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Oberhavel Der Retter der Apfelbäume
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17:58 11.06.2018
Hans-Georg Kosel kam vor 20 Jahren von Fulda nach Eden.
Hans-Georg Kosel kam vor 20 Jahren von Fulda nach Eden. Quelle: Heike Bergt
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Oranienburg

300 Jahre alt können sie werden, auf mehr als 100 bringen es die Birnbäume in Steinmaur in der Schweiz, die Hans-Georg Kosel kürzlich in Augenschein genommen hat. Die Bäume wurden revitalisiert, indem in den Wurzelbereich nicht nur Sauerstoff, sondern auch biologische Hilfsstoffe wie Mycorrhiza und Terrapreta injiziert und der Boden gelockert wurde. Das Ergebnis: Dichtes Blattwerk sprießt in den kommenden Jahren aus uralten Ästen und Stämmen.

Der gefragte Pomologe aus Eden kümmert sich nicht nur um Äpfel. Die Revitalisierung alter Bäume habe auch hierzulande begonnen. Wenn auch zaghaft. Am Freitag hatte er mit den Unternehmen Vogt-Drucklufttechnik und Texas Bioenergie auf die Streuobstwiese am Blankensee bei Michendorf eingeladen. Eine Info- und Lehrveranstaltung. Denn genau daran mangele es in Brandenburg, so der Pomologe. Es gebe rund 2000 Hektar Streuobstwiesen, 500 Hektar davon habe er schon gesehen. „Aber zu wenig Wissen, wie man sie pflegt.“

Hans-Georg Kosel ist Autodidakt. Geboren in Fulda, ist der Betriebswirt und Unternehmer vor rund 20 Jahren nach Eden gekommen. Nach einer schicksalhaften Begegnung mit dem Apfel-Experten Eckart Brandt aus dem Alten Land, habe er sich vom Apfel-Virus anstecken lassen. Alten Sorten gehört seine Leidenschaft. Deutschlandweit gibt es rund 2500 verschiedene Apfelsorten, 200 davon sind für die Brandenburger Böden besonders geeignet.

Kosel bestimmt heute Sorten, leitet Baumschnitt-Seminare, weiß, wie man Baumkrankheiten heilt und alten Exemplaren neuen Schwung gibt. Immer gleich die Säge anzusetzen, hält er für grundfalsch. „Apfelbäume fangen bei mir Ü 50 an“. Er berät bei Pflanzung, Bodenprüfung, Allergien, sieht sich als „pomologischer Dienstleister“.

Hans-Georg Kosel ist Vorsitzender der Landesgruppe der Pomologen, die in Brandenburg 75 Mitglieder zählt. Druckfrisch ist eine Broschüre des Landwirtschaftsministeriums zum „Apfelland Brandenburg“, in der auch Hans-Georg Kosel vorgestellt wird. Wichtigste Aufgabe für ihn: Wissen weitergeben. Er möchte, dass wieder die richtigen Sorten auch in den Oranienburger Gärten Früchte tragen. Dazu gehören der Altländer Pfannkuchen, Pommerscher Krummstiel, sein Favorit und die „Prinzensorten“. Auch Roter Boskoop und Ontario wachsen hierzulande gut, sind lange lagerbar und Vitamin-C-reich.

Inzwischen unterrichtet Kosel Obstbaumwarte, von denen es bisher nur acht in Brandenburg gibt, er hat die Gärtner von Sanssouci in Sachen Apfelbaumpflege geschult, arbeitet als Honorardozent für die Lehranstalt für Gartenbau und Floristik LAGF. Und für Ende Juni kündigt er auch wieder Obstbaumschnittkurse in Eden an.

Kontakt: 03301/53 84 89, brandenburg@pomologen-verein.de

Von Heike Bergt