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Oberhavel Gescheiterte Bauprojekte in der Region
Lokales Oberhavel Gescheiterte Bauprojekte in der Region
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08:34 15.05.2014
Die Chinatown in Oranienburg wurde nie realisiert. Quelle: Archiv

Es blieben Träume auf dem Reißbrett

In Hennigsdorf platzte der Bau einer 21-Millionen-Euro-Marina. In Oranienburgwurde das Projekt Chinatown nie realisiert.

Hennigsdorf/Oranienburg– Boote schaukeln am Ufer der Havel, die Flügel einer gläsernen Mühle rotieren im Wind. Ein Stück niederländische Gemütlichkeit wollte er nach Hennigsdorf bringen. Das kündigte Gerben Zwerver, Unternehmer aus Friesland, vor fast vier Jahren im Gespräch mit der MAZ vollmundig an. Doch den Hennigsdorfern war der Niederländer dann doch etwas zu gemütlich. Sechs Jahre lang hatte die Stadtverwaltung gewartet, dass für das 21-Millionen-Euro-Projekt am Hafen die Bagger anrücken. Als Gerben Zwerver Anfang 2013 auch den letzten Kauftermin für das Areal verstreichen ließ, hoben die Stadtverordneten den Vertrag mit dem Investor auf.

Ganz unumstritten war diese Entscheidung nicht. Denn die Marina hätte das Zeug gehabt, ordentlich Touristen nach Hennigsdorf zu locken: Geplant waren ein Yachthafen mit 85 Bootsliegeplätzen und halbkreisförmig angeordnete Appartements. Wahrzeichen der Anlage sollte ein Restaurant im Form einer holländischen Mühle werden. Die Stadtverwaltung hatte das Umfeld aufgehübscht – auch für den Bau der Marina. Für rund 353000 Euro wurde der Uferrandweg saniert, der Großteil kam aus Fördermitteln. Dazu kam eine 80Quadratmeter große Plattform mit Bänken am Ufer, der so genannte „Wasserbalkon“. Die Marina dagegen bleibt ein Traum auf dem Reißbrett. In der Stadtverwaltung hat das Projekt aber noch nicht aufgegeben. „Wir wollen bei weiter leistungsfähige Investoren finden, dafür braucht man aber sicher etwas Geduld“, sagt Ilona Möserin, Sprecherin der Verwaltung.

Marina mit Mühle: Holländische Gemütlichkeit wollte Gerben Zwerver mit der Ferienanlage nach Hennigsdorf bringen. Doch das Projekt wurde nie verwirklicht. Quelle: Friesland Boatine

Auch zwei Kilometer weiter südlich ist ein Traum geplatzt. Auf der Landzunge in Nieder Neuendorf sollte ein Komplex mit Restaurant und Hotel entstehen, Blick aufs Wasser inklusive. Auch hier ging die Stadtverwaltung in Vorleistung. Ein altes Wohnhaus wurde abgerissen, die Straße am Alten Strom saniert. Etwa eine Viertelmillion Euro verschlangen die Arbeiten auf der Landzunge. Doch der Investor sprang ab. Die Stadtverwaltung hält nun weiter die Augen nach Investoren für das Projekt offen, sagt Sprecherin Möser.

