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Oberhavel Gewerkschaft warnt: Existenz vieler Bäckereien in Oberhavel bedroht
Lokales Oberhavel Gewerkschaft warnt: Existenz vieler Bäckereien in Oberhavel bedroht
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13:18 04.10.2018
Julian Stähle Quelle: Julian Stähle
Oberhavel

Den heimischen Bäckereien droht der Fachkräfte-Schwund. Davor warnt die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG). So könnte ein großer Teil der rund 430 Bäckerei-Beschäftigten im Landkreis Oberhavel schon bald in andere Branchen abwandern, wenn sich die Löhne und Arbeitsbedingungen in dem Handwerk nicht rasch verbessern. „Mittelfristig steht sogar die Existenz vieler Bäckereien in der Region auf dem Spiel“, erklärt Birgit Weiland von der NGG Berlin-Brandenburg in einer Pressemitteilung im Vorfeld der am 11. Oktober in Berlin beginnenden Tarifrunde für das Bäckerhandwerk in Berlin und Brandenburg.

Eines der ältesten Handwerke: Das Bäckerhandwerk. Quelle: Peter Geisler

Gewerkschaft beobachtet „regelrechte Abwanderungswelle“

Der unterste Stundenlohn für eine Bäckereiverkäuferin liegt mit 9,05 Euro derzeit nicht viel höher als der Mindestlohn – „und das für einen Knochenjob“, so Weiland. Bei den Bäckergesellen sehe die Lage mit 9,19 Euro pro Stunde kaum besser aus. „Ein ausgelernter Handwerker arbeitet im Kreis Oberhavel für genau 35 Cent über dem niedrigsten Lohn, der in Deutschland überhaupt erlaubt ist. Das ist doch eine Farce. Solche Einkommen reichen kaum zum Leben. Deshalb brauchen sich Bäckermeister nicht zu wundern, dass sich immer mehr Beschäftigte nach anderen Berufen umsehen.“ Seit Jahren beobachtet die Gewerkschafterin eine „regelrechte Abwanderungswelle“. Insbesondere das Verkaufspersonal wechsele immer häufiger in den Einzelhandel.

Ein Knochenjob: Das Bäckerhandwerk. Quelle: Julian Stähle

Gewerkschaft fordert Lohn-Plus und attraktivere Arbeitsbedingungen

Für die Mitarbeiter im Brandenburger Bäckerhandwerk fordert die NGG in der aktuellen Tarifrunde deshalb ein „kräftiges Lohn-Plus“ und attraktivere Arbeitsbedingungen. Ohne deutliche Lohn-Sprünge drohten Beschäftigten in der Region außerdem Mini-Renten. „Selbst wer sein ganzes Berufsleben Vollzeit an der Bäckereitheke oder in der Backstube gearbeitet hat, muss oft mit einem sehr mageren Rentenbescheid rechnen“, kritisiert Weiland. Dies hätten die Beschäftigten nicht verdient. Nach Berechnungen der Bundesregierung liegt ein existenzsichernder Lohn bei mindestens 12,63 Euro pro Stunde. Wer weniger verdiene, müsse seine Rente später mit hoher Wahrscheinlichkeit beim Amt aufstocken. Weiland: „Es ist an der Zeit, dass sich auch die Arbeitgeber zu armutsfesten Tariflöhnen bekennen. Nur wer seine Mitarbeiter fair bezahlt, wird in der Zukunft überhaupt noch Personal finden.“

Nachwuchs immer schwieriger zu finden

Frühes Aufstehen, Mehlstaub, Stress an der Verkaufstheke – die harten Arbeitsbedingungen in Bäckereien führten schon heute dazu, dass sich immer weniger Schulabgänger für die Branche entschieden, so die NGG. Dabei seien die Bäcker- und Verkäufer-Berufe vielseitig und interessant – vom Kreieren neuer Brotsorten bis zum Kundenkontakt beim Schrippenverkauf. „Wirklich gutes Brot gibt es nun mal beim Bäcker um die Ecke und nicht im Discounter.“

Die Zahl der traditionellen Bäckereien im Landkreis Oberhavel ist inzwischen überschaubar. Doch die Oberhaveler lieben ihre Bäcker, so wie die Bäckerei Angermüller aus Hennigsdorf. (Archivbild) Quelle: Robert Roeske

Problematik in Oberhavel nicht neu

Die von der Gewerkschaft im Vorfeld der Tarifrunde öffentlich gemachte Warnung ist im Kreis Oberhavel nicht neu. Lesen Sie dazu auch:

MAZ vom 25. März 2018: „Bäckermeister: Mit unserem Handwerk ist es in einigen Jahren vorbei

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Von MAZonline

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