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Oberhavel Einmal Rocker, immer Rocker
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20:11 27.03.2017
„Die Havelrocker“: Rainer Falkenberg, Klaus Kroggel, Bernd Kaschubowski und Wolfgang Heise (v. l.) bei einer Probe im vergangenen Jahr. Quelle: privat
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Oranienburg

Die neue MAZ-Serie „Unsere Jugendzeit“ kommt gut an bei unseren Lesern. Viele kramen Jugendfotos heraus und erzählen, wie es so zuging im Oranienburg der 1960er-Jahre. So auch die beiden Freunde Klaus Kroggel (72) und Hans-Hermann Funck (73) aus Oranienburg. Sie waren Stammgäste im sogenannten „Haus der Jugend“. Dieser Jugendklub befand sich in dem Eckhaus Bötzower Stadtgraben/Berliner Straße gegenüber vom Haus der Familie Litschko. Hier ging es zwei Stufen hinauf in den Raum des Erdgeschosses. An Wochentagen spielten die Jugendlichen hier an einem Billardtisch oder an zwei aufgestellten Tischtennisplatten. Im Raum dadrüber befand sich der Tanzsaal. Dort spielten meist Livebands, wurde getanzt bis der Boden und damit die Decke zum Raum darunter so wackelte, dass es die Auflage gab, den Tanzsaal zu untermauern.

„The Buddy’s“, die sich später in „Die Orions“ umbenennen mussten. Wolfgang Renner am Schlagzeug, Klaus Kroggel (Melodiegitarre, daneben), Rüdiger Gillmann (Rhythmusgitarre) und Hans-Hermann Funck (Bassgitarre, rechts außen). Quelle: privat

„Das haben wir natürlich gemacht, wir wollten ja unseren Tanzsaal nicht verlieren. Die Eltern haben geholfen. Wir untermauerten den Saal, indem wir im Erdgeschoss mehrere Mauern zogen und dort Kabinen schufen“, beschreibt Funck die Aktion. In den auf diese Weise entstandenen Kabinen gründeten die jungen Leute später verschiedene Zirkel, zum Beispiel den Schach-Zirkel und den Foto-Zirkel. Doch Billard und Tischtennis konnten im verkleinerten Raum des Erdgeschosses immer noch gespielt werden.

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Im „Haus der Jugend“ in Oranienburg wurde getanzt, dass der Boden wackelte. Quelle: privat

Leiter vom „Haus der Jugend“ war Rudi Wilde. Er kümmerte sich um das Wohl der jungen Leute im Klub, die zwischen 15 und 25 Jahre alt waren. Kroggel und Funck spielten in der Band „The Buddy’s“, Kroggel die Melodie-Gitarre, Funck die Bassgitarre, Wolfgang Renner das Schlagzeug und Rüdiger Gillmann die Rhythmus-Gitarre.

In diesem Haus Am Bötzower Stadtgraben war das „Haus der Jugend“ zu DDR-Zeiten untergebracht. Quelle: Marion Bergsdorf

Wenn die „Spitzel von der AWA“ auftauchten _ das war die Anstalt zur Wahrung der Aufführungs- und Vervielfältigungsrechte auf dem Gebiet der Musik in der DDR _ spielten die Bands Titel im geforderten Verhältnis 60/40. Das hieß: 60 Prozent Musik von Ostbands und 40 Prozent von Bands aus dem kapitalistischen Ausland. Meist seien es zwei Spitzel gewesen, erzählt Kroggel. Wenn die auftauchten, habe sich das wie ein Lauffeuer herumgesprochen. Dann spielten sie oft „Sag mir, wo du stehst“ vom linientreuen Oktoberklub. War die Luft wieder rein, wurde gespielt, „was gerade in war“, berichtet Hans-Hermann Funck. Mit dem Bandnamen „The Buddy’s“ eckten die Oranienburger Rocker übrigens an. Das klinge „zu englisch“, hieß es von Staatsseite. Also wurde die Band umbenannt in „Die Orions“. Diese spielte nicht nur im Haus der Jugend sondern auch im G-Haus, in der Strandhalle am Lehnitzsee und im Saal der Gaststätte Hubertus. Es gab viele Möglichkeiten, in Oranienburg tanzen zu gehen. Viele Musiker hörten auf mit dem Umherziehen, als sie Eltern wurden und die Ehefrauen Unmut äußerten. Und nach der Wende hätten alle andere Sorgen gehabt und sich beruflich neue orientieren müssen. Doch das Musikmachen fehlte fast allen. Sie hielten jedoch immer Kontakt.

Die beiden Oranienburger Musikerfreunde Hans-Hermann Funck und Klaus Kroggel (r.) Quelle: Bert Wittke

Jeden Freitag treffen sich ehemalige Rocker im Café bei Kaufland in Oranienburg, um sich auszutauschen. Im vergangenen Jahr entstand die Idee, doch wieder eine Band zu gründen. Und weil alle Mitglieder an der Havel wohnen, heißt ihre Band „Die Havelrocker“. Ihren ersten Auftritt hatte sie in der Kneipe „Kalte Walze“ im Oranienwerk im Januar dieses Jahres. „Da war richtig was los. Die Leute hatten Spaß an den alten Songs von CCR, Smokies, den Beatles sowie mit Ostrock von den Puhdys, von City und Karat. Das hat uns Mut gemacht, weiter aufzutreten“, sagt Klaus Kroggel. Er spielt die Bassgitarre, Wolfgang Heise, ehemals Mitglied von „Polaris“, singt und spielt die Melodiegitarre, Bernd Kaschubowski, ehemals „Missouris“, singt und spielt die Rhythmusgitarre und Rainer Falkenberg, ehemals „Havelboys“, das Schlagzeug. Bei Falkenberg in Lehnitz wird jeden Mittwoch geprobt.

Klaus Kroggel und sein Jugendfreund Hans-Hermann Funck musizieren jeden Freitag zusammen. Sie spielen Songs nach, die ihnen gefallen. So wie früher eben.

Von Marion Bergsdorf

27.03.2017
27.03.2017
27.03.2017
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