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Glienicke Der israelische Autor Arye Sharuz Shalicar diskutiert mit Abiturienten
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19:50 19.06.2019
Der israelische Autor Arye Sharuz Shalicar diskutiert mit Abiturienten des Georg-Mendheim-Oberstufenzentrums über sein aktuelles Buch "Der neu-deutsche Antisemit". Quelle: Matthias Busse
Oranienburg

Extra für zwei Lesungen in Oranienburg reiste der deutsch-israelische Schriftsteller Arye Sharuz Shalicar direkt aus ­Israel an. Am Mittwoch-Morgen sprach er mit 60 Schülern der 11. und 12. Klasse des beruflichen Gymnasiums vom Georg-Mendheim-Oberstufenzentrum (OSZ) in der André-Pican-Straße über sein im Herbst 2018 erschienenes Buch „Der neu-deutsche Antisemit“.

Der ehemalige Sprecher der Israelischen Armee und Berater des neuen Außenministers Israel Katz (Likud) ist eine umstrittene Persönlichkeit mit bunter Vergangenheit. Er wurde 1977 als Sohn persischer Juden in Göttingen geboren und wuchs als Teenager in Berlin-Wedding unter muslimischen Jugendlichen auf. „Mein Leben hat sich auf den Kopf gestellt, als herauskam, dass ich Jude bin“, erinnerte sich der Autor und warb für Toleranz: „So etwas kann traumatisierend für einen Jugendlichen sein, wenn sich von einem die Freunde abwenden.“ Der Hass auf ihn habe aufgehört, als ihn ein Mitglied eines arabischen Familienclans zum Freund erkor.

Nach schwieriger Jugend das Studium beendet

Darüber schrieb er 2010 in seiner Autobiografie „Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude“ und dass er sich diesen Schutz durch kriminelle Aktivitäten erkaufen musste. Das führte unter anderem zu seinem Rauswurf aus dem Diesterweg-Gymnasium in Berlin-Wedding – das Abitur beendete er trotzdem am OSZ in der Osloer Straße. „Daher haben wir eine Sache gemeinsam“, baut er Empathie auf, bevor er mit den Jugendlichen das Gespräch suchte. Gegen Vorurteile helfe persönliches Kennenlernen, so die These des Politologen, der sein an der Humboldt-Universität Berlin begonnenes Studium nach seiner Auswanderung nach Israel an der Hebräischen Universität Jerusalem 2006 beendete.

Der israelische Autor Arye Sharuz Shalicar diskutiert mit Abiturienten des Georg-Mendheim-Oberstufenzentrums über sein aktuelles Buch "Der neu-deutsche Antisemit". Quelle: Matthias Busse

Nur zwei der Anwesenden meldeten sich auf die Frage, wer jüdische Freunde hätte. „Wenn jemand Jude ist, da schluckt man erst einmal. Da kommt Anne Frank hoch, der Davidstern und der Holocaust“, so Arye Sharuz Shalicar. Auch wenn er sich eine historische Sensibilität bei der Jugend wünsche, sprach er sie von persönlicher Schuld frei:„Damit hat aber auch niemand hier zu tun.“

Judenwitze sind bei Jugendlichen immer noch populär

Zum kontroversen Dialog kam es über die Frage, ob Judenwitze zulässig seien. „Ein Junge meinte: „Wenn man auf schwarzen Humor steht, dann finde ich das nicht schlimm.“ Ein Mitschüler konterte: „Man muss zwischen Witz und Beleidigung unterscheiden“ und fügt an, dass dies auch zu einer judenfeindlichen Grundeinstellung führen könne.

Jochen Feilcke, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Berlin-Brandenburg, der den Auftritt Shalicars in Oranienburg organisiert hat, brachte es auf den Punkt: „Bei Judenwitzen stirbt am Ende der Jude.“ Als der 76-Jährige murmelnde Zustimmung im Auditorium erhielt, konnte man sich vorstellen, welche Art von Witzen das sind.

Aus Sorge wegen neuer Qualität des Antisemitismus

Der 2018 weltweit im Internet kursierende und viel diskutierte Gürtel-Angriff eines arabischen Jugendlichen auf einen Kippa-Träger in Berlin, war den Jugendlichen auf Nachfrage jedoch verborgen geblieben. In seinem Vorwort zu seinem neuen Buch schreibt Shalicar, dass ihn das zu seinem aktuellen Buch bewogen habe. „Mich hat gestört, dass jeder die Schuld am Antisemitismus auf den Anderen schiebt. Ich werde jetzt alle beim Namen nennen“, verspricht der Autor über den Inhalt und fügt an, dass es sich die Deutschen zu einfach machen würden, wenn sie die Verantwortung daran auf die Zuwanderer abschieben.

Von Matthias Busse

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