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Oberhavel Der Traum vom Fliegen
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20:08 21.08.2017
Theodor Schauenburg zählt zu den deutschen Flugpionieren. Ab 1913 war er Chefpilot und Konstrukteur bei der AEG, die in Hennigsdorf Flugzeuge baute. Quelle: Fotos: Klaus EUhausen
Nieder Neuendorf

Es war der 30. Mai 1917, der Abend brach schon herein. Theodor Schauenburg setzte nochmal zu einem waghalsigen Looping an. Immer größer, immer schwerer wurden die Flugzeuge der AEG. Im Gefecht sollten sie tollkühne Bahnen ziehen, um dem Gegner auszuweichen. Doch der Looping war zu tollkühn. In etwa 600 Metern Höhe brach eine Tragfläche. Schauenburg flog Spiralen, um die Maschine noch irgendwie zu stabilisieren. Doch all sein Können nutzte nichts: Aus etwa 300 Metern stürzte der Pilot mit der Maschine senkrecht ab und schlug auf der Wiese, dicht am Kanal, südlich des Flugplatzes der AEG, in Nieder Neuendorf auf. Theodor Schauenburg wurde nur 31 Jahre alt. „Mit ihm ist wieder einer der besten aus den Reihen unserer alten Zivilflieger geschieden. [...] Keiner wird ihn, der der deutschen Fliegerei so unschätzbare Dienste geleistet hat, vergessen“, schrieb die Zeitschrift „Flugsport“ damals im Nachruf.

Das stimmt nicht ganz: In Hennigsdorf ist der Name des Flugpioniers 100 Jahre nach seinem Tod fast vergessen. Der Hobby-Historiker Klaus Euhausen jedoch beschäftigte sich mit seiner Biographie, kürzlich organisierte er anlässlich des 100. Todestages eine kleine Ausstellung zum Flugpionier im Alten Rathaus. Titel: „Der Sonne entgegen.“

Für Euhausen passt das gut. „Schauenburgs Sinnen und Trachten galt schon seit frühester Jugend dem uralten Menschheitstraum: Fliegen.“ Nach einem Besuch der Internationalen Luftschiffahrt-Ausstellung 1909 schrieb sich Schauenburg bei der Fachschule in Mainz ein, dort lernte er das theoretische Einmaleins des Fliegens. Als die Brüder Wright – Flugpioniere der ersten Stunde – im Herbst 1909 in Berlin Flüge vorführten, heuerte Schauenburg bei ihnen an. Schon im Dezember 1909 wurde er als Flugschüler von Fridolin Keidel zu den ersten deutschen Wright-Fliegern gezählt. „Er war der Elfte, der überhaupt eine Fluglizenz gemacht hat, vor ihm waren es so berühmte Männer wie Hans Grade“, sagt Hobby-Historiker Euhausen. Damit gehört er zu den sogenannten „Alten Adlern“, also den 817 Frauen und Männern, die vor dem Ersten Weltkrieg die deutsche Fluglizenz erhielten, so der Experte. Nach Erhalt des Pilotenscheins absolvierte der Flieger Schau- und Demonstrationsflüge. Auf den Flugschauen und Großveranstaltungen waren die Flüge von Tausenden Zuschauern besucht. Schauenburg überlebte mehrere Abstürze, unter anderem einen Sturz in die Ostsee.

Am 1. Juni 1913 wurde er schließlich Chefpilot und Konstrukteur bei der Flugtechnischen Abteilung der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft (AEG) in Hennigsdorf. 1910 hatte die AEG diese Abteilung eingerichtet. Neben Johannisthal, Teltow und Döberitz sollten Hennigsdorf und Nieder Neuendorf Standorte für die Entwicklung, den Bau und die Erprobung von Flugzeugen werden, erklärt Euhausen. Schauenburg sollte helfen, die noch junge Technologie voranzubringen. „Es war in technischer Hinsicht eine sehr rasante Entwicklung, daran war er beteiligt. Die Fluggeräte wurden immer besser, bis es in mehrere tausend Meter Höhe und größeren Überlandflügen“, erklärt Klaus Euhausen.

Er musste die Flugzeuge als Chefpilot einfliegen. Westlich von Nieder Neuendorf gab es ein Flugfeld, parallel zum Nieder Neuendorfer Kanal. Eine über 500 Meter breite Wiese, vom Waldrand im Osten bis zum Muhrgraben im Westen waren es mehr als 1000 Meter. „Damals brauchten die Flugzeuge nur eine Wiese zum Landen.“ Es gab auch Flugzeugschuppen, Offiziersunterkünfte oder Benzinlager. Später kamen laut Euhausen Wohnbaracken, ein Unterrichtsgebäude, ein Motorprüfschuppen sowie technische Anlagen wie Pumpenhaus und Transformatorenhäuschen dazu.

Im Ersten Weltkrieg war Schauenburg in der Luft, er war in der mit AEG-Flugzeugen ausgerüsteten Feldflieger-Abteilung 30. „Es gab zum ersten Mal Krieg in der Luft und aus der Luft“, so Euhausen. Am 1. Mai 1915 schoss Schauenburg einen russischen Eindecker französischer Konstruktion ab. Solche Abschüsse war waren noch sehr selten und erregten großes Aufsehen.

Die AEG holte ihn dann wieder nach Hennigsdorf, denn Flugzeuge bekamen im Verlauf des Krieges eine immer größere Bedeutung. „Testen und Einfliegen der Maschinen und die Ausbildung neuer Piloten waren Mitte/Ende 1915 die Aufgaben des Piloten, Konstruktionsfliegers und Fluglehrers Schauenburg“, so Euhausen. Die AEG spezialisierte sich auf den Bau von zweimotorigen Bombern, Schauenburg hatte großen Anteil daran.

Heute ist vom ehemaligen Flugplatz in Nieder Neuendorf nichts mehr zu sehen. Er lag am Ende des Triftwegs, heute ist hier der Pferdegarten Wildrosenhof. „Auch Gebäude wie die Flugzeugfabrik und das Fliegerheim sind nicht mehr vorhanden, da erinnert nichts mehr an diese Zeit“, sagt Klaus Euhausen. Er hofft, dass er die Erinnerung an den Flugpionier wecken konnte.

Von Marco Paetzel

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