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Fürstenberg Louisas große Liebe heißt Bredereiche
Lokales Oberhavel Fürstenberg Louisas große Liebe heißt Bredereiche
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21:04 03.08.2018
Von Montag bis Freitag ist Louisa Röhl in Berlin, wo sie eine Lehre als Sozialversicherungsfachangestellte macht. Aber am Wochenende fährt sie regelmäßig in ihren Heimatort Bredereiche. Quelle: Uwe Halling
Bredereiche

Mit jedem Tag, da das Wochenende näher rückt, schlägt das Herz von Louisa Annabell Röhl höher und die Vorfreude wächst. Vorfreude auf ein Wochenende in der Heimat, die im Norden Oberhavels liegt – in Bredereiche. 2016 hat sie das Dorf unweit von Fürstenberg verlassen. Seinerzeit begann Louisa eine Lehre als Sozialversicherungsfachangestellte bei der Techniker-Krankenkasse in Berlin. Kurz zuvor hatte sie mit ihrem Freund Marcus Eckfeld, der aus Gransee stammt und als Bankkaufmann in der Hauptstadt arbeitet, eine Wohnung in Prenzlauer Berg gefunden, diese renoviert und eingerichtet. Eigentlich hätte Louisa nun allen Grund gehabt, sich richtig wohl zu fühlen. War ihr das Dorfleben als Jugendliche nicht irgendwann auf die Nerven gegangen? Weil sie Action, das pulsierende Leben vermisst hat? In Berlin hatte sie alles – Action und Hektik. Und das jeden Tag.

Gerne sitzt Louisa Röhl im Garten ihres Opas in Bredereiche und schaut auf die Havel. Quelle: Uwe Halling

Schnell begann sich Louisa nach Bredereiche zu sehnen und wenn das Wochenende gekommen war, packte sie mit ihrem Freund ein paar Sachen zusammen und fuhr in die Heimat. „Da passte es wirklich gut, dass ich seit fünf Jahren beim Fürstenberger Jugendfasching mitmache“, sagt die heute 21-Jährige. Von September bis Februar/März proben dann rund 20 Frauen jeden Sonntag für den großen Auftritt. Sie studieren dann ein abendfüllendes Programm mit viel Tanz ein. Aber nicht nur das. Die Gruppe schmückt auch den Festsaal mit viel Liebe und Kreativität aus, baut Tische und Stühle auf, verkauft Eintrittskarten. Das klappt seit Jahren prima. Wahrscheinlich auch deshalb, weil in der Truppe Disziplin ganz groß geschrieben wird.

Das Wochenende gehört der Familie und Freunden

Die Trainingszeit einmal abgerechnet, gehört das Wochenende in Bredereiche vor allem der Familie und Freunden. Von letzteren zieht es ein ganze Menge immer wieder in die alte Heimat zurück.„Es ist irgendwie verrückt“, sagt Louisa. „Einige meiner Freunde aus der Schulzeit lernen und wohnen auch in Berlin. Und obwohl es dort oft viel kürzere Wege wären, um sich zu treffen, besuchen wir uns doch gegenseitig meistens in Oberhavel, wo die Entfernungen oft viel größer sind und wo keine Straßenbahnen, U- oder S-Bahnen fahren.“

Die Arbeitswoche über ist die 21-Jährige in Berlin, wo sie eine Lehre als Sozialversicherungsfachangestellte absolviert.l Quelle: Uwe Halling

Louisa hat bis zur zweiten Klasse in Fürstenberg gewohnt, dann zog die Familie nach Bredereiche. Ab der siebten Klasse wechselte sie von der Schule in Fürstenberg an die Werner-von-Siemens-Schule in Gransee. Dann besuchte sie das Oberstufenzentrum in Zehdenick, wo sie ihre Reifeprüfung mit einem Notendurchschnitt von 1,9 bravourös abschloss. Die Schule machte ihr Spaß. Okay, das Lernen für Tests, Arbeiten oder die Prüfungen fand sie „nicht ganz so sympathisch“. Deshalb habe sie sich das oft bis auf den letzten Drücker aufgehoben. Aber der Erfolg hat ihr recht gegeben. Kunst und Deutsch zählten seinerzeit zu ihren Lieblingsfächern, Chemie mochte sie nicht und hat dieses Fach denn auch in der zehnten Klasse postwendend abgewählt. Inzwischen lernt Louisa nun also, hat noch ein Lehrjahr vor sich und arbeitet sich durch die Sozialgesetzgebung. „Das ist gegenwärtig meine Bettlektüre“, sagt sie und lacht dabei. „Ich hatte mir die Ausbildungsinhalte nicht so schwer vorgestellt“, gibt die junge Frau zu. In bestimmten Abständen hätten sie und die anderen Auszubildenden zweiwöchige Seminare in der Nähe von Erfurt beziehungsweise Lüneburg. Das seien harte Zeiten, in denen sehr gut aufgepasst und fleißig gelernt werden müsse. Trotzdem mache ihr diese Arbeit Spaß. Man lerne jeden Tag etwas Neues, werde täglich mit neuen Fällen von Kunden konfrontiert.

Geschwister mögen sich gegenseitig sehr

Und dann kommen ja nach den Seminaren auch wieder die Wochenenden, wo es heimwärts geht. Ein wichtiger Grund, warum es sie immer wieder gern nach Bredereiche zieht, ist für Louisa ihr Bruder. Der achtjährige Livian Elio hängt sehr an seiner Schwester und sie an ihm. „Wir haben eine enge Bindung“, sagt Louisa. „Geschwisterkrieg hat es bei uns nicht gegeben.“ Das liege vermutlich auch an dem großen Altersunterschied. „Wir gehen sehr liebevoll miteinander um“, erzählt Louisa, „telefonieren regelmäßig. Wenn ich zu Hause bin, gehen wir baden, angeln oder spielen Federball.“ Oder sie schaue Livian zu, wenn er mit Freunden Fußball spielt. Ihr Bruder habe einmal gesagt, dass für ihn Sonntag der schlimmste Tag sei. Nicht, weil er am Montag wieder zur Schule müsse, sondern weil seine Schwester dann wieder nach Berlin fahre. Livian ist 2016 eingeschult worden. „Seither ist er so schnell gewachsen“, sagt Louisa und fügt mit gesenkter Stimme hinzu: „Ich bin richtig traurig, weil ich seine Entwicklung durch die Ausbildung in Berlin gar nicht so richtig mitbekomme. Immer wenn ich am Wochenende kam, konnte er schon wieder neue Buchstaben und Zahlen. Und jetzt besucht er schon bald die dritte Klasse.

Am liebsten möchte Louisa in absehbarer Zeit an den Stadtrand von Berlin zeihen, um an den Wochenenden schneller in Bredereiche sein zu können. Quelle: Uwe Halling

Neben ihrem Bruder ist es für Louisa das Heimatgefühl, was ihr immer wieder den Weg nach Bredereiche weist. Schon jetzt steht fest, dass Louisa nicht für immer in Berlin bleiben möchte. Wohnen in Randberlin, das könnte sie sich vorstellen. Möglichst nicht so weit weg von Bredereiche. „Sommer in der Stadt ist etwas Schreckliches“, ist die 21-Jährige felsenfest überzeugt. Überhaupt nicht zu vergleichen mit dem Garten ihres Opas. Der liegt in Bredereiche direkt an der Havel. Dort kann man mit Freunden in der Sonne liegen, ausspannen, sich erholen und den Booten zusehen, die über die Havel schippern. „Ja“, sagt Louisa, „das ist fraglos mein Lieblingsplatz.“

Die Kirche in ihrem Heimatdorf findet Louisa ausgesprochen romantisch. Quelle: Uwe Halling

Klar sei in Berlin die Infrastruktur und das kulturelle Angebot viel besser. Aber was ist das alles gegen Bredereiche. Dort sind die Menschen herzlich und offen und fühlen sich zusammengehörig. Dort kann sich die Familie bei Opa treffen, ausruhen und gemeinsam grillen. Und dort muss man nicht lange laufen oder fahren, um sich mit einem Sprung ins kühle Nass zu erfrischen. Und nicht zu vergessen die kleine Kirche, die Louisa so beeindruckend und romantisch findet.

Nur gut, dass schon wieder Wochenende ist …

Von Bert Wittke

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