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19:19 12.08.2019
Jan-Uwe Riest und Andrea Riest haben auf Gut Boltenhof nicht nur ihr Zuhause, sondern auch ihre Mission gefunden. Quelle: Uwe Halling
Boltenhof

Ein Foto, 100 Jahre alt: Der Gutsbesitzer posiert lässig am Fuß der Treppe zu seinem Haus, vor ihm ein erlegter Hirsch. Ein Bild, das es so von Jan-Uwe Riest nicht geben wird. Obwohl auch er sich gern vor Gut Boltenhof, seinem Zuhause, ablichten lässt, allein und mit Familie. Als Gutsherr würde er sich dennoch nicht bezeichnen.

Mit seiner Frau Andrea und den beiden drei und fünf Jahre alten Töchtern lebt Jan-Uwe Riest auf Gut Boltenhof. 2015 übernahmen das Paar den Betrieb von seinen Eltern, inklusive der Hotel- und Ferienzimmer, Ackerflächen und Tiere. Einen „lebens- und liebenswerten Ort“ zu schaffen, ist ihre Mission. Nicht nur für ein, zwei oder fünf Jahre. „30 Jahre haben wir uns vorgenommen, 26 wollen wir noch.“

Arbeitsbesprechung auf Gut Boltenhof. Quelle: Uwe Halling

Sein Vater ist beinahe so lange da. Der promovierte Landwirt kaufte 1996 Gut Boltenhof, erfüllte sich den Traum vom Bauer-Dasein und legte den Grundstein für das Familienunternehmen, das die guten Seiten der 150-jährigen Rittergutsgeschichte für sich zu nutzen weiß wie das Selbstversorgerprinzip und die Arbeitsplätze für die Mitarbeiter aus der näheren Umgebung. Uwe Riest stellte 2006 auf Bio um. Die selbst aufgezogenen Tiere verkaufte er. Für die Gutshof-Küche wurde Fleisch eingekauft. Sein Sohn hat das geändert.

Neuer Lebens- und Arbeitsort

Dabei kam im Lebensentwurf von Jan-Uwe Riest und seiner künftigen Frau keineswegs Bauernwirtschaft und Tourismus vor. Er arbeitete als Marketingmanager bei einem großen Konzern in Frankfurt/Main, sie als Juristin beim selben Unternehmen in Kassel. Der Umzug nach Berlin war nur eine Zwischenstation. Dass Gut Boltenhof ihr Lebens- und Arbeitsort werden sollte, entschieden sie, als der Vater kürzer treten musste und eine Entscheidung anstand.

Die Rinder auf Gut Boltenhof werden noch auswärts geschlachtet, doch das soll sich bald ändern. Quelle: Uwe Halling

2014 pachteten die jungen Riests die Ferienwohnungen, um die Eltern zu entlasten. Im Jahr darauf übernahmen sie den Hof. Eine Vision, Markenentwicklung, Kooperation, Nachhaltigkeit – die Riests wissen, wie das geht. Was ihnen an Fachwissen aus der Landwirtschaft, dem Tourismus und der Gastronomie fehlt, holen sie sich von anderen.

Fachleute als Berater gefunden

„Bei unserer Unerfahrenheit war es naheliegend zu sehen, wo bekomme ich in der Umgebung was, wer sind meine Ansprechpartner“, so Jan-Uwe Riest. „Als Quereinsteiger haben wir gute Berater“, berichtet er. Die Fachleute findet er sowohl bei den Produzenten und Dienstleistern in der Region als auch in Hoch- und Fachschulen. „Man geht mit offeneren Augen an die Aufgaben, weil uns das Fachwissen fehlt“, sagt Andrea Riest.

80 Hektar Land gehören zum Gut, zehn Hektar davon sind Grünland. 70 Hektar Acker haben sie verpachtet, kaufen vom Pächter Heu, Stroh und Silage für die Tiere. 20 Rinder, 30 Mastschweine, 100 Hühner halten die Riests für den eigenen Bedarf, dazu 280 Gänse. Esel, Ponys, Kaninchen, Hängebauchschweine, Enten bevölkern den Tiergarten.

Aus dem ehemaligen Stall ist ein großzügiger Veranstaltungsraum geworden. Quelle: Uwe Halling

Der ist beliebt bei den Gästen. Gut Boltenhof bietet neun Hotelzimmer und zehn Ferienwohnungen mit insgesamt 60 Betten, das Restaurant Gutess und einen Veranstaltungsraum für 200 Personen.

Vom Futter bis zur geräucherten Gänseleberbrustpastete, alles aus einer Hand. Das ist das Ziel und ein Alleinstellungsmerkmal zugleich. Die Großvieh-Schlachtlizenz steht noch aus, Geflügel wird bereits auf dem Hof geschlachtet.

„Die Landwirtschaft für sich ist hochdefizitär“, so Jan-Uwe Riest. „Aber wir könnten den Gastbetrieb ohne Landwirtschaft nicht führen. Das ist nur im Gesamtkonzept lebensfähig.“

Soziale Verantwortung gehört dazu

Authentizität ist den Riests wichtig. „Ein Rittergut ist gleich Dorfgemeinschaft. Wenn ein Puzzleteil fehlt, ist es nicht authentisch“, so Andrea Riest. Zu kleinbäuerlichen Strukturen, davon sind sie überzeugt, gehört die soziale Verantwortung. 18 Mitarbeiter sind auf dem Gut beschäftigt.

Wie man die bewirtschaftete Fläche effektiv nutzt, das anbaut, was man braucht – das kann man lernen. „Wenn der Koch, der Landwirt, die Verantwortliche fürs Frühstück darüber beraten, welches Tier wie verarbeitet wird, das ist nicht nur eine Erkenntnis, sondern eine tolle Befriedigung“, so Jan-Uwe Riest.

Romantik und Genuss-Momente

Und er genießt die Momente, die er mit anderen teilen kann. Die Gäste können täglich bei der Fütterung oder dem Weideaustrieb der Gänse dabei sein. Wie viel Romantik in seinem Hof-Leben steckt, diese Einschätzung überlässt er lieber dem Besucher. Genuss-Momente gibt es für den Hausherren, den Mann, der einen Gutshof betreibt, jedoch ganz sicher.

Von Martina Burghardt

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