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Oberhavel Fortbildung: Stolperstein Krankenschein
Lokales Oberhavel Fortbildung: Stolperstein Krankenschein
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21:22 24.01.2019
Dezernentin Kerstin Niendorf (r.) freute sich über eine gelungene Veranstaltung. Quelle: Landkreis Oberhavel
Oranienburg

Rund 50 Ärzte, medizinisches Personal und Mitarbeiter aus Gesundheitsämter Oberhavels, den angrenzenden Landkreisen sowie Berlin informierten sich am Mittwoch während einer Fortbildungsveranstaltung im Oranienburger Kreistagssaal über die Feinheiten im Umgang mit Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen. Die Veranstaltung fand in Kooperation zwischen dem Jobcenter Oberhavel, dem Fachbereich Gesundheit Oberhavel und dem Institut für Sozialmedizinische Begutachtung und Fortbildung GmbH statt. Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bestätigt eine Krankschreibung durch den Arzt und stellt neben der Diagnose den Zeitraum für den Krankengeldanspruch fest. Sie wird in der Regel von Ärzten oder Zahnärzten ausgestellt. Stolperstein dabei kann der Spagat zwischen Patientenwohl, Verwaltung und Gericht sein.

Im Fokus: Sicherheit rechtlicher Rahmenbedingungen

Insbesondere mehr Sicherheit zu rechtlichen Rahmenbedingungen sollte die Veranstaltung geben, erklärte die zuständige Dezernentin für Gesundheit, Kerstin Niendorf. „Anlass war die Attestierung von Arbeits- oder Reiseunfähigkeiten, insbesondere im Arbeitslosengeld II-Bereich. Mitarbeiter aus dem Jobcenter hatten die Gelegenheit, mit Juristen und niedergelassenen Ärzten deren jeweilige Perspektiven und Probleme zu erörtern“, so Niendorf.

Vorträge, Diskussionen, Austausch

Die 50 Veranstaltungsteilnehmer hörten zunächst einen Impulsvortrag von Peter Kaminsky, Teamleiter des Fachdienstes Fallmanagement im Jobcenter Oberhavel. Er thematisierte die „Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung im Rahmen der Arbeitsvermittlung bei Bezug von Arbeitslosengeld II“. Ausgangspunkt sei, dass die Zuständigkeit des kommunalen Jobcenters Oberhavel nur für erwerbsfähige Personen gilt. „Wenn ein SGB II-Empfänger erkrankt und einen Meldetermin oder eine Maßnahme nicht antreten kann, muss eine Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung vorgelegt werden. Bei langanhaltenden gesundheitlichen Einschränkungen der Antragsteller ist allerdings die Überprüfung der Erwerbsfähigkeit erforderlich. Hierfür wird eine sozialmedizinische Begutachtung durchgeführt“, erläuterte Tim Weimer, Leiter des Jobcenters, das Vorgehen.

Veranstaltung soll Schnittstelle für Ärzte schaffen

Das Ergebnis ist Grundlage für die weitere Arbeitsvermittlung. Doch hier treten immer wieder Probleme auf, wenn weiterhin die dauerhafte Arbeitsunfähigkeit seitens der Ärzte attestiert wird, obwohl bei der sozialmedizinischen Begutachtung die Person als erwerbsfähig eingestuft wurde. „Das macht eine Integration dieser Kunden in den Arbeitsmarkt besonders schwierig, da sie in dieser Zeit von keinerlei Beratungs- und Fortbildungsangeboten profitieren können. Im Grunde wollen wir mit der Veranstaltung eine Schnittstelle zu unseren niedergelassenen Ärzten schaffen und für die Problematik sensibilisieren“, so Tim Weimer. Michael Kanert, Richter am Sozialgericht Berlin, ordnete das ärztliche Attest in seinem Redebeitrag schließlich rechtlich ein, da auch vor Gericht die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung immer wieder ein Thema ist. Den Abschluss bildete eine Diskussionsrunde der Teilnehmer.

Leitung durch Amtsarzt Christian Schulze

„Ich hoffe, wir konnten den niedergelassenen Ärzten das Thema der juristischen, verfahrensrechtlichen Auswirkung ihrer Atteste und Zeugnisse nahebringen“, erklärte abschließend Amtsarzt Christian Schulze, der auch die wissenschaftliche Leitung der Veranstaltung übernommen hatte. „Im Prinzip ziehen wir doch alle an einem Strang: Wir bemühen uns um gesunde, integrierte und erwerbsfähige Bürger. Oft bedingt ja das eine das andere“, so Christian Schulze.

Veranstalter zufrieden mit Ergebnis der Fortbildung

Auch Kerstin Niendorf und Tim Weimer zeigten sich nach dem Ende der Fortbildung zufrieden. Es sei wichtig, dass man miteinander rede und gegenseitiges Verständnis entwickle. Dies sei mit der Veranstaltung gelungen.

Von MAZonline

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