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Oberhavel Ein bisschen Wohnzimmer
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16:57 25.06.2018
Evelyn Teichmann schmückt jeden Donnerstag den Altar mit frischen Blumen.
Evelyn Teichmann schmückt jeden Donnerstag den Altar mit frischen Blumen. Quelle: Heike Bergt
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Oranienburg

Evelyn Teichmann gestaltet eine Taufkerze. An ihrem kleinen Tisch am Ende der Bankreihen in der Oranienburger Nicolaikirche. Dazu hört sie leise Musik. Wohnzimmeratmosphäre. Und genau so empfindet sie es auch. „Die Kirche ist meine gute Stube, man sieht, wenn was rumsteht. Ich liebe diese Kirche in ihrer Schlichtheit. Und ungewöhnlich ist sie auch, denn man gelangt über Stufen in das Kirchenschiff“, findet die 70-Jährige.

Den Altar hat die Oranienburgerin mit zwei prachtvollen Sträußen aus Sonnenblumen, Kornblumen und Lilien geschmückt. Jeden Donnerstag füllt sie die großen Vasen mit frischem Bunt, sie wechselt die Tischwäsche, wischt Staub, ordnet die Gesangbücher, stellt Kerzen auf. Und tut auch Dienst, damit das Gotteshaus Besuchern offensteht. 17 waren es am Donnerstagnachmittag. Gerade treibt ein Sturm ein Pärchen herein.

Evelyn Teichmann ist in Oranienburg verwurzelt: „Ich bin hier geboren und geblieben. Mein Mann ebenfalls.“ Sie hat Kirchenverwaltungsangestellte gelernt, später in der Abendschule den Beruf der Bankkauffrau. Nach der Geburt ihres dritten Sohnes blieb sie zu Hause. Nach der Wende hat sie im Gemeindebüro in der Lehnitzstraße begonnen zu arbeiten: „Genau das Richtige für mich“. Bis heute gestaltet sie die Gemeindebriefe – nun ehrenamtlich. Am PC gibt sie Texte ein. Jürgen Teichmann, vorm Ruhestand als selbstständiger Handelsvertreter unterwegs, fotografiert leidenschaftlich gern und hält auch Gottesdienste. Alle Daten schicken sie zur Druckerei für Gemeindebriefe. „Und ich trage sie auch aus, im Mai waren es 300 Exemplare.“

Wenn Gäste das Gotteshaus in der Havelstraße betreten, hält Evelyn Teichmann sich zurück. „Man merkt schon, wenn jemand etwas wissen möchte.“ Es seien meist Urlauber, die hereinkommen, „darunter viele, die am Schlosshafen festgemacht haben. Den meisten gefällt die Schlichtheit unserer Kirche, ohne erdrücken Pomp. Aber wir haben auch Sorgen, das Dach muss repariert werden, es regnet durch.“

Die evangelische Gemeinde von Oranienburg zählt 3000 Mitglieder. Evelyn Teichmann selbst ist in der Nicolaikirche getauft und konfirmiert, im Februar 2019 liegt ihre Hochzeit in der heutigen Unterkirche 50 Jahre zurück. Auch ihre Kinder sind hier getauft. „Einmal im Jahr verbringen wir ein Wochenende als Großfamilie.“ Die 70-Jährige hat neun Enkel und einen Urenkel.

Heute hilft sie bei Trauungen. Drei gab es bisher in diesem Jahr. Evelyn Teichmann bringt Blumen an den Bänken an, rät, wie Blumenschmuck am Altar am besten zur Geltung kommt. Und dass es helle Blüten braucht.

Sonntags kommt sie zum Gottesdienst, schätzt die 40-köpfige Gemeinschaft, die einander fragt, wie es geht oder forscht, wenn jemand länger schon fehlt. Die Oranienburgerin hat auch schon einen Dieb überführt, der den Opferstock geplündert hatte. Sie gab Farbe auf Geldstücke.

„Die Kirche hat mein Leben begleitet. Eigentlich gefällt mir an ihr alles, aber das Wichtigste sind die Menschen. Ich bringe das Lob Gottes mit Blumen dar, andere mit Musik.“

Von Heike Bergt