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Fürstenberg Abschuss von Wölfen: CDU-Politiker unterstützt Teschendorfer
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16:04 08.02.2020
Vor allem um die Wölfe ging es am Donnerstag bei einer Gesprächsrunde in Teschendorf. Quelle: dpa/Bernd Thissen (Archiv)
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Teschendorf

Uwe Feiler hat sich alle Mühe gegeben, Optimismus zu verbreiten und Mut zu machen. Der parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft war am Donnerstagabend nach Teschendorf gekommen, um dort mit Landwirten und Jägern zu sprechen. Die hatten aufgrund der Anwesenheit von Wölfen in den ortsnahen Wäldern Ängste geäußert. Jäger und Pächter Torsten Schwudke aus Teschendorf hatte zuvor nach dem Hinweis eines Spaziergängers ein Stück Damwild mit Kehlbiss gefunden. Der 50-Jährige glaubt, etliche Beweise dafür gefunden zu haben, dass hinter dem Angriff ein Wolf steckt und hatte sich an die Öffentlichkeit gewandt.

Pächter und Jäger Torsten Schwudke (l.) durfte in Teschendorf Staatssekretär Uwe Feiler begrüßen und berichtete am Anfang kurz, wie es zu dem „Hilferuf“ gekommen war. Quelle: Bert Wittke

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„Ich habe den Artikel in der MAZ gelesen“, wandte sich Feiler am Donnerstagabend im Gemeinderaum der Kirche an die rund 25  anwesenden Zuhörer. Für ihn, so der CDU-Politiker, sei sofort klar gewesen, dass er den Teschendorfern ein Gesprächsangebot unterbreiten müsse. Denn er kenne diesen Interessenkonflikt zwischen Jägern und Landwirten auf der einen und den Naturschützern auf der anderen Seite aus dem eigenen Heimatdorf.

Keine verlässliche Zahlen zur Anzahl an Wölfen

Grundsätzlich ist es zu begrüßen, dass der Wolf wieder da ist, meinte Feiler, fügte aber sofort hinzu: „Alles hat auch seine Grenzen.“ Da der Wolf keine natürlichen Feinde habe, müsse auf andere Weise dafür gesorgt werden, dass einer überdurchschnittlichen Verbreitung Einhalt geboten werde.

Landwirte und Jäger verfolgten aufmerksam die debatte. Quelle: Bert Wittke

Einig waren sich alle Anwesenden, dass es scheinbar keine verlässlichen Zahlen über die Anzahl von Wölfen in Deutschland gibt. Das Bundesamt für Naturschutz, so Feiler, habe am 2. Dezember vergangenen Jahres Zahlen veröffentlicht, wonach 105 Rudel, 25  Wolfspaare und 13  Einzelwölfe gezählt worden seien. Diese Angaben wurden von den Anwesenden mit lautem Gelächter quittiert. Was verlässliche Zahlen betrifft, so der Tenor, mauere das Umweltministerium. Auch Feiler selbst schien den Zahlen nicht die rechte Glaubwürdigkeit zu schenken. „Das Einzige, was bei der Steuerung der Wolfspopulation hilft“, so Feiler, „ist die gezielte Entnahme von Tieren. Und das sage ich auch jedem Naturschützer.“

Artikel 16 der FFH-Richtlinie übernehmen

Was in Deutschland gebraucht werde, so ist der Staatssekretär überzeugt, sei die Übernahme von Artikel 16 der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie der Europäischen Union zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen. Danach könnten die EU-Mitgliedsstaaten von den Artenschutzregelungen der FFH-Richtlinie unter strengen Voraussetzungen abweichen, „sofern es keine anderweitige zufriedenstellende Lösung gibt und die Population trotz der Ausnahmeregelung ohne Beeinträchtigung in einem günstigen Erhaltungszustand verweilt.“ Uwe Feiler sprach in diesem Zusammenhang von einer „kleinen Lösung“ für das Problem. Die Schadensschwelle müsse herabgesetzt werden und es sollte möglich sein, einzelne Tiere aus einem Rudel heraus, abzuschießen. Und das auch, wenn nicht zweifelsfrei geklärt sei, ob es dieses Tier gewesen sei, das einen Schaden verursacht habe. Der Bundesrat sei gerade dabei, sich mit dieser Problematik zu befassen.

Landwirtschaftsministerium an der Seite von Landwirten und Jägern

„Mein Ministerium steht an der Seite der Landwirte und Jäger“, versicherte der Staatssekretär am Donnerstag in Teschendorf. Und er wolle dafür sorgen, dass das Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft sich gegenüber anderen Bundesministerien im Endeffekt auch durchsetze. Schließlich gehe es dabei um die Existenz eines ganzen Berufsstandes. Es könne nicht sein, dass den Bauern immer neue Auflage erteilt werden, zumal diese mit kräftigen Investitionen verbunden seien. Wo sollten die Bauern dieses Geld hernehmen? Was, wenn es irgendwann einmal keine Landwirte gebe, weil sie von ihrem Berufszweig nicht mehr leben könnten.

Steter Tropfen höhlt den Stein

„Ich habe die Hoffnung, dass das Bundeslandwirtschaftsministerium den Landwirten helfen wird“, sagte der Teschendorfer Michael Grüber nach der Veranstaltung. Uwe Feiler sei schließlich nicht irgendwer, sondern Staatssekretär und werde von diesem Problem nicht ablassen. Und wie heiße es doch so schön: „Steter Tropfen höhlt den Stein.“

Von Bert Wittke

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