In Oranienburg scheiterten ebenfalls große Bauvorhaben. Eigentlich sollten Kunden Ende dieses Jahres auf der Fläche der Parkplatzes zwischen Berliner Straße und Breite Straße ihre Weihnachtsgeschenke kaufen können. Albert ten Brinke, Geschäftsführer eines niederländischen Immobilienunternehmens, wollte hier ein Einkaufscenter aus dem Boden stampfen. Als Interessenten für das Schlossplatzcenter galten die Supermarktkette „Kaiser’s“ und ein Elektrogroßmarkt. Auch Optiker, Schuhgeschäft, Drogeriemarkt, ein Kaufhaus und Textilanbieter sollten einziehen. In der oberen Etage war ein Parkdeck mit 130Plätzen geplant. Doch der Investor vertröstete die Verwaltung ein ums andere Mal. Die Verträge mit den Hauptmietern seien noch nicht unter Dach und Fach, begründete ten Brinke. Ende 2013 verkündete Oranienburgs Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke (SPD), dass das Projekt geplatzt ist. Es sei besser, in Frieden auseinanderzugehen, als etwas zu bauen, das später leer steht. Aktuell gibt es wieder Interessenten für den Schlossplatz. Wie er bebaut wird, ist aber unklar. „Es kann ein Einkaufszentrum sein, aber auch Mischbebauung, zum Beispiel von Wohnungen, Büros und Einkaufsmöglichkeiten“, sagt Björn Lüttmann, Leiter der Wirtschaftsförderung in der Verwaltung. Gescheitert ist auch die Chinatown, die auf dem ehemaligen Flughafengelände entstehen sollte. Ein ganzer Stadtteil aus der Retorte war geplant, vollgestopft mit fernöstlichen Pavillons, Teehäusern, Gewerbe und einem Landschaftspark. Etwa 2000 Einwohner, vor allem Chinesen, sollten hier leben.

Ein Stadtteil nach chinesischem Vorbild sollte auf dem alten Flugplatz in Oranienburg entstehen. Heute ist dort ein Gewerbegebiet. Quelle: Archiv

Doch der Investor, die Brandenburg-China-Projekt-Management GmbH aus Frankfurt (Oder), ruderte zurück, sprach plötzlich vom schwierigen chinesischen Markt. Vor sechs Jahren erklärte die Verwaltung das Projekt für gescheitert. Vielleicht war das gar nicht so schlecht, sagt Björn Lüttmann heute. Denn statt der Chinatown siedelten sich Unternehmen wie Rewe, Hermes oder Casttech an. „Oranienburg“, so Lüttmann, „hat dadurch heute ein deutliches Plus an Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen.“

Von Marco Paetzel

Super-Ferienpark lässt auf sich warten

In der Tonstichregion gibt es noch Funken der Hoffnung

Zehdenick– Eine Garnelenzucht in Falkenthal, ein Golfplatz in Baumgarten, Sunpark in Häsen und Tropicana in Neuthymen – wären all diese Projekte, die im Norden Oberhavels einmal geplant waren, verwirklicht worden, wäre der Region wohl schon der Durchbruch gelungen. Mit den Planungen für eine Ferienhauslandschaft ging der hellste Stern vor einigen Jahren in Zehdenick auf. Die Havelstädter konnten ihr Glück kaum fassen: mehr als 150 Millionen Euro wollte die Eske Group gemeinsam mit dem Reiseveranstalter Novasol in die Entwicklung der Tonstichlandschaft investieren und dort in neun Siedlungen 700Ferienhäuser für Urlauber bauen. Für die Stadt und die Region hätte das den Aufstieg in die touristische Superklasse bedeutet. Ein Vorhaben ähnlicher Dimension hatte es in Deutschland noch nicht gegeben. Mit der Finanzkrise zerplatzten die Träume, das Unternehmen verabschiedete sich sang- und klanglos. Seither versuchen die Zehdenicker, das Projekt in abgespeckter Form doch noch auf den Weg zu bringen. Und es sah teilweise so aus, als könnte dies gelingen. Verschiedene Investoren hatten sich nach der großen Pleite für einzelne Areale in der Tonstichregion interessiert. Immer wieder im Gespräch sind der Eichlerstich und das Gebiet am ehemaligen Kohlehafen.

„Zu einem Investitionsgrab ist die Tonstichlandschaft für uns nicht geworden“, sagt der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung, Dieter Hass. Das Ansinnen habe letztlich mehr Nerven als Geld gekostet. Und einen Funken Hoffnung darauf, dass irgendwann doch noch Ferienhäuser gebaut werden, haben die Zehdenicker bis heute. „Wir haben nicht gesagt, wir wollen nicht mehr“, so Hass. Es gebe neue Interessenten, allerdings seien die Absprachen für konkrete Aussagen noch nicht weit genug gediehen. „Wir sind zwar ein wenig mutloser geworden, weil wir viel Herzblut investierten. Aber wenn wir es schaffen, einen Anfang zu machen, haben wir immer noch eine Chance“, so Hass.

