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16:11 04.12.2019
Caren Berend, die zehn Jahre auch als Schöffe tätig war, im Gespräch mit der 98-jährigen Lina Neumann. Quelle: Helge Treichel
Glienicke

Lina Neumann (98) strahlt über das ganze Gesicht. Aufmerksam hört sie zu, als Caren Berend ihr eine Frage stellt. Die Worte sind sorgsam gewählt: einfach und verständlich. Lina Neumann nickt. Als die beiden später zusammen auf dem Sofa im Foyer des Hauses Angerhof sitzen, ist die Sympathie der beiden geradezu greifbar. Unverkennbar ist: Caren Berend ist gern an der Seite der Seniorin. Sie hat keine Scheu, ihr Aufmerksamkeit und Zuneigung zu zeigen.

Auch das gehört für die sportliche Frau dazu: Mit anpacken, wenn es nötig ist. Quelle: Helge Treichel

Caren Berend besucht die 98-Jährige seit etwa zwei Jahren regelmäßig, obgleich sie nicht mit ihr verwandt ist. Sie hat sie sogar erst in der Senioreneinrichtung kennengelernt. Denn die 59-jährige Glienickerin gehört zu den insgesamt zwölf ehrenamtlich Tätigen, die mit den Pflegebedürftigen reden, singen, spielen, musizieren, einkaufen gehen oder sogar Ausflüge unternehmen. Oder sie beim Sterben begleiten. Dafür ist Caren Berend kürzlich mit Ehrenamtspreis des Landkreises geehrt worden.

Ein Schlüsselerlebnis hat die gelernte Kauffrau für Grundstücks- und Wohnungswirtschaft zu dieser verantwortungsvollen Tätigkeit gebracht. Eines Abends hatte eine Nachbarin wegen eines medizinischen Notfalls bei ihr geklingelt. Dem Mann ging es schlecht. Caren Berend half sofort und kümmerte sich auch um die Frau und deren Tochter, nachdem der Mann verstorben war. Das war im Herbst 2012. „Danach wusste ich, was ich will“, sagt sie: „Alte Menschen betreuen in ihrer letzten Lebens- und in ihrer Sterbephase.“ Bereits am nächsten Tag nahm sie ihre ehrenamtliche Tätigkeit im Haus Angerhof auf.

Das Haus Angerhof in Glienicke gehört seit drei Jahren zur europaweit tätigen Korian-Gruppe. Quelle: Helge Treichel

Aktuell sind dort 129 der 132 Plätze in der stationären Pflege belegt, sagt Einrichtungsleiterin Julia Sieber, die große Stücke auf die ehrenamtlichen Helfer hält. „Die Bewohner profitieren sehr“, sagt sie. Denn die Beziehungen und Kontakte seien viel intensiver als bei den Pflegekräften, die stets auf die Uhr schauen müssten. „Diese 1:1-Betreuung ist super!“

Caren Berend, die 2008 mit ihrem Mann aus Spanien nach Glienicke umgezogen war, hat sich dafür beim Unionhilfswerk qualifiziert. Der Kurs ging über ein Dreivierteljahr und begann schon wenige Tage nach ihren ersten Einsätzen. Schon während dieser Ausbildung, die sie vor allem auf die Sterbebegleitung vorbereitete, nahm sie den Besuchsdienst auf. Drei weitere ihrer Glienicker Mitstreiterinnen besitzen diese besondere Qualifikation. Während die anderen auch im häuslichen Bereich und in anderen Pflegeeinrichtungen eingesetzt werden, konzentriert sich Caren Berend auf die Pflegeeinrichtung in Glienicke. Aktuell leistet sie für zwei Bewohner den Besuchsdienst, in einem dritten Fall übernimmt sie die akute Sterbebegleitung. Ihr erster Weg führt sie immer zuerst dorthin. Und die Helferin ist häufig im Haus, zu bestimmten Zeiten nahezu täglich. „Ich habe nur einen fünfminütigen Fußweg“, sagt sie. „Wie ich möchte, kann ich das in mein Leben einbauen.“

Bürgerschaftliches Engagement

Das Unionhilfswerk ist 1946 in einer Zeit großer Not aus christlicher Verantwortung entstanden, um soziale Hilfe zu leisten.

Bis zur Gegenwart engagieren sich die Mitarbeiter für jene, die auf Betreuung und Unterstützung angewiesen sind.

Bürgerschaftliches Engagement war die Grundlage für die damalige Gründung und hat eine lange Tradition.

Als ein Verbund aus Unternehmensträgerstiftung, Verein, sechs gemeinnützigen Gesellschaften und Förderstiftung entwickelte sich daraus einer der größten sozialen Träger Berlins.

Rund 2800 Mitarbeiter und mehr als 1000 Freiwillige betreuen und fördern täglich beinahe 5500 Menschen aus Berlin und Umgebung in mehr als 130 Einrichtungen.

Wer sich für die ehrenamtliche Arbeit in der Lebens- und Sterbebegleitung interessiert, findet Kontakt über das Haus Angerhof (Telefon: 033056/22 50; Mail: glienicke-nordbahn@korian.de) oder das Unionhilfswerk (Telefon 030/42 26 56; Mail: dialog@unionhilfswerk.de).

Der Verein Bürgersinn Glienicke e. V. ist im November 2017 gegründet worden, um einen öffentlich zugänglichen Nachbarschafts- und Familientreff im Glienicker Wohngebiet Sonnengarten betreiben zu können.

Mitunter ist das Loslassen für die Sterbenden gar nicht so leicht. „Keiner kann gut sterben, wenn Unfrieden ist“, so ihre Erfahrung. Deshalb sieht es Caren Berend bei Bedarf als ihre Aufgabe an, zerstrittene Familienmitglieder noch einmal zusammenzubringen – für eine Entschuldigung, für ein Vergeben, für ein letztes versöhnliches Wort, damit die Sterbenden in Frieden gehen können. „Das habe ich schon ein paar mal erlebt. Da fallen mir ein paar Namen ein.“

Einmal hat eine Sterbebegleitung bei ihr fünfeinhalb Jahre gedauert. Da baue sich eine intensive Beziehung auf und es sei schwer, mit dem Tod umzugehen. „Ich habe regelmäßig Supervision und meine Rituale, um damit klar zu kommen“, sagt Caren Berend. Außerdem sei die Pflegedienstleitung jederzeit für sie ansprechbar. „Aber Professionalität werde ich dabei nie erreichen“, ist sie sich sicher.

Blick in den Speisesaal des Hauses Angerhof. Quelle: Helge Treichel

Warum sie dieses Ehrenamt übernahm? „Für mich ist es wichtig mit Menschen zu arbeiten“, sagt Caren Berend. „Mir ging es ein Leben lang sehr gut und ich möchte etwas an die Gesellschaft zurückgeben.“ Alte Menschen, die ihr Leben gelebt haben, seien am Ende oft vergessen. Das Ehrenamt gebe ihr „sehr viel zurück, sehr viel Wärme und Herzlichkeit“.

Herzenswärme und die Würde des Menschen seien das, was die ehrenamtliche Arbeit von Caren Berend auszeichnet, hieß es in der Laudatio während der Preisverleihung, zu der sie von Bürgermeister Hans Günther Oberlack (FDP) vorgeschlagen worden war: „Menschen wie sie sind Vorbilder für unsere Gesellschaft, Vorbilder für mehr Miteinander.“

Caren Berend und Leiterin Julia Sieber sind nahezu gleich lange in der Einrichtung tätig. Quelle: Helge Treichel

Von Helge Treichel

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