Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Glienicke Zu viel Verkehr zwischen Berlin und Glienicke: Kommen nun Betonklötze?
Lokales Oberhavel Glienicke Zu viel Verkehr zwischen Berlin und Glienicke: Kommen nun Betonklötze?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:59 15.01.2020
Kommen bald Betonklötze auf der Verbindungsstraße zwischen Berlin-Reinickendorf und Glienicke? Quelle: Enrico Kugler
Glienicke

Wollen da einige Berliner aus dem Westteil der Stadt im 30.  Jahr der deutschen Wiedervereinigung etwa die Mauer zurückhaben? „Ich kann mir das nicht so recht vorstellen“, sagt Hans-Günther Oberlack. Glienickes Bürgermeister war in der vergangenen Woche Gast im Verkehrsausschuss des Berliner Nachbarbezirkes Reinickendorf. Dort wurde unter anderem über das erhöhte Verkehrsaufkommen auf der B 96 gesprochen