Besonderer Talk auf dem „Roten Sofa“ Himmelpfort
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Fürstenberg Der besondere Talk auf dem „Roten Sofa“
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Besonderer Talk auf dem „Roten Sofa“ Himmelpfort

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17:53 31.07.2020
Moderator Arno Sommer mit Florian Werner (l.) auf dem „Roten Sofa“. , Quelle: PRIVAT
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Himmelpfort

Sie machen alle irgendwas mit Buchstaben: schreiben, lesen, publizieren, erzählen. Damit erfüllen sie genau die Kriterien, um auf dem „Roten Sofa“ in Himmelpfort Platz zu nehmen. Um sich ausfragen zu lassen. Um über ihre Bücher zu sprechen. Ihre Arbeit. Und auch über ihr Leben. Mit Arno Sommer, dem Gastgeber. Schriftsteller, Sachbuchautoren, Verleger, Lektoren, Buchhändler sind die Menschen, die seit fünf Jahren in den Erholungsort gelockt werden, um den Einwohnern und Gästen eine gehörige Portion Kultur und Unterhaltung zu bieten.

Erstes Gespräch bei Eröffnung der Salzmann-Bibliothek

Das Format hat sich im Laufe der Jahre entwickelt. „Als wir 2015 die Salzmann-Bibliothek in der Mühle Himmelpfort eröffneten, hatten wir die Idee, etwas Zusätzliches zu machen“, sagt Petra Sommer, Ehefrau von Arno Sommer und Tochter von Georg P. Salzmann, der die große Büchersammlung zusammengetragen hatte. Es gelang dem Ehepaar, Anatol Regnier nach Himmelpfort zu holen. Der Autor und Musiker, Sohn des Schauspielers und Regisseurs Charles Regnier, las am 6. November 2015 aus zwei literarischen Biografien, die er über seine Großeltern Frank und Tilly Wedekind geschrieben hatte. „Danach entstand die Idee, mit den befreundeten Buchhändlern Herbert Bahlinger und Dietmar Masuch regelmäßig über Lieblingsbücher zu sprechen – jeweils vor der Frankfurter und Leipziger Buchmesse“, erläutert Arno Sommer. Als beide Händler ausfielen, war das gleichbedeutend mit dem Ende der kleinen Serie. Aber nicht mit dem Ende der Literatur-Kultur-Veranstaltungen.

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Petra und Arno Sommer sind Veranstalter und Gastgeber. Quelle: privat

Lesen, reden, musizieren

„Dann war das ‚Rote Sofa‘ da“, so Petra Sommer. Nicht nur eine Sitzgelegenheit, die Mühlen-Inhaber Tilman Kunowski auftrieb, sondern auch ein neues Veranstaltungsformat: lesen, reden, musizieren. Exakt zugeschnitten auf das Ehepaar Sommer: Sie kommt beruflich aus dem Verlagswesen, organisierte viele Autorenveranstaltungen, kennt sich in der Szene bestens aus. Hat diverse Kontakte. Er ist Journalist, weiß also, wie man dem Gegenüber kleine und große Geheimnisse entlockt, wann der Redefluss des Gesprächspartners unterbrochen werden sollte und wann es Zeit für einen Themenwechsel ist.

Charlotte Link war der Stargast in Himmelpfort. Quelle: privat

Autoren mit Millionenauflage

Genau 21 Gäste wurden in den vergangenen fünf Jahren zu den öffentlichen Veranstaltungen in der Himmelpforter Mühle begrüßt. Viele von ihnen sind Freunde des Ehepaars. Auch nur deshalb sind solche schreibenden Koryphäen wie Charlotte Link (Auflage von 30 Millionen Büchern) oder Tanja Kinkel (sieben Millionen) auf das Rote Sofa gekommen. Die Gesprächspartner suchen sich die Sommers genau aus. „Das Thema, worüber gesprochen wird, muss in jedem Fall passen – zu Himmelpfort und zur Region“, sagt Petra Sommer und präzisiert: Natur, Landschaft, Tiere, Wald, Freiheit. Und das Buch müsse gut geschrieben sein. Die Recherche dafür kann einige Zeit in Anspruch nehmen. Das ist nicht nur allein der Blick in die Programme der Verlage, sondern auch die Rücksprache mit den Verlagen, um Kontakt mit den Autoren zu bekommen.

„Wir sind so etwas wie die Trüffelschweine“

Gesucht werden für gewöhnlich nicht die Mainstream-Autoren, sondern eher die Unbekannten mit spannenden Biografien. „Wir sind so etwas wie die Trüffelschweine, wollen das besondere Buch oder den besonderen Autor finden“, sagt Arno Sommer. „Klar ist aber auch: Wir machen nur die Sachen, die uns gefallen“, ergänzt Petra Sommer. Bislang ist das Ehepaar damit sehr gut gefahren. Das Publikum (bis zu 160 Personen) vertraue den beiden und sei noch nicht enttäuscht worden. „Wir möchten Ihnen danken für die Organisation der schönen Lesungen, die uns immer – auch noch lange nachher – sehr berühren“, hat eine Besucherin nach einer Veranstaltung geschrieben.

Trockenes Gespräch? Von wegen!

Dabei laufen die Unterhaltungen trotz akribischer Vorbereitung von Arno Sommer – manchmal auch mit Vorgespräch – nicht immer gleich ab. Beim Talk mit dem Wissenschaftsjournalisten Jens Lubbadeh hatte Arno Sommer das flaue Gefühl, dass es ein inhaltlich trockenes Gespräch werden könnte. „Nein, es war ein sehr schönes Erlebnis“, sagt er. Mit Cornelius Pollmer sei es „eine herrliche Plauderei“ gewesen, mit Harald Martenstein „eine Super-Veranstaltung“. Nur das Gespräch mit Rolf Hochhuth sei „aus dem Ruder gelaufen“.

Musik gehört zum „Rote-Sofa“-Format. Quelle: Martina Burghardt

Wenn Corona mitspielt ...

In diesem Jahr nahm noch keiner auf dem Roten Sofa Platz – Corona. Die drei im Frühjahr geplanten Veranstaltungen wurden abgesagt. Jetzt steht fest, dass die Autorinnen noch in diesem Herbst dennoch in die Himmelpforter Mühle kommen und unter Corana-Vorschriften bereit sind, zu lesen und sich den Fragen zu stellen: Pauline de Bok, Christiane Neudecker und Claire Winter (siehe Infokasten). „Das sind tolle Autorinnen. Wir freuen uns jetzt schon auf sie“, sagt Petra Sommer. „Und auf die Besucher. Wir werden regelmäßig angesprochen, wann es das nächste ‚Rote Sofa‘ gibt.“ Im September geht es los – vorausgesetzt, Corona macht dem Veranstalter nicht wieder einen Strich durch die Rechnung.

Gäste und Termine

Sonntag, 13. September 2020, 11 Uhr: Pauline de Bok bringt ihr Buch „Beute – Mein Jahr auf der Jagd“ mit. Musik: steht noch nicht fest.

Sonntag, 18. Oktober 2020, 11 Uhr: Christiane Neudecker spricht über ihr Buch „Der Gott der Stadt“. Musik: Thomas Vogel

Sonntag, 15. November, 11 Uhr: Claire Winter befasst sich in ihrem Buch „Kinder ihrer Zeit“ mit der Nachkriegsgeschichte und den Zwillingen Emma und Alice. Die schriftliche Anmeldung per E-Mail ist unter petra.sommer@rotes-sofa-himmelpfort.de nötig. Musik: steht noch nicht fest.

Der Eintritt ist wie immer frei.

Von Stefan Blumberg