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Glienicke Probesitzen im Regen
Lokales Oberhavel Glienicke Probesitzen im Regen
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00:23 27.10.2018
Nicht Igor Jerschov nahm neben Künstlerin Christine Gersch bei der Einweihung der Sitzgruppe am Dienstag Platz, sondern Bürgermeister Hans G. Oberlack. Quelle: Enrico Kugler
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Glienicke

Mit einem Autokran musste die Sofagarnitur im Atelier von Christine Gersch und Igor Jerschov abgeholt werden. Ein zweiter Kran wartete dann am Glienicker Rathaus, um die jeweils ein bis zwei Tonnen schweren Sitzmöbel mit einem 30 Meter langen Kranausleger an ihren neuen Standort in dem kleinen Park neben dem Standesamt zu verfrachten.

Per Kran wurde die Sofaskulptur aus dem Glienicker Atelier gehoben und an den neuen Standort neben dem Rathaus gehoben. Quelle: Christine Gersch

Am Dienstag wurde das Kunstwerk, das bis dahin noch verhüllt war, trotz Regen und Wind feierlich eingeweiht. Christine Gersch verrät aber, dass schon direkt nach dem Aufstellen Sofa und Sessel in Beschlag genommen wurden. „Das ist das Schönste, was einem passieren kann, dass ein Kunstwerk sofort angenommen wird“, freut sich die Künstlerin, die mit ihrem Partner rund neun Monate an der Sitzecke gearbeitet hat. Sogar erste Hochzeitsfotos wurden auf den tonnenschweren Kunstwerken mit ihren so filigranen, blauen Mosaiken mit Blumenmuster gemacht, die wie Omas Wohnzimmersofa wirken.

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Selbst im Regen fand die neue Sitzgruppe großen Anklang. Die Künstlerin (M.) und der Bürgermeister (r.) enthüllen die Sitzgruppe am Standesamt. Quelle: Enrico Kugler

Ein Sofa für die Brautpaare zu schaffen – für Fotos oder einen kleinen Sektempfang nach dem Besuch im Standesamt – war die Intension von Christine Gersch für das neue Glienicker Schmuckstück. Mit ihrem Mann hat sie zuvor nicht nur die tanzenden Bienen vor dem Hohen Neuendorfer Bahnhof realisiert, sondern in vielen Berliner Schulen und Kitas, in Parks und auf Spielplätzen öffentliche Kunst geschaffen. „Früher gab es für Brautpaare nur den Dorfteich als Fotomotiv“, erinnert sich Gersch, die mit ihrem Mann und den beiden Söhnen vor 20 Jahren aus Berlin nach Glienicke zog. Bereits 2005 gestalteten Gersch und Jerschov Möbel als Kunstwerke. Damals für einen sogenannten Pocketpark auf einer Miniaturfläche in Pankow, die für einen Park oder einen Spielplatz zu klein war. Auch dort nutzen Brautpaare bis heute die Kunstwerke aus Glienicke, die mit ihren steinernen Mosaiken an Biedermeierstoffe und die Atmosphäre eines alten Hauses erinnern, für ihre Hochzeitsbilder.

Könnten auch in einem Wohnzimmer stehen: Sofa, Sessel und Tisch mit Schachbrett in Glienicke. Quelle: Christine Gersch

Christine Gersch studierte Plastik an der Kunsthochschule Weissensee. „Ich habe von Beginn an gewusst, dass ich Bildhauerin werden will, weil ich schon immer gern modelliert habe.“ Bis heute sei es ihr Traumberuf geblieben, auch wenn es manchmal schwer sei, hauptberuflich von der Kunst zu leben. Ihr Mann Igor kommt aus Moskau und studierte dort Romanistik. Zur Kunst kam er über seine Frau, mit der er zusammen seit 28 Jahren Kunst im öffentlichen Raum macht, deren Merkmal meist die sehenswerten Mosaike sind. Ein Kunde habe damals ein Mosaik haben wollen, erinnert sich Gersch. Im Laufe der Jahre haben sie ihre Technik immer weiter verfeinert. Verwenden tun sie für die Mosaike vorwiegend Murano­glas aus Italien und Feinsteinzeug aus Frankreich. Es sind hochwertige Produkte. Aber nur so lasse sich die gewünschte Farbbrillanz erreichen, verrät die Glienickerin. Und man könne wie in einem Tuschkasten aus unzähligen Farben wählen.

Der Entstehungsprozess der Kunst ist verbunden mit vielen Arbeitsschritten. Quelle: Christine Gersch

Doch bevor die Mosaike die Kunstwerke schmücken – auch mit Schülern arbeiten sie mit dieser Technik im Kleinformat, die dann von ihnen zu fertigen Kunstwerken zusammengefügt werden – müssen erst einmal die eigentlichen Objekte gebaut werden. Dafür, eine schwere körperliche und handwerklich anspruchsvolle Arbeit, ist vor allem Igor Jerschov zuständig. Er schweißt ein Gerüst, umhüllt es mit Gewebe, ummantelt es mit einem Spezialmörtel und später modelliert er es. Erst dann kommen die Fliesen ins Spiel, bevor das Ganze mit Beton ausgegossen wird.

Ein stabiles Kunstwerk. Quelle: Christine Gersch

„Es soll stabil sein, wie ein Stein. Das Gerüst war nur unsere Hilfe.“ Darauf legt das Künstlerpaar Wert. „Es ist ein fertiges Objekt, das bewegt werden kann.“ Alles sind Unikate – egal ob die Sitzschlange im Park, der Drachen auf dem Borgsdorfer Spielplatz oder die Roland­figuren aus Terrakotta am Elbradweg bei Torgau. In diesem Jahr hätten sie Glück gehabt, so dass sie für die Sofaecke viel draußen arbeiten konnten. „Wir hatten ideales Wetter.“ Beide wollten für ihren Heimatort etwas besonders Schönes schaffen. „Man hat eine besondere Verantwortung, wenn man Kunst im öffentlichen Raum schafft. Sie muss für mehrere Generationen akzeptabel, haltbar und stabil sein“, ist Gersch überzeugt. Dieses Credo, einem hohen Anspruch zu genügen, gelte auch für ihre Arbeit mit Kindern. „Die Kinder müssen auch später noch stolz auf das Geschaffene sein.“ So wie sie selbst. Gersch: „Wir möchten etwas hinterlassen, das anderen Leuten Freude macht.“

Von Ulrike Gawande

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