Von Cindy Lüderitz

Havelländische Luftnummern

Golfhotel, Gutshofpassage  und  Wasserstadt – sie  hätten schön werden können

Von einer „Wasserstadt Ketzin“ träumten die Kommunalpolitiker Anfang der 1990er-Jahre. Auf dem Gelände des damaligen Kraftfuttermischwerkes (KFM) an der Havel sollte ein Wohngebiet mit bis zu 500 Einheiten entstehen. Einige der Wohnungen, so die Vorstellungen der Stadtverordneten und der Planer, hätten in die vorhandenen Silos eingebaut werden können. Top Lage, hoch über der Stadt mit einem freien Blick aufs Wasser. Zwei Ziele verfolgte die Kommune mit ihrer Idee. Sie wollte eine schnelle Nachnutzung für das Kraftfuttermischwerk, weil man befürchtete, dass der Ketziner Getreideumschlagstandort die aufkommende Konkurrenz in der Nachwendezeit nicht überleben würde. Zudem erhoffte man sich einen gewaltigen Zuzug in der Stadt. Doch aus alledem wurde nichts. Im vorigen Jahr beerdigten die Stadtverordneten das Projekt endgültig, nachdem sie es vorher schon einmal reduziert hatten. Längst gehört das Areal der Firma Bohnhorst, die dort weiterhin einen Getreideumschlag betreibt.

Der Umbau der Silos mit großen Glasfronten war geplant. Quelle: Archiv

Lange, lebhaft und polemisch war in Falkensee diskutiert worden: Im Januar 2005 beschlossen die Stadtverordneten mehrheitlich, den Spandauer Kreisel mit einem Kunstwerk aufzuwerten. Der Künstler Dieter Masuhr, damals Abgeordneter in der Falkenseer Stadtverordnetenversammlung, hatte den Vorschlag gemacht und eine sich im Wind drehende Spirale vorgeschlagen. Statik, Ästhetik, Graffitischutz – alles Mögliche wurde diskutiert. Bloß die Kosten nicht. Denn dafür versprach Masuhr, Sponsorengelder aufzutreiben. Dazu ist es nie gekommen. Der Maler zog sich schwer erkrankt aus Falkensee zurück, die Spirale auf dem Spandauer Kreisel geriet völlig in Vergessenheit. Irgendwie fragte auch nie wieder einer nach.
Ganz andere Dimensionen nahm in Falkensee das Projekt „Gutshofpassage“ ein. Der entsprechende Bebauungsplan F 17 war in den 90er-Jahren auf den Weg gebracht worden. Ein Gebäuderiegel zwischen ehemaligem Bauernmarkt und Scharenbergstraße war geplant. Gebaut wurde davon nur das erste Gebäude, in dem sich heute der Weltladen befindet.
Nie ganz fertig wurde auch das, was im Bebauungsplan F4 am Akazienhof bewegt wurde. Von den gigantischen Plänen des Büros um Walter Momper blieben immerhin Flachbauten für Supermärkte und Drogerie. Der angekündigte Kopfbau, der den Blick auf die architektonische Dürftigkeit und die 200Parkplätze kaschieren sollte, steht bis heute nicht.
In Seeburg warten Einwohner und Kommunalpolitiker seit Jahren auf ein Golfhotel. Der Bebauungsplan ist seit zehn Jahren gültig, der Grundstückseigentümer, Alexander von Spoercken, bringt immer wieder Investoren ins Gespräch, einige Male waren die Planungen sogar schon so weit gediehen, dass man sich über Verkehrskonzepte und die Fassadengestaltung Gedanken machte. Ganz wohl ist den wenigsten dabei, denn der Bebauungsplan erlaubt einen mächtigen Baukörper. Spoercken selbst kündigte einmal ein Gebäude von der Größe des Schlosses Charlottenburg an. Allerdings: Bisher hat sich niemand gefunden, der einen solchen Bau hätte bezahlen können. Oder wollen. ms, jewe,ver

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