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Oberhavel Faszination Modelleisenbahn
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18:08 05.11.2017
Thomas Knott betreibt in Berlin den „Tegeler Lokschuppen“. Auch seine Frau hat Spaß an dem Hobby ihres Mannes.
Thomas Knott betreibt in Berlin den „Tegeler Lokschuppen“. Auch seine Frau hat Spaß an dem Hobby ihres Mannes.
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Hennigsdorf

Zu den mit Abstand jüngsten Besuchern der Modellbahnbörse, die gestern im Hennigsdorfer Stadtklubhaus viele Modellbahnfans von nah und fern anlockte, gehörte mit seinen gerade einmal 12 Jahren Clemens aus Berlin.

Der Steppke bekam schon mit drei Jahren seine erste Eisenbahn geschenkt. Eine H0-Anlage von der Firma Märklin. Das verbindet ihn mit vielen anderen Modellbahnern, die ebenfalls schon als Kinder mit ihrem filigranen und kreativen Hobby begonnen haben. Doch anders als bei vielen der meist älteren und auch männlichen Modellbahnfans, verkehren bei Clemens vor allem ausländische und moderne Züge auf der Anlage, die er sich mit dem Taschengeld finanziert. „Ich wohne zwei Straßen von einer Bahnstrecke entfernt. ICEs finde ich langweilig, tschechische Züge haben ein viel besseres Design“, erklärt der Schüler, der froh ist, auf Modellbahnbörse taschengeldschonend seinen Bahnbestand erweitern zu können.

Auch Thomas Knott vom „Tegeler Lokschuppen“ hat bereits als Dreijähriger seine erste Modelleisenbahn geschenkt bekommen. Ein Märklin-Starterpaket. „Eigentlich war ich nur eine Legitimation dafür, dass mein Vater seinem Hobby frönen konnte“, lacht der ehemalige Versicherungsfachmann, der erst als Teenager die H0-Anlage übernehmen durfte. Heute misst seine Bahnlandschaft 32 Quadratmeter und widmet sich, wie bei vielen seiner Altersgenossen, den Epochen III und IV. Das ist die Zeitspanne von 1949 bis 1990, bevor die ersten ICEs auf den Gleisen auftauchten. Aber warum genau diese Zeitspanne? Man kann alles machen, erklärt Jörg Engel, Dampf-, E- und Dieselloks. Er ist nahe des ehemaligen Lehrter Bahnhofs groß geworden und hat noch viele der schwarzen Riesen im Arbeitseinsatz fahren sehen. „Wir sind mit Dampfloks groß geworden und mich haben sie immer fasziniert.“

Nicht von Eisenbahnen, sondern von Modellautos ist hingegen Jörg Stetti aus Berlin fasziniert. „Ich sammle Modellautos seit meinem vierten Lebensjahr.“ Es sei ein alter Traum, sein ganz privater kleiner Irrsinn, schmunzelt der Berliner, der schon als 18-Jähriger 10 000 Modellautos sein eigen nannte. Heute sind es fünf Mal so viele. Viele mittlerweile ausgelagert in einem Oldtimermuseum in Deggendorf. Denn Stetti hat sich besonders den Bussen im Maßstab 1:87 verschrieben.

Er besitzt sämtliche BVG-Busse aller Linien und mit allen Beschriftungen, die nach dem Krieg in Berlin auf den Straßen unterwegs waren. In Ost und West. In Handarbeit beschriftet er sogar nach Fotovorlagen die gelben Doppeldecker. Er bedauert, dass nicht mehr junge Leute diesem kreativen und vielseitigen Hobby frönen. Seine erste Modellbahnbörse besuchte Stetti mit sechs Jahren. Heute ist er 52, aber dem Hobby, über das er Kontakte bis Mexiko, in den Iran oder die Ukraine pflegt, ist er immer treu geblieben.

Von Ulrike Gawande