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Fürstenberg Wasserwerk des einstigen KZ fertig saniert
Lokales Oberhavel Fürstenberg Wasserwerk des einstigen KZ fertig saniert
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19:13 29.08.2019
Das ehemalige Wasserwerk des Konzentrationslagers Ravensbrück ist fertig saniert. Architekt Christian Kannenberg erläutert die Restaurierung der Fassade. Quelle: Martina Burghardt
Fürstenberg/Havel

Lebensgeschichten wie die von Anna Götze aus Leipzig werden im Mittelpunkt einer neuen Sonderausstellung anlässlich des 60-jährigen Bestehens der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück stehen. Unter dem Titel „Frauen im Widerstand. Deutsche politische Häftlinge im Frauen-KZ Ravensbrück: Geschichte und Nachgeschichte“ werden acht ehemalige Häftlinge porträtiert.

Mit dieser Schau wird am 14. September gleichzeitig das sanierte ehemalige Wasserwerk präsentiert. Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten ließ das im Jahr 1939 als eines der ersten für das Konzentrationslager errichteten Gebäude in den vergangenen vier Jahren für insgesamt rund 1,3 Millionen Euro herrichten.

Gedenkstättenleiterin Insa Escheback (r.) mit Ines Landeck und Architekt Christian Kannenberg im neuen Ausstellungsraum im ehemaligen Wasserwerk des Konzentrationslagers Ravensbrück. Quelle: Martina Burghardt

Für Gedenkstättenleiterin Insa Eschebach stellt das Wasserwerk mehr als eine Erweiterung des Raumangebotes dar. Es sei eine schwierige Aufgabe, die KZ-Geschichte zum Sprechen zu bringen und gleichzeitig zum Denken anzuregen, sagte sie und dankte sowohl dem Architekten Christian Kannenberg als auch Ines Landeck vom Brandenburgischen Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen für die gute Zusammenarbeit.

Im Wasserwerk sind die Anlagen zur Wasseraufbereitung, die bis 1994 in Betrieb waren, erhalten geblieben. Die Räume, in denen Elektrotechnik, Funkstelle und Werkstatt untergebracht waren, sind weitestgehend gesichert worden. Dabei wurden Spuren der Zeitgeschichte zwischen 1939 bis 1994 teilweise erhalten und hervorgehoben, wie Christian Kannenberg bei einem Rundgang am Donnerstag erläuterte.

Die technischen Anlagen im 1994 stillgelegten Wasserwerk sind so weit wie möglich erhalten geblieben. Quelle: Martina Burghardt

Tafeln und Hinweise in kyrillischer Schrift sind ebenso erhalten geblieben wie alter Putz. Die Wasserbehälter und anderen technischen Anlagen wurden gereinigt und, wo es wegen der Sicherheit nötig war, ergänzt. Einiges so der Architekt bleibt ein Rätsel. Einige bauliche Änderungen habe es bereits vor Kriegsende gegeben. „Der Umgang mit KZ-Gebäuden, die ja zugleich Beweisstücke des verbrecherischen Systems sind“, so Christian Kannenberg, „erfordert besondere Sorgfalt. Als deutbare Quellen werden sie zu Exponaten innerhalb des zeithistorischen Museums und zu einem Schlüssel für das Verständnis, wie das System funktioniert hat.“

Ausstellungen in der ehemaligen Fahrzeughalle

Besucher können sich bei Führungen selbst ein Bild machen, ansonsten sind die Räume aus Sicherheitsgründen nicht frei zugänglich. Der multifunktional nutzbare Ausstellungsraum befindet sich in der ehemaligen Fahrzeug- und Wartungshalle. Daneben wird in einem separat zugänglichen Raum das Totenbuch des Konzentrationslagers Ravensbrück gezeigt.

Verschiedene Lebenswege

Anna Götze und ihre Tochter Irma gehörten zu den Überlebenden, ebenso wie die anderen Frauen, deren Biografien ab dem 14. September im Mittelpunkt stehen. „Die Ausstellung zeichnet verschiedene Lebenswege nach und setzt sie in Zusammenhang mit der Zeitgeschichte“, so Hannah Sprute, seit November wissenschaftliche Volontärin in der Gedenkstätte Ravensbrück.

Der Widerstand, den die Frauen leisteten, war unterschiedlich, ebenso die Lebenswege, die sie nach der Befreiung im Osten wie im Westen Deutschlands gingen. Sie waren Anarchistinnen, parteipolitisch organisiert oder auch nicht, verteilten Flugblätter oder halfen Verfolgten. Nach 1945 waren sie in der Friedensbewegung aktiv, waren an der Gründung der Lagergemeinschaft und der Gedenkstätte beteiligt.

Biografien und Exponate

Zusätzlich zu ihren Biografien werden persönliche Briefe und Niederschriften ausgestellt, darüber hinaus gibt es Video- und Audioaufnahmen. Zur Ausstellungseröffnung wird Kurator Henning Fischer Führungen anbieten.

Zur Feier des 60. Jahrestages der Gründung der Mahn- und Gedenkstätte sind am 14. September außerdem eine Buchvorstellung, eine Lesung mit Podiumsgespräch und ein Diskussionsforum unter dem Motto „Ravensbrück 2030“ geplant.

Von Martina Burghardt