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Oberhavel Ersthilfe bei Unfällen: „Jeder kann helfen“
Lokales Oberhavel Ersthilfe bei Unfällen: „Jeder kann helfen“
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18:34 20.06.2018
Polizeihauptkommissar André Quade von der Polizeiinspektion Oranienburg. Quelle: Foto: Julian Stähle
Wensickendorf

Die Bilanz des Unfall-Checks, der am Tag der Verkehrssicherheit am 16. Juni 2018 auf der Landesstraße zwischen Wensickendorf und Summ durchgeführt wurde, überraschte auch Polizeihauptkommissar André Quade, der das Polizeiteam vor Ort leitete.

Gerechnet hatten Sie mit einer Helferquote von 50 Prozent. Am Ende waren es zehn. Ihr Fazit?

Andre Quade: Das Ergebnis ist ernüchternd und kann uns nicht zufriedenstellen. Das Verhältnis zwischen Helfern und Nichthelfenden ist sehr unstimmig.

Wo sehen Sie die größte Hemmschwelle, bei einem Unfall Erste Hilfe zu leisten?

Oft ist es die eigene Hilf- und Ratlosigkeit oder die Angst, etwas Falsches zu tun. Man darf ja nicht vergessen: Auch für den Helfer handelt es sich um eine Ausnahme- und Extremsituation. Ein Unfall mit Verletzten, für die es um Leben und Tod gehen kann, wühlt auf. Erschreckend ist aber auch eine gewisse Gleichgültigkeit und die geringe Hilfsbereitschaft gegenüber Fremden, die sich in einer Notsituation befinden. Dabei handelt es sich allerdings um ein gesamt-gesellschaftliches Problem.

Was kann getan werden, um diese Quote zu steigern?

Das Thema „Erste Hilfe im Notfall“ muss viel stärker ins öffentliche Bewusstsein gebracht werden. Die Angst, etwas falsch zu machen, muss aus den Köpfen der Leute. Es ist nicht schwer, die 110 oder die 112 anzurufen, da kann man nichts falsch machen. Mehr Prävention kann helfen, nicht nur seitens der Polizei, sondern beispielsweise auch in Ersthelfer-Kursen und Fahrschulen. Ähnlich wie beim Problem fehlender Rettungsgasse könnten großflächige Kampagnen mit Plakaten für das Thema sensibilisieren.

Halten Sie den Unfall-Check trotzdem für geglückt?

Ja, denn er hat gezeigt, wie wichtig das Thema ist.

Zwei junge Frauen kommen nach einem Unfall mit ihrem Auto von der Fahrbahn ab, liegen schwer verletzt im Straßengraben einer viel befahrenen Landesstraße. Sie benötigen dringend Erste Hilfe – doch wieviele Verkehrsteilnehmer halten tatsächlich an und helfen? Die Polizeiinspektion Oranienburg hat es getestet – mit einem erschreckenden Ergebnis.

Nehmen Sie Positives aus der Aktion mit?

Auf jeden Fall. Die Verkehrsteilnehmer, die sofort angehalten und geholfen haben, verhielten sich sehr professionell und haben alles richtig gemacht. Bewegend waren auch zwei pensionierte Polizeibeamte, die uns zu Hilfe eilten, obwohl sie gesehen haben, dass wir bereits im Einsatz waren. Sie wüssten, wie schwer dieser Job ist und wollten uns deshalb unterstützen.

Erste Hilfe am Unfallort – wie verhalte ich mich richtig?

Nach einem Verkehrsunfall sind die ersten Minuten oft entscheidend für das Überleben der Unfallopfer. Ersthilfe kann Leben retten und ist deshalb so immens wichtig. Polizeihauptkomissar André Quade von der Polizeiinspektion Oranienburg fasst die wichtigsten Punkte für Ersthelfer an einer Unfallstelle zusammen:

1. Anhalten! Passiert man eine Unfallstelle als Ersthelfer ist der allerwichtigste Punkt, anzuhalten und zu helfen.

2. Ruhe bewahren. Eigenes Fahrzeug mit Sicherheitsabstand (10 –20 Meter) abstellen, Warnblinkanlage einschalten, Warnweste anziehen und Warndreieck aufstellen.

3. Überblick verschaffen und wenn möglich Unfallstelle sichern, auch um sich selbst zu sichern und Folgeunfälle zu vermeiden.

4. Wenn notwendig – aufgrund sehr schwerer Verletzungen der Unfallopfer - ggf. sofortige Erste-Hilfe- und lebensrettende Maßnahmen einleiten. Bei leicht verletzten Personen informieren Sie zunächst Polizei (110) und Rettungsdienst (112, diese Nummer gilt europaweit) und beginnen dann mit Erste-Hilfe-Maßnahmen.

5. Folgende Informationen sind für die Rettungskräfte wichtig: Wo ist der Unfall passiert, was ist passiert, wie viele Verletzte gibt es, welche Art von Verletzungen, wer ruft an und ganz wichtig: warten auf Rückfragen und nicht sofort auflegen.

6. Erste-Hilfe-Maßnahmen fortsetzen.

Jede Unfallsituation ist eine Extremsituation – sowohl für die Unfallopfer, aber auch für die Ersthelfer. Achten Sie darauf, sich nicht selbst in Gefahr zu bringen. Teilen Sie sich die Ersthelfer-Maßnahmen auf, wenn sie mit mehreren Personen vor Ort sind. Sind Sie allein - helfen Sie zuerst der Person, die Ihrer Meinung nach die Hilfe am dringendsten benötigt. Faustregel: Helfen Sie nicht-ansprechbaren Personen, bevor Sie sich um ansprechbare Personen kümmern.

Unterschätzen Sie nicht, wie wichtig es für die Unfallopfer ist, durch Ersthelfer getröstet und beruhigt zu werden. Sie erhalten damit das Gefühl, nicht allein zu sein und Hilfe zu erhalten, schließlich ist die Situation für Unfallopfer auch eine große psychische Belastung.

Eine unterlassene Hilfeleistung ist eine Straftat (Strafgesetzbuch (StGB): §323c), die geahndet wird und mit einer Geldstrafe oder bis zu einem Jahr Gefängnis bestraft werden kann.

Auch wenn bereits ein anderes Fahrzeug an einer Unfallstelle zum Stehen gekommen ist, um Erste Hilfe zu leisten - halten Sie an und vergewissern Sie sich, ob weitere Hilfe benötigt wird. Gemeinsam kann man besser helfen.

Bedenken Sie: Sie können nichts falsch machen. Handeln Sie nach bestem Wissen und Gewissen, Sie können für keinen Fehler (rechtlich) belangt werden.

Die Absicherung der Unfallstelle ist enorm wichtig, um Folgeunfälle zu vermeiden. Stellen Sie bei Kurven oder vor Bergkuppen das Warndreieck vor diesen auf, um den herannahenden Verkehr frühzeitig auf die Gefahrenstelle hinzuweisen. Geben Sie ggf. Handzeichen zum Verlangsamen und Bremsen.

Seien Sie vorbereitet: Es empfiehlt sich das regelmäßige Auffrischen von Erste-Hilfe-Kenntnissen in entsprechenden Kursen. Hilfsorganisationen empfehlen die Wiederholung eines Erste-Hilfe-Kurses allerspätestens nach fünf Jahren. Wer in einer Unfallsituation helfen kann, fährt auch nicht vorbei.

Von Nadine Bieneck

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