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Fürstenberg Gastronomie verliert an Vielfalt
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18:17 21.11.2019
Gastwirte in Fürstenberg/Havel (v.l.n.r.): Michael Wittke, Nicole Geißler und Tom Schonig. Quelle: Martina Burghardt
Fürstenberg/Havel

Die Gaststätten-Landschaft in Fürstenberg/Havel wandelt sich. Im Restaurant Am Yachthafen und im Seestern wird jetzt italienienische Küche angeboten. Die Gaststätte Haveleck in Steinförde schließt zum Jahresende. Tom Schonig gibt die Selbstständigkeit auf und wechselt ins Landhaus Himmelpfort. In derAlten Reedereischließt die Küche, es sei denn, Michael Wittke findet einen neuen Betreiber oder Kooperationspartner, nach denen er gerade sucht.

Im Templiner Hof hingegen kann man sich über Arbeit nicht beklagen. Nicole Geißler und ihr Team sind an der Kapazitätsgrenze. Sie hat 2009 die Gaststätte von ihren Eltern übernommen und hat derzeit fünf Vollzeit- und zwei Teilzeitmitarbeiter. Ihr Mann hilft mit.

Die Kunden entscheiden

Klar ist: Der Personalmangel und die kurze Sommersaison machen das Wirtschaften nicht leichter. Dazu hat Nicole Geißler ihre eigene Meinung. „Wenn ich ein Geschäft aufmache, kann ich da nicht blauäugig rangehen und muss notfalls ein anderes Konzept auflegen“, sagt sie und verweist auf den Markt. „Letztlich entscheiden die Kunden, das sortiert sich von allein.“

Das sehen Tom Schonig, Vorsitzender des Tourismusvereins Fürstenberger Seenland, und Michael Wittke etwas anders. Sie wünschen sich sowohl moralische als auch ganz konkrete Unterstützung von der Politik. Die Ansprüche der Urlauber verändern sich, Nachhaltigkeit ist gefragt. Das Ziel Fürstenbergs, den Tourismus zu fördern und anerkannter Erholungsort zu werden, hängt nicht zuletzt mit der Gastronomie zusammen.

Strukturen müssten geändert werden

Das Minimum an Zusammenarbeit der Gastwirte, das gegenseitige Referenzieren, reiche nicht aus, um beispielsweise den Personalmangel auszugleichen, sagt Michael Wittke. „Es gibt keine Hilfsbereitschaft der staatlichen Instanzen“, so ist seine Erfahrung. „Das ist eine Systemfrage. Wenn man Tourismus bunter haben will, muss man Strukturen ändern.“ Er denkt dabei an so etwas wie Schlechtwettergeld, damit man das Personal auch außerhalb der Hochsaison halten kann und langjährig am Markt bleibt. „Ich stehe zu meiner unternehmerischen Verantwortung, aber wir haben in diesem Wirtschaftssystem ganz schlechte Vorzeichen“, sagt er. Von IHK, Dehoga und Tourismusverband erwartet er mehr Engagement. Darüber hinaus fehlen ihm Interesse und Wertschätzung der Kommunalpolitiker und der Stadt.

„Das, was Gastronomie und Beherbergung erwirtschaften, hat schon eine Größenordnung“, hakt Tom Schonig ein. Die auf Drängen des Tourismusvereins geschaffene Stadtmarketing-Stelle habe jedoch in den zwei Jahren nicht den erhofften Erfolg gebracht. Darüber wurde auch in der Stadtverordnetenversammlung im Oktober gesprochen. Tom Schonig und Yvonne Nägel hatten dort über die Situation und die Sorgen der Touristiker und Gastronomen informiert.

Rollen sollten geklärt werden

Fürstenberg sei kein Einzelfall, sagte Bürgermeister Robert Philipp. „Wir reden hier von einem grundsätzlichen Strukturwandel in der Gesellschaft“, sagte er. Als Mitglied im Landesfachbeirat für Kur- und Erholungsorte seien ihm dieselben Probleme auch aus anderen Orten bekannt. Er zeigte sich gesprächsbereit. Welche Rolle haben die Stadt Fürstenberg, die Regio Nord, der Tourismusverband und wer macht was – diese Fragen müssten besprochen werden, so sagte er.

„Ich bin überzeugt, nur so findet man eine Lösung“, so Nicole Geißler. Und Michael Wittke wäre froh, wenn dieser ganze „Trupp von Leuten, die sich einen Kopf machen, was man in der Stadt bewegen kann“, mehr wahrgenommen wird. „Ich würde mich freuen, wenn sich viele einmischen“, sagt er.

Es gibt Ideen

Von einer Idee mag Tom Schonig nicht lassen: eine Tourismusfachschule in Fürstenberg. Da sei aber die Politik gefragt. Und Michael Wittke wird sein neuestes Projekt, den Regionalladen in der ehemaligen Kurverwaltung am Bahnhof, so lange am Laufen halten, wie es geht. Nicole Geißler wird weiterhin ihr Ziel verfolgen, vorzugsweise Einheimischen einen bezahlbaren Restaurantbesuch zu ermöglichen. Dass sich an der Situation in der Gastronomie etwas ändert, glaubt sie trotzdem nicht.

Von Martina Burghardt

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