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Oberhavel Ein Zeitdokument über Konrad Wolf
Lokales Oberhavel Ein Zeitdokument über Konrad Wolf
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05:00 11.02.2016
Konrad Wolfs Nichte Tatjana Trögel und Harald Petzold.
Konrad Wolfs Nichte Tatjana Trögel und Harald Petzold. Quelle: ENRICO KUGLER
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Oranienburg

Ausstellungstafeln über den Filmemacher Konrad Wolf sind seit Dienstag und noch bis Mitte März im Bürgerbüro der Linken an der Bernauer Straße 71 in Oranienburg zu sehen. Das Besondere daran ist: Die Tafeln sind selbst ein Zeitdokument. So sieht es jedenfalls die Nichte von Konrad Wolf und Tochter von Markus Wolf, Tatjana Trögel. Sie leitet die Friedrich-Wolf-Gedenkstätte in Lehnitz und war am Dienstagabend bei der Eröffnung der Ausstellung dabei. Trögel vermutet, dass diese Ausstellungstafeln 1985 anlässlich des 60. Geburtstages von Konrad Wolf entstanden waren. Eine Produktionsbrigade im Schichtpressstoffwerk in Bernau hatte sich wahrscheinlich um den Namen Konrad Wolf beworben und musste vor der Namensgebung dokumentieren, dass sie sich mit der Person beschäftigt hatte. Zufällig hatte Tatjana Trögel als Journalistin eben jene Brigade „Konrad Wolf“ 1985 für ein Porträt interviewt. Trögel: „Ich weiß, dass es auch Wandtafeln über die Brigade gibt. Die wären ja im Zusammenhang mit der Ausstellung ebenfalls interessant.“ Die Ausstellung sei „gut und sorgfältig gemacht“, so Trögel weiter. Das findet auch Andrea Wolf, die zweite Frau von Markus Wolf, die ebenfalls nach Oranienburg gekommen war.

Ausgegraben hat die Ausstellungstafeln der Bundestagsabgeordnete der Linken, Harald Petzold. Als ehemaliger Filmemacher und jetziger medienpolitischer Sprecher seiner Fraktion habe er eine besondere Beziehung zu Konrad Wolf, sagt Petzold. Er hatte die Tafeln in seinem Wahlkreisbüro in Bernau aufgehängt und nun nach Oranienburg gebracht. „Sonst wären sie wieder im Stadtarchiv von Bernau gelandet.“ Konrad Wolf ist Ehrenbürger der Stadt. Denn 1945 war er im Alter von 19 Jahren zwei Tage lang der erste sowjetische Stadtkommandant von Bernau.

Künstlerisch dargestellt hat Konrad Wolf diese Zeit der Kriegswirren in seinem persönlichsten Film „Ich war 19“. Seine Fronterlebnisse schrieb er in russischer Sprache in kleinen Büchlein auf. Dieses Kriegstagebuch mit dem Titel „Aber ich sah ja selbst, das war der Krieg“ ist zu seinem 90. Geburtstag von Paul Werner Wagner herausgegeben worden. Er las zur Ausstellungseröffnung am Dienstag in Oranienburg einige Passagen aus diesem Tagebuch. Mit 17 war Konrad Wolf im Jahre 1942 in die Rote Armee eingezogen worden und ging mit ihr vom Kaukasus bis nach Berlin. Am 18. April 1945 endet das Tagebuch, die Ereignisse überschlugen sich, Wolf kam nicht mehr zum Schreiben. „Es ist erstaunlich, dass ein solch junger Mensch schon so etwas leistete“, sagte ein Zuhörer in Oranienburg. Auch Wagner findet, dass das Buch lohnenswert für heute 17-Jährige wäre. Doch er ist sich sicher, dass man „eher über Filme an junge Leute“ herankomme. Deshalb ist dem Tagebuch die DVD des Films „Ich war 19“ beigefügt. Man könnte den Film mit Schulklassen anschauen, aber sollte zuvor eine Einführung in die Ereignisse jener Zeit machen, schlägt Wagner vor.

Die Ausstellung über Konrad Wolf ist noch bis Mitte März in Oranienburg zu sehen. Das Kriegstagebuch für 19,90 Euro gibt es im Bürgerbüro und in der Friedrich-Wolf-Gedenkstätte in Lehnitz.

Von Marion Bergsdorf

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