusätzlich zu den derzeit erfolgten Abholzungen aufgrund des Autobahnbaus ein weiterer Rodungsstreifen in Breite eines Fußballfelds für die neue Freileitung sowie eine rechtswidrige Überspannung von Wohn- und Wochenendhäusern mit einer 380-kV-Stromleitung“, heißt es in einer Pressemitteilung der Bürgerinitiative (BI) A 10-Nord.

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Wertminderung der Grundstücke befürchtet

„Die bereits bestehende Belastung von Landschaft und Ortsbild durch die aktuellen Infrastrukturen wird ausgeweitet, die Emissionen steigen und beiden Gemeinden geht erheblicher Siedlungsraum verloren“, kritisieren die Aktivisten der BI. Dies habe nicht nur Auswirkungen auf die Attraktivität der Kommunen, sondern trage auch erheblich zur Wertminderung der mittelbar und unmittelbar betroffenen Grundstücke bei. Zu den bereits jetzt betroffenen fast 100 Anwohnern, die von der 110/220 kV-Leitung in ihren Gebäuden überspannt würden, kämen dann noch etliche Betroffene hinzu.

Aufruf zum Einreichen von Stellungnahmen

Deshalb ruft die Bürgerinitiative zum Protest auf: „Wenn wir zukünftig Birkenwerder ,grün erleben’ und Hohen Neuendorf weiter als ,grüne Wohlfühlstadt’ sehen wollen, müssen wir uns gemeinsam gegen diesen kombinierten Infrastrukturwahnsinn wehren.“ Alle Betroffenen seien aufgefordert, ihre Sicht auf diese Maßnahme in einer Stellungnahme bis zum 14. März 2018 im Rathaus/der Rathausaußenstelle oder beim Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe in Cottbus einzureichen. Wie immer stehe die Bürgerinitiative A 10-Nord unterstützend zur Verfügung, heißt es. Dazu sei für Mittwoch, 21. Februar, voraussichtlich ab 19 Uhr eine Informationsveranstaltung in der Aula der Pestalozzi-Grundschule in Birkenwerder geplant.

„Aktuell sind die Masten im Bereich Birkenwerder etwas mehr als 60 Meter hoch“, sagt 50Hertz-Sprecher Axel Happe. Hier führe die neue Planung zu einer Erhöhung der geplanten Masten von 70 bis 77 Meter (alte Planung) auf 70 bis 81 Meter (aktuelle Planung). Grund hierfür sei der Einsatz eines schlankeren Masttyps. Dieser habe aber auch einen schmaleren Schutzstreifen. Gemeint sei die Fläche unter der Leitung, in der Einschränkungen für Bebauung und Baumaufwuchs bestehen.

Weniger Fällungen als ursprünglich geplant

Tatsächlich müsse die Trasse um rund sieben Meter nach Norden verschoben werden. „Dies ist allerdings nur rund die Hälfte von dem, was in der ursprünglichen Planung vorgesehen war“, so der Unternehmenssprecher. Ein standortgleicher Ersatz sei im Rahmen der Planänderung untersucht worden, sei jedoch technisch nicht möglich gewesen. „Grund ist, dass während der Bauarbeiten die Bahnstromleitung nicht längerfristig ausgeschaltet werden darf und ein Provisorium vor Ort nicht aufgestellt werden kann.“, so Axel Happe. So könnten während der Bauarbeiten die Bestandsmasten für den Weiterbetrieb der Bahnstromleitung genutzt werden.

Happe widerspricht der Darstellung einer erhöhten Abholzung. „Durch die geringere Verschiebung und die Auswahl eines Masttyps mit besonders kurzen Quertraversen gelingt es uns, mit dem sogenannten Schutzstreifen nahezu vollständig im Schutzstreifen der bestehenden Leitung zu bleiben“, sagt er. Hierdurch und durch die Höhe der Masten könne die überwiegende Zahl an Bäumen im Schutzstreifen erhalten bleiben. Lediglich dort, wo neue Maststandorte erforderlich sind, müssten einzelne Bäume im Baufeld entfernt werden.

50Hertz-Sprecher: Keine neuen Überspannungen

Die Gebäude in Birkenwerder, die von der neuen Leitung überspannt werden sollen, befinden sich laut Flächennutzungsplan in einem Gebiet für Wochenendhäuser. „Diese werden auch bereits heute von der Bestandsleitung überspannt.“, so Happe: „Um rechtswidrige Überspannungen handelt es sich dabei nicht.“ Anders als es mit dem ursprünglich geplanten Masttyp der Fall gewesen wäre, komme es mit dem neu gewählten, schmaleren Masttyp zu keinen neuen Überspannungen.

Wo es möglich war, seien sogar Entlastungen geschaffen worden. „So haben wir zum Beispiel bei Summt und Altlandsberg die Leitung kleinräumig umgeplant, um den Abstand von Siedlungsflächen zu vergrößern“, so Happe.

Die Mitglieder der BI treffen sich regelmäßig am vierten Mittwoch eines jeden Monats im Gasthaus am Boddensee in Birkenwerder. Der nächste Termin ist am Mittwoch, 24. Januar. Beginn ist um 19.30 Uhr.

Von Helge Treichel

11.01.2018
11.01.2018