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Oberhavel Förster: So krank sind die märkischen Fichten
Lokales Oberhavel Förster: So krank sind die märkischen Fichten
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17:53 05.02.2020
Revierförster Norman Schulze deutet auf kleine Löcher in der Rinde, durch die die Schädlinge eingedrungen sind. Foto: Enrico Kugler
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Neuendorf

Dem Wald zuliebe könnte es in den nächsten Tagen und Wochen durchregnen. Und die Förster schließen sich diesem Wunsch von ganzem Herzen an, wie Norman Schulze gern bestätigt. Er ist Revierförster und arbeitet für die Schulze-Schleuener Heide KG, ein Forstbetrieb mit Sitz in Neuendorf (Oberhavel). Das Revier des 23-Jährigen umfasst rund 600 Hektar Wald zwischen Neuendorf und Neuhof.

Bei diesem Anblick blutet nicht nur einem Förster das Herz: Bäume mussten großflächig gefällt werden, obwohl sie noch gar nich reif für die Holzernte sind. Quelle: Enrico Kugler

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Norman Schulze ist momentan ziemlich besorgt. „Die vergangenen drei Jahre“, so sagt er, „haben dem Wald überhaupt nicht gut getan.“ Stürme, Trockenheit und ein extremer Schädlingsbefall hätten der Natur in beängstigendem Maße zugesetzt. Beim Studium der Forstwirtschaft in Eberswalde sei den Studenten zu Ausbildungszwecken immer das eine oder andere Horrorszenario projiziert worden. Dass es dann aber tatsächlich so schnell eintritt, so der Revierförster, habe er sich so nicht vorgestellt.

Holzpreise im freien Fall

Das Beseitigen der starken Schäden in den Wäldern und das daraus resultierende Überangebot an Holz haben den Markt einbrechen lassen. Für von Schädlingen befallenes Fichtenholz würden gegenwärtig nur rund fünf Euro pro Raummeter gezahlt. Vor drei Jahren seien es noch 20 Euro gewesen. Noch größer sind die Verluste bei Langholz. Der Festmeter Fichtenholz bringe zurzeit nur zwischen 15 und 25 Euro ein. Normalerweise liege der Preis für einen Festmeter Frischfichte bei 60 bis 70 Euro. Zwei aufeinanderfolgende Trockensommer haben sich, wie Norman Schulze sagt, verheerend auf die Fichtenbestände ausgewirkt. Schließlich sei die Fichte als Flachwurzler sehr auf Regen angewiesen. Derart ausgetrocknet hätten sich die Bäume irgendwann nicht mehr gegen die Angriffe des Borkenkäfers, egal ob Buchdrucker oder Kupferstecher, verteidigen können.

Bäume verhungern oder ersticken

Ein kräftiger und gesunder Baum sei in der Lage, die Käfer „auszuharzen“, erklärt der Revierförster. So aber seien die Käfer über die Rinde der Fichten hergefallen und hätten so die Wege, über die die Nährstoffe des Baumes in Richtung Krone hochlaufen, unterbrochen. Die Folge: Die Bäume ersticken und verhungern. War der Buchdrucker am Werk, platze die Rinde ab, während die Krone des Baumes noch grün ist. Dagegen geht der Kupferstecher zunächst in das feine Material, die Zweige. In diesem Fall stirbt der Baum von oben ab.

Auf den befallenen Waldbeständen sind die Förster zu Kahlschlägen gezwungen. Quelle: Enrico Kugler

„Als Förster“, so Norman Schulze, „bist du in einem solchen Fall zum Handeln gezwungen.“ Was so viel bedeutet, als dass die befallenen Baumbestände abgeholzt werden müssen. Es tue immer weh, so sagt der Neuendorfer, wenn man Holz entnehmen müsse, das noch nicht reif ist. Dann waren die ganzen Mühen vorangegangener Jahre praktisch umsonst.

Erst ab einem Alter von etwa 90 bis 100 Jahre könne aus den Bäumen das für die Weiterverarbeitung so beliebte und wertvolle Stammholz gewonnen werden. Die Säge bereits nach 40, 50 Jahren ansetzen zu müssen, bezeichnet der Förster als „betriebswirtschaftliches Fiasko“. Normalerweise verbiete das Landschaftsschutzgesetz, Kahlschläge über zwei Hektar Größe zu tätigen. Bei einem derartigen Schädlingsbefall, so Norman Schulze, sei es jedoch erlaubt, diese Fläche zu vergrößern.

Er selbst habe in seinem Revier dieses Jahr auf etwa zwei Hektar Kahlschläge vornehmen müssen. Es sei leider nicht ausgeschlossen, dass weitere folgen müssen, denn die Größe der befallenen Fichtenflächen in seinem Revier beziffert der Förster mit vier bis fünf Hektar. Es gebe im Revier aber auch Fichtenbestände, die noch nicht sehr stark befallen sind. Dort werde versucht, erkrankte Bäume rechtzeitig zu entdecken und herauszunehmen. „Zum Glück haben wir hier nicht so viele Fichten“, sagt Norman Schulze. Sachsen oder der Harz, vor allem aber Mittelgebirgsregionen sind flächig mit der Fichte bepflanzt.

Inzwischen ist auch die Kiefer bedroht

Inzwischen, so berichtet der Revierförster aus Neuendorf, seien in einigen Gegenden auch schon Kiefern bedroht. Die Feuchtigkeit, die der Regen der vergangenen Tage gebracht habe, sei noch nicht tief genug in die Erde gedrungen, um die Bäume ausreichend mit Wasser zu versorgen. So würden Buchdrucker und Kupferstecher inzwischen auch schon in die Kiefern übergehen und dort brüten. Er finde es dennoch erstaunlich, so Norman Schulze, wie die Kiefer die letzten beiden trockenen Jahre gemeistert hat. Das sei wohl in erster Linie der Vitalität und den tief in den Boden reichenden Pfahlwurzeln, die für die Anpassungsfähigkeit auf den für Brandenburg typischen trockenen Standorten sorgt, zu verdanken.

Inzwischen hat der 23-jährige Norman Schulze auf einigen Flächen mit Neupflanzungen begonnen. Quelle: Enrico Kugler

Nach einer Ruhephase von etwa einem Jahr werden die Kahlschläge neu bepflanzt. Das Landeswaldgesetz sieht als maximale Schlagruhe drei Jahre und nach diesem Zeitraum eine Wiederbewaldungspflicht vor. Für die Flächen, die neu bepflanzt werden, wird laut Norman Schulze künftig auf mehrere Baumarten gesetzt. Fest stehe, dass die Kiefer erhalten bleiben soll. Dazu würden sich Douglasien gesellen, weil diese mit der Trockenheit gut zurechtkommen und die Baumart kaum von Schädlingen heimgesucht wird. Auch Küstentannen sind dabei. Weiterhin würden auch Esskastanien gesetzt. Eine Baumart, die mediterranen Ursprungs ist, also in Regionen vorkommt, in denen es oft trocken ist. Einbezogen würden auch Laubgehölze wie zum Beispiel die Rotbuche, weil diese in der Lage sind, die Feuchtigkeit länger im Boden zu halten.

10.000 junge Bäume kommen in die Erde

In dieser Woche hat Förster Norman Schulze in seinem Neuendorfer Revier mit den ersten Nachpflanzungen auf jenen Flächen begonnen, wo er bereits im Jahr 2018 Abholzungen vornehmen musste. Rund 10 000 junge Bäume sollen in den Boden gebracht werden. Und wenn es dabei regnet – umso besser. Um den Wald wieder gesunden zu lassen, kann gar nicht genug Arznei in Form von Regen vom Himmel fallen.

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