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Glienicke Lebendige Geschichte auf 216 Seiten
Lokales Oberhavel Glienicke Lebendige Geschichte auf 216 Seiten
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14:37 25.10.2019
Bürgermeister Hans Günther Oberlack, Autor Joachim Kullmann und Ortschronik Glienicke, Joachim Kullmann und Karsten Wundermann, stellvertretender Vorsitzender der Gemeindevertretung (v. l.), präsentieren den vierten Band der Ortschronik. Quelle: Gemeinde Glienicke/Nordbahn
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Glienicke

Der vierte Band der Ortschronik „Glienicker Bilderbogen“ ist druckfrisch erschienen. Ortschronist Joachim Kullmann präsentierte das 216 Seiten starke Buch zur Vergangenheit und Gegenwart der Gemeinde in Anwesenheit von Bürgermeister Dr. Hans G. Oberlack und Karsten Wundermann, stellvertretender Vorsitzender der Gemeindevertretung. Das neue Werk kann ab sofort in der Gemeindebibliothek für 12,50 Euro käuflich erworben werden. Ab November ist der Band auch in der Glienicker Bücherstube erhältlich. Die Auflage beläuft sich auf 1200 Exemplare.

Tragische Geschichte voller Schmerz

Ein Buch zu schreiben ist nicht einfach. Vor allem dann nicht, wenn Emotionen eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Dabei ist Kullmann ein Profi. Er weiß, wie man Nachforschungen in mühevoller Kleinstarbeit betreibt, Aufzeichnungen, Dokumente und Briefe aufspürt, studiert und auch auswertet. Es zählen die Fakten, um sich ein objektives Bild über die geschichtlichen Ereignisse und Zustände in Glienicke/Nordbahn machen zu können. Doch bei einem Thema hat er mit sich gerungen. Das Schicksal der jüdischen Familie Liebermann ging nicht spurlos an dem 83-Jährigen vorbei. Er wurde 1942, im Alter von sechs Jahren, selber zum Zeitzeugen einer schrecklichen Geschichte. Der Zufall wollte es, dass Kullmann mit seiner Mutter am Haus der Liebermanns vorbeikam. Die fünfköpfige Familie verließ in Begleitung eines Polizisten gerade ihr Haus in der heutigen Tschaikowskistraße 1. Sie zogen einen klapprigen Handwagen, beladen mit einigen Koffern, hinter sich her. Es war ihre letzte Reise. Eine Reise in den Tod. „Mir ist es ungemein schwergefallen, darüber zu schreiben“, sagte Kullmann mit feuchten Augen.

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Stolpersteine, Denkmäler und geheimnisvolle Glienicker Gebäude

Im vierten Band widmet sich der Ortschronist diesem düsteren Kapitel Glienicker Geschichte mit dem Thema „Stolpersteine für 7 von 6 Millionen“. Das Schicksal der Juden in der Gemeinde ist ihm ein besonderes Anliegen. „In der DDR-Zeit ist dieser Bereich verschwiegen worden, auch in der 1979 von der SED-Ortsleitung herausgegebenen Chronik“, sagte Kullmann. Ein zweiter großer Themenkomplex befasst sich mit Gedenksteinen und Denkmälern, deren historische Hintergründe ausführlich beleuchtet werden. Den größten Platz in dem frisch gedruckten Band nehmen die Glienicker Gebäude ein, in denen unter anderem bekannte Persönlichkeiten wohnten. Dabei erinnerte Kullmann an den skandalumwobenen und verstorbenen früheren Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein, Uwe Barschel. Dieser erblickte im Mai 1944 in der Breitscheidstraße das Licht der Welt. Oder an Gustav Bauer, Reichskanzler in der Weimarer Republik, der seine letzten Lebensjahre in der Karl-Liebknecht-Straße verbrachte. „Sein Grab befindet sich auf dem evangelischen Friedhof.“

 

Licht und Schatten der Moeller-Chronik als Grundlage für weitere Recherchen

Nach 2004, 2008 und 2012 ist nun der vierte Teil des „Glienicker Bilderbogen“ erschienen. „Da steckt viel Herzblut drin“, unterstrich der Ortschronist. Im Laufe der zurückliegenden Jahre seien eine Menge Ideen zusammengekommen und ein Konzept entstanden. Kullmann betonte, dass viele Kapitel in der Chronik von Vorgänger Karl Heinz Moeller eine gute Grundlage gewesen seien, „auf die ich zugreifen konnte. Keine Frage, die 2000 handgeschriebenen A3-Blätter sind ein fleißiges Werk. Aber sie sind in der DDR-Zeit entstanden, in der eine einseitige Medienpolitik herrschte.“ Große Teile der Moeller-Chronik seien propagandistisch ausgelegt und würden viele Themen verschweigen. „Ich war daher immer bemüht, die weißen Flecken in der Glienicker Ortschronik aufzuarbeiten.“

 

Bürgermeister Oberlack würdigt gelungenes Chronik-Konzept

Wundermann dankte Kullmann für sein Werk. „Ohne die Kenntnis der Vergangenheit wird es schwer, heimisch in seinem Ort zu werden.“ Mit seinen lebendigen Geschichten habe er dazu beigetragen, „dass wir uns in Glienicke heimisch fühlen“. Oberlack erinnerte an das Konzept des Glienicker Bilderbogens. „Mit Beginn des ersten Bandes werden interessante und gut aufgeschriebene Geschichten erzählt. In einer normalen Chronik liest man nur eine zeitliche Abfolge der Ereignisse. Daher hat Ihr Konzept überzeugt“, lobte der Bürgermeister. Kullmann sprach den Fremdautoren Benno Sparka und Frank Woschczytzky für ihre Beiträge und der Gemeinde für die Finanzierung des Projektes seinen Dank aus. Auch Lektorin Andrea Held lobte er für ihre unermüdliche Unterstützung.

Von MAZonline

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