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Glienicke Klimaparty auf Glienickes Straßen
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00:27 25.02.2019
Schüler zogen gestern für eine bessere Klimapolitik durch Glienicke. Quelle: Foto: Helge Treichel
Glienicke

„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!“ Mit Sprechchören wie diesen und lauter Musik demonstrierten am Freitagvormittag rund 400 Jugendliche vom Neuen Gymnasium Glienicke unter dem Label „Fridays fo Future“ für eine striktere Klimapolitik und einen lebenswerten Planeten. Während an anderen Schulen für diesen Klimastreik Strafen zu erwarten waren, lief die Aktion in Glienicke mit ausdrücklicher Genehmigung der Schulleitung.

Veranstalter Carl Exner eröffnet die Aktion. Quelle: Helge Treichel

„Um ihnen Demokratie und politische Bildung beizubringen, gibt es nichts Besseres, als sie machen zu lassen und sich als Schule dahinter zu stellen“, sagt Schulleiter Hans-Joachim Bork. „Als einmalige Aktion ist das genial.“ Um der Politikverdrossenheit entgegen zu wirken, sei es „ganz schlecht, die Teilhabe zu verbieten“. Die Herausforderung habe darin bestanden, jene 30 bis 35 Schüler zu unterrichten, die sich an der Demonstration nicht beteiligen wollten: „Die Entscheidung muss man ihnen überlassen, das gehört zur Demokratie dazu.“

Schulleiter Hans-Joachim Bork (M.) reihte sich mit ein. Quelle: Helge Treichel

Als Veranstalter begrüßte Carl Exner (17) die Demo-Teilnehmer. Man wolle zeigen, „dass die junge Generation eben nicht so unpolitisch ist, wie oft beklagt wird“. Vor allem gehe es aber darum, den Druck zu erhöhen, damit in Sachen Klimaschutz endlich mehr getan wird, sagte er der MAZ. Es gehe längst nicht mehr um nachfolgende Generationen: „Es geht bereits für unsere Generation um einen lebenswerten Planeten“, so der Schülersprecher. Aktuell seien keine Strategien der Politik zu erkennen, die das erreichen könnten.

Deutschland verpasst die Ziele zur Einsparung von Emissionen und trotzdem beschließt die Kohlekommission den Kohleausstieg erst für 2038“, ergänzt Schülersprecherin Nikita Peck (16). Um ein klares Signal zu setzen, das aufmerken lässt, formulierte Carl Exner vor dem Gymnasium als Startsignal um kurz nach 8 Uhr ein klares Ziel: „Dann legen wir jetzt Glienicke gemeinsam lahm!“

Schülersprecherin Nikita Peck (16) im Demonstrationszug. Quelle: Helge Treichel

Über die Schönfließer Straße und Nohlstraße setzte sich der Protestzug in Richtung B96 in Bewegung, wo Polizeikräfte den fließenden Verkehr absperrten. Rund 20 Beamte waren bis gegen 10 Uhr im Einsatz, sagte Einsatzleiter Gerald Bliß. Auch die Verkehrswarndienste seien informiert worden. Am Ende konnte er resümieren, dass es „keine Störung“ gab. Schließlich habe der Umzug die Bundesstraße maximal eine Viertelstunde blockiert, etwa bis gegen 8.35 Uhr. über die Hauptstraße, Märkische Allee und Eichenallee ging es zurück zum Gymnasium.

Während sich einige Verkehrsteilnehmer in Geduld üben mussten, gab es viel Beifall am Rande der Strecke und von Passanten. Mittendrin Renate Hertzfeld. Die 83-jährige Glienickerin unterstützt die Jugendlichen vorbehaltlos: „Das haben wir nach dem Krieg auch so gemacht und gesagt: Jetzt sind wir dran!“ Die Aktion mache ihr Mut. Schließlich habe es „lange nicht gegeben, dass sich die Jugend wehrt“.

Einfallsreich: die vielfältigen Plakate beim Umzug. Quelle: Helge Treichel

Als Einführung sprach zur Demo Clemens Rostock, Landesvorsitzender der Bündnisgrünen. Er erinnerte an einige Zahlen. Danach habe das Land Brandenburg den höchsten Kohlendioxid-Ausstoß pro Kopf bundesweit – nämlich 60 Millionen Tonnen jährlich. 36 Millionen Tonnen davon stammen alleine aus den Kraftwerken Jänschwalde und Schwarze Pumpe. „Manchmal könnte man ja mit Blick auf die mangelnden Ambitionen in der Klimapolitik die Hoffnung verlieren“, sagt Rostock. „Aber solche Aktionen machen dann wieder Mut, wenn die Jugend für ihre eigene Zukunft einsteht.“ Auch Piraten-Landesvorsitzender Thomas Bennühr lobte die Aktion: „Was ihr hier macht, ist einfach geil.“

Carl Exner zieht am Ende gegen 10 Uhr ein positives Fazit. „Viele sind mitgekommen, die Stimmung war super, alles hat funktioniert. Der große Aufwand hat sich gelohnt.“ Eine Wiederholung sei vorerst nicht geplant. Ausschließen aber mochte er eine zweite Auflage nicht.

Carl Exner verkündet bei Polizeihauptkommissar Gerald Bliß das offizielle Ende der Demo. Quelle: Helge Treichel

Von Helge Treichel

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