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Oberhavel Folteropfer noch immer in Polen in Haft
Lokales Oberhavel Folteropfer noch immer in Polen in Haft
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12:59 28.12.2013
Quelle: dpa
Oranienburg

Das aus Oberhavel abgeschobene tschetschenische Ehepaar hat in einem Telefonat die Bedingungen in der Haftanstalt im polnischen Ketrzyn geschildert. Die beiden waren am 26. November in der Kreisausländerbehörde in Oranienburg verhaftet und am nächsten Morgen nach einer Nacht in Polizeihaft nach Polen gebracht worden. Kurz vor der russischen Grenze leben sie nun mit anderen Flüchtlingen, darunter auch Kinder, in einem geschlossenen Heim. Ihm fehlten seine Medikamente, sagte Herr I. in einem Telefonat mit dem Flüchtlingsrat, das vor Weihnachten stattfand.

Er habe Angst, wie andere Tschetschenen nach Russland abgeschoben zu werden. Der 27-Jährige ist schwer traumatisiert und stark suizidgefährdet. Seine Schilderungen aus der geschlossenen Einrichtung entsprechen den Berichten von Flüchtlingsorganisationen zu dem „bewachten Verwahrungszentrum“. Sie dürften nicht einmal jeden Tag nach draußen, sagte I.

Der tschetschenische Ehemann macht der Kreisausländerbehörde schwere Vorwürfe. Nachdem er mit seiner Frau vorgeladen worden war, seien sie im Amt an Händen und Füßen gefesselt worden. Der muslimischen Frau wurde gegen ihren ausdrücklichen Willen das Kopftuch abgenommen. Die beiden durften nur ein Telefonat führen und musste eine Nacht in Haft verbringen. Ihre Rechtsanwältin wurde weder von der Behörde, der Polizei, noch vom Amtsgericht Oranienburg informiert, obwohl sie als Rechtsbeistand in den Akten vermerkt ist.

Auch die Einträge zum Gesundheitszustand von I. wurden missachtet. Nach mindestens vier Festnahmen und Folterungen durch Stromschläge leidet I. an einer posttraumatischen Belastungsstörung, ist schwer depressiv. „Man kann davon ausgehen, dass sich sein Zustand in Polen massiv verschlechtert hat“, sagt Psychologe Kirsten Dieckmann, der den 27-Jährigen  in Oberhavel betreute und wegen der  Suizidgefahr zur stationären Behandlung ins Krankenhaus Hennigsdorf überstellte. Die Behandlungserfolge seien durch die Abschiebung zunichte gemacht worden. Arrest und Abschiebung würden zu schwersten Retraumatisierungen führen und Vertrauen bei I. zerstören. Dieckmann wirft der Ausländerbehörde wegen des Gesundheitszustandes von I. Ignoranz vor. „Der Umgang des Amtes stellt eine Gesundheitsgefährdung dar.“ Der Kreis wies Kritik bereits  im November zurück. Der Amtsarzt habe „keine Abschiedungshindernisse festgestellt“.

Pfarrer Johannes Kölbel Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Flucht und Migration“ im Evangelischen Kirchenkreis erinnerte am Freitag an die Aufrufe von Papst Franziskus und Bundespräsident Joachim Gauck, Menschen auf der Flucht vor Armut und Verfolgung beizustehen. „Als Christ schäme ich mich für alle Verantwortungsträger in unserem Landkreis“, sagte Kölbel. Das Landratsamt solle die beiden zurückholen. Flüchtlingsberaterin Simone Tetzlaff kritisierte, dass die Landesregierung bis heute zu dem Fall schweige.

Von Klaus D. Grote

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