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Oberhavel Freiheitsdressuren ohne Peitschenknall
Lokales Oberhavel Freiheitsdressuren ohne Peitschenknall
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12:57 30.08.2019
Der Chef des Circus Astoria, Ricardo Köllner, versteht sich mit Kamelhengst Ali auch privat. Quelle: Matthias Busse
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Schönfließ

Zirkus ohne Tiere – das geht für Ricardo Köllner gar nicht. „Ohne Tiere wäre es Varieté“, sagt der Direktor des Zirkus Astoria verärgert. Denn natürlich kennt er die öffentlich geführte Diskussion darum, in der Tierrechtler die Oberhand mit ihrer Forderung gewinnen, Tiere aus Fahrgeschäften zu verbannen. An jedem Spielort erlebt er aber Gegenteiliges: „Das Publikum will die Tiere sehen und sie anfassen.“ Derzeit gastiert Astoria zum dritten Mal in Schönfließ. „Die Leute kommen und freuen sich“, zeigt sich der 49-Jährige mit seiner Nachbarschaft zufrieden.

In einem weitläufigen Gehege leben Shetlandponys, Kamele, Lamas und ein Watussirind gemeinsam. Alles Tiere, die aus kargen Regionen stammen und genügsam auf dem derzeit trockenen Rasen ihr Heu kauen. Die Hunde haben einen eigenen Wagen. Nur die Wachhunde laufen frei herum. Für ihn ist das „tiergerechte Haltung“. „Artgerechte Haltung gibt es bei Haustieren doch gar nicht“, erinnert er an die lange Geschichte der Domestikation, die aus Wölfen erst die heutigen Haushunde oder aus Wildpferden die uns bekannten Reit-, Zug- und Lastpferde werden ließ.

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Die Kamele sind Publikumslieblinge

„Ein großer Zirkus braucht Tiere“, ist sich Köllner sicher. Je größer das Unternehmen, desto größer sollten seiner Meinung auch die Tiere sein. Sein Familienzirkus mit dem Zweimastzelt ist jedoch eher klein. „Ich habe die Zeit für die großen Tiere gar nicht. Denn die müssen beschäftigt werden“, gibt er zu bedenken. Außerdem benötigen große Tiere große Plätze. „Es ist schwierig, diese Standorte zu bekommen. Ich könnte sie mir auch gar nicht leisten“, begründet er.

Der Chef des Circus Astoria, Ricardo Köllner, mit Kameldame Salomé. Quelle: Matthias Busse

Bei der Frage, ob es einen Star unter den Vierbeinern gäbe, zögert Köllner mit der Antwort: „Unsere Kamele. Denn auch wenn man sie im Zoo besucht, kann man sie nicht anfassen.“ Dazu ist im Astoria in der Tierschau Gelegenheit. In der Manege drehen Ali, Kalif, Sulaika und Salomé trabend ihre Runden. „Wir erreichen durch weniger mehr. Es reicht, dass das Publikum sie sieht“, beschreibt er den Wandel. Früher hätten sich die Kamele noch quer ins Manegenrund gelegt und die Lamas seien dann über ihre Höcker gesprungen. Das findet er inzwischen unnötig – zumal zwei der vier Lamas sich derzeit auch um ihre neu geborenen Fohlen kümmern.

Die Kunst der Dressur

Aber wie schafft er es, dass seine Ponys oder Kamele im Kreis laufen, Pirouetten drehen und mit den Vorderhufen auf den Manegenrand steigen? Und das auch alles gleichzeitig auf Kommando? Die Antwort des Zirkus-Chefs, der das nachmittags vor Publikum zeigt, ist verblüffend einfach: „Die werden zuerst geführt.“ Zuerst habe er das mit seinen drei Brüdern gemacht. Inzwischen sind sie eigene Wege gegangen und seine Kinder Celine (21), Jamie (19) und Diego (15) helfen dabei, eine neue Nummer aufzubauen.

Dabei führt jeder ein Pferd so, wie es später laufen soll. Dazu gibt der Vater Kommandos und Zeichen mit einer langen Gerte, so dass die Tiere sich die Verbindung der Signale mit den Lauffiguren einprägen. „Bei großen Pferden sitzen dafür meist Bereiter auf dem Rücken“, ergänzt Köllner. Natürlich gibt es im Training immer Leckerli, wenn etwas gelungen ist. „Kamele sind sehr leicht zu dressieren, weil sie sehr gefräßig sind“, schmunzelt er.

Die Shetland-Pony-Freiheit von Ricardo Köllner noch mit rotem Federschmuck. Quelle: Cirkus Astoria

Peitschenknallen lässt er jedoch weg. „Das ist nicht mehr zeitgemäß, auch die Dekoration der Ponys mit Sätteln und Federbusch.“ Angesagt sind die Pferdefreiheiten, in denen seine vier Ponys wie in der Natur frei laufen und dabei ihre Figuren zeigen. Wichtig sei das Aufsteigen auf den Manegenrand, weil die Zuschauer die Mähnen auch streicheln wollen.

In das Zirkusleben wachsen die Tiere meist gleich nach ihrer Geburt rein. Die Scheu vor der Rampe in die Wagen oder vor Publikum würden sie gar nicht erst entwickeln, weil sie neben ihrer Mutter damit aufwachsen. Genauso wie die Menschen. Köllner selbst hat als Assistent seines Vaters in der Clownnummer mit sechs Jahren angefangen, so wie auch sein Sohn Diego (15) die Tradition nun in 8. Generation von Kindesbeinen an fortführt.

Diego Köllner (15) und seine Hunde sind im Zirkus aufgewachsen. Quelle: promo

Info: Circus Astoria spielt an der Glienicker Chaussee 4 bis zum 1. September am Freitag und Sonnabend um 17 Uhr, am Sonnabend auch um 14 Uhr und am Sonntag nur um 14 Uhr.

Von Matthias Busse

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