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Oberhavel Corona: Kein weiterer Anstieg der Zahlen – diese Regeln gelten jetzt auch in Oberhavel
Lokales Oberhavel Corona: Kein weiterer Anstieg der Zahlen – diese Regeln gelten jetzt auch in Oberhavel
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19:47 23.03.2020
So wie hier an der Schlossbrücke in Oranienburg soll es in den nächsten Wochen im ganzen Land aussehen. Quelle: Robert Roeske
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Oberhavel

Keinen weiterer Anstieg der Zahl von am Corona-Virus erkrankten Personen verzeichnete das Gesundheitsamt des Landkreises Oberhavel am Montag, den 23. März. Aktuell seien 37 mit dem Virus infizierte Personen erfasst, hieß es am späten Nachmittag. Die gesunkene Zahl ist laut Kreisverwaltung darauf zurückzuführen, dass eine Person doppelt erfasst wurde und eine weitere Person gar nicht im Landkreis Oberhavel gemeldet ist, was jedoch erst jetzt bekannt wurde (Stand: Montag, 23. März, 12 Uhr). 34 der positiv getesteten Personen befinden sich derzeit in häuslicher Quarantäne, heißt es weiter. Zwei Personen werden stationär behandelt. Leider war am Freitagabend auch ein Todesfall zu beklagen.

Mehrere hundert Menschen in Oberhavel unter häuslicher Quarantäne

Ingesamt stehen derzeit 430 Bürger des Landkreises temporär zu Hause unter Quarantäne, weil sie begründete Verdachtsfälle sind. 183 Menschen wurden bislang negativ auf das Coronavirus getestet, bei 247 Personen steht das Testergebnis noch aus. Die Zahl der erkrankten Personen verteilt sich regional nach wie vor auf zahlreiche Kommunen im gesamten Landkreis: Oranienburg (7), Hohen Neuendorf (6), Oberkrämer (6), Glienicke/Nordbahn (5), Hennigsdorf (4), Velten (3), Mühlenbecker Land (2) sowie Liebenwalde, Leegebruch, Löwenberger Land und Zehdenick (jeweils 1 Fall).

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Eindämmungsverordnung mit verschärften Regelungen seit Montag

Wie der Landkreis weiter mitteilte, einigten sich Bund und Länder im Zuge der Corona-Pandemie am Sonntagnachmittag auf ein gemeinsames Vorgehen zur Eindämmung des Virus. Daraufhin habe das Land Brandenburg seine bereits seit Dienstag, den 17. März, geltende Eindämmungsverordnung am Sonntagabend (22. März) noch einmal verschärft. Die bisher geltende Verordnung wird von dem neuen Erlass abgelöst. Seit Montag, den 23. März, gelten nun auch für alle Einwohner Oberhavels die nachfolgenden Regeln bis vorerst einschließlich zum 19. April 2020. Eine Ausnahme bilden die Regelungen zum Aufenthalt im öffentlichen Raum – diese gelten bis einschließlich zum 5. April 2020.

Bis vorerst zum 5. April 2020 gilt:

  • Das Betreten öffentlicher Orte ist untersagt. Als öffentliche Orte gelten insbesondere öffentliche Wege, Straßen, Plätze, Verkehrseinrichtungen, Grünanlagen und Parks. Dabei gibt es jedoch die nachfolgenden Ausnahmen:
  • für den Weg zur Arbeit,
  • für Arzt- und Tierarztbesuche; dazu gehören auch Psycho- und Physiotherapeuten, soweit dies medizinisch dringend erforderlich ist,
  • zur Abgabe von Blutspenden,
  • zum Besuch bei Lebenspartnern, Alten, Kranken oder Menschen mit Einschränkungen sowie zur Wahrnehmung des Sorgerechts, zur Begleitung Sterbender sowie zur Teilnahme an Beerdigungen im engsten Familienkreis,
  • für Sport und Bewegung an der frischen Luft sowie zur Versorgung von Tieren,
  • zur Wahrnehmung dringend und nachweislich erforderlicher Termine bei Behörden, Gerichten, Gerichtsvollziehern, Rechtsanwälten und Notaren.
  • Der Aufenthalt im öffentlichen Raum ist dabei nur alleine, mit einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person oder im Kreis der Angehörigen des eigenen Haushalts gestattet.
  • In der Öffentlichkeit soll grundsätzlich ein Mindestabstand von eineinhalb, besser noch von zwei Metern eingehalten werden.

Bis vorerst zum 19. April 2020 gilt:

  • Gruppen feiernder Menschen – ob im öffentlichen oder privaten Raum – sind inakzeptabel. Deshalb sind öffentliche und nichtöffentliche Veranstaltungen und Versammlungen untersagt. Die Nutzung des ÖPNV bleibt erlaubt.
  • Restaurants und andere Gastronomie-Einrichtungen sind zu schließen – ausgenommen ist die Mitnahme von Speisen.
  • Supermärkte, Wochenmärkte, Abhol- und Lieferdienste, Getränkemärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Tankstellen, Banken und Sparkassen bleiben geöffnet, ebenso wie Poststellen, Reinigungen, Waschsalons, Zeitungsverkauf, Bau- und Gartenmärkte, Tierbedarfshandel und der Großhandel.
  • Bars, Clubs, Diskotheken, Kneipen und ähnliche Einrichtungen bleiben weiterhin geschlossen. Gleiches gilt weiter für Freizeit- und Sporteinrichtungen.
  • Dienstleistungen im Bereich der Körperpflege, wie Frisöre, Kosmetik-, Massage- oder Tattoostudios bleiben geschlossen. Dienstleistungen im medizinischen und Gesundheitsbereich sowie sonstige helfende Berufe, insbesondere Arztpraxen und Krankenhäuser bleiben offen.
  • Übernachtungsangebote im Inland – egal ob Hotel oder Campingplatz – dürfen nicht zu touristischen Zwecken genutzt werden.
  • Handwerker und handwerksähnliche Gewerbe sind von den Einschränkungen nicht betroffen.
  • Patientinnen und Patienten in Krankenhäusern, Vorsorge- und Rehabilitationsein-richtungen dürfen – wie bisher – keinen Besuch empfangen. Ausgenommen sind ab sofort Hospize. Kinder unter 16 Jahren dürfen einmal am Tag von einer nahe-stehenden Person für eine Stunde Besuch empfangen, allerdings nicht von Menschen mit Atemwegsinfektionen. Schwerstkranke dürfen – insbesondere zur Sterbebegleitung – Besuch von Seelsorgern und nahestehenden Personen empfangen. Auch Besuche auf Geburtsstationen durch werdende Väter und Väter von Neugeborenen sind in der Regel erlaubt, das gilt auch für Partnerinnen in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften.
  • Der Betrieb von Werkstätten und Tagesförderstätten für Menschen mit Behinderungen sind zu ihrer Notbetreuung zulässig. Das gilt auch für erlaubnispflichtige stationäre Einrichtungen der Jugendhilfe.
  • In Betrieben, insbesondere mit Publikumsverkehr, sind strikte Hygienemaßnahmen, vor allem zum Schutz von Mitarbeitenden einzuhalten. Warteschlagen sollen vermieden werden.

Die Einhaltung der Regeln wird von den Ordnungsbehörden und der Polizei kontrolliert und kann mit Sanktionen, also Bußgeldern belegt werden. Die Landesregierung hat damit zwar keine Ausgangssperre, jedoch ein deutliches Kontaktverbot verfügt.

Weskamp: Einschränkungen fallen uns schwer, sind aber notwendig

Landrat Ludger Weskamp sagte zu den neu getroffenen Regelungen: „Wir alle wissen, dass die vom Land getroffenen Maßnahmen den Alltag der in Oberhavel lebenden Menschen deutlich verändern werden. Die Einschränkungen unserer gewohnten Freiheiten fallen uns in Oberhavel, wo sich vor 30 Jahren Menschen für genau diese Freiheiten unter größtem persönlichem Einsatz eingesetzt haben, besonders schwer. Kaum jemand von uns hätte noch vor wenigen Wochen geglaubt, dass es auch in unserem Land zu solch massiven Maßnahmen kommen könnte.“ Gleichzeitig appellierte er an die Menschen, den Bestimmungen Folge zu leisten: „Doch gegen das neuartige Corona-Virus gibt es noch keinen Impfstoff. Deshalb ist der einzige wirksame Schutz im Moment: Abstand halten! Nur so kann sich unser Gesundheitswesen auf die steigenden Fallzahlen einstellen. Nur so können wir gemeinsam Leben retten!“

Landrat bedankt sich bei einer Vielzahl von Bürgern

Zudem sprach der Landrat ganz besonders denjenigen Menschen in unserem Landkreis seinen Dank aus, „die sich tagtäglich bei uns in der Verwaltung, im Einzelhandel an der Supermarktkasse, in den Rettungsstellen und Krankenhäusern, in Arztpraxen und Apotheken, in Pflegeeinrichtungen, bei der Betreuung von Menschen oder im Reinigungsgewerbe für andere einsetzen. Ich danke außerdem denjenigen, die sich in den vergangenen Tagen sehr vorbildlich an die geltenden Regeln gehalten haben: Sie helfen mit, die Verbreitung des Virus – zum Wohle aller – zu verlangsamen“. Abschließend ermunterte Weskamp die Oberhaveler zudem, Kontakte zu halten: „Das muss nicht immer nur auf dem persönlichen Weg geschehen. Auch mit einem Telefonat oder per Skype können wir gemeinsam Zeit verbringen, uns aufmuntern und austauschen. Bitte denken Sie auf diese Weise auch an diejenigen in unserem Landkreis, die sich gerade aufgrund der jetzt geltenden Einschränkungen noch mehr alleine fühlen. Halten Sie Abstand – aber halten Sie zusammen!"

Die gesamte Rechtsverordnung veröffentlichte die Kreisverwaltung auch auf der Website des Kreises unter www.oberhavel.de veröffentlicht.

Zahlreiche Infotelefone geschaltet –regional und überregional

Gleichzeitig weist der Kreis auf nachfolgende, weitere Informationen hin:

Das Brandenburger Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz hat ein zentrales „Bürgertelefon Corona“ eingerichtet. Es ist von montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr erreichbar. Die Rufnummer lautet: 0331/8665050.

Erreichbar ist auch weiterhin das Infotelefon beim Oberhaveler Gesundheitsamt. Die Rufnummer lautet 03301/6013900. Es ist montags bis freitags von 8 bis 15 Uhr sowie am Wochenende von 10 bis 14 Uhr zu erreichen.

Das Infotelefon des Bundesgesundheitsministeriums zum Corona-Virus ist für Fragen zu Quarantänemaßnahmen, den Umgang mit Verdachtsfällen und dergleichen unter der Rufnummer 30/346465100 von Montag bis Donnerstag zwischen 8 und 18 Uhr sowie am Freitag von 8 bis 12 Uhr zu erreichen.

Ebenso ist weiter die Hotline für die Notfallbetreuung in Kitas, Horten und der Tagespflege des Kreises geschaltet. Sie ist unter der Nummer 03301/6013400 eingerichtet und auch am Dienstag (24. März) von 9 bis 20 Uhr erreichbar.

Von MAZonline

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