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Oberhavel Es ging vor allem um Ausreise und Republikflucht
Lokales Oberhavel Es ging vor allem um Ausreise und Republikflucht
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18:15 30.07.2014
Das Interesse am Vortrag im Heimatmuseum war groß.
Das Interesse am Vortrag im Heimatmuseum war groß. Quelle: Uwe Halling
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Gransee

„Wir haben den Kontakt zu den Massen nie verloren.“ Diesen Satz sagte der letzte Leiter der Kreisdienststelle des Ministeriums für Staatssicherheit, Hans-Jürgen Töpfer, einst in einem Interview. Wäre das nicht unfreiwillig komisch, könnte man ganz nüchtern analysieren, dass er recht hatte. Doch der Vortrag von Rüdiger Sielaff, Leiter der Außenstelle der Stasiunterlagenbehörde in Frankfurt (Oder), am Dienstag zeigte, wie umfassend der Blick der Stasi auf alles war, was sich irgendwie in der Öffentlichkeit und der Privatsphäre von Personen abspielte. Sielaff zeigte am Beispiel des Jahres 1989, worauf der Ausspähapparat ein Auge geworfen hatte, nannte aber nur vereinzelte Beispiele. Man mochte im ersten Moment den Eindruck banaler Harmlosigkeit haben, den die Granseer Behörde und ihre inoffiziellen Mitarbeiter verbreiteten. Doch genau das stimmt nicht.

Etwa 60 Zuhörer kamen am Dienstag zum Vortrag ins Granseer Heimatmuseum. Sie erfuhren, dass die Staatssicherheit in den Monaten vor der Wende eine wichtige Aufgabe hatte, die „Zurückdrängung und Unterbindung der Antragstellung auf Ausreise aus der DDR“. Angesichts dieser Aufgabe betonte Sielaff, dass sich kein inoffizieller Mitarbeiter im Nachhinein herausreden konnte, wenn er sagt, nichts Schädliches über diesen und jenen gesagt zu haben. Schon Harmlosigkeiten hätten ein Puzzle komplettieren und der Behörde die Gewissheit geben können, dass dieser oder jener eine Republikflucht plante. 1989 war zudem das Jahr, in dem die Postkontrolle sehr weit oben auf der Agenda stand. Briefe und Pakete wurden allerdings nicht in der Kreisdienststelle gelesen, sondern in der Bezirksdienststelle in Potsdam. Die geöffneten Briefe kamen aber immer beim Empfänger an. „Die Stasi hatte kein Interesse, dass sie verschwanden“, sagte Sielaff. „Sie wollten ja die Informationen.“ Die konnten sie nur bekommen, wenn weiter geschrieben wurde. Die Bezirksdienststelle in Potsdam hatte 4000hauptamtliche und führte 9300 informelle Mitarbeiter. Sie war viel größer als andere Bezirksdienststellen, was an der Westberlin-Grenze lag.

14 laufende Regalmeter Akten der Kreisdienststelle Gransee sind nach der Wende gefunden worden. Das sei nicht viel. Allerdings wurden große Vorgänge, etwa zu Ausgereisten oder Geflüchteten, an die Bezirksverwaltung abgegeben. In Gransee sind Ende 1989 so wie anderswo auch Akten vernichtet worden, sagt Sielaff. In Potsdam wurden allerdings keine Säcke mit zerrissenen Unterlagen wie andernorts gefunden. Das läge wohl daran, dass Potsdam als einzige Bezirksverwaltung ein eigenes Heizkraftwerk hatte.

Von Andreas Röhl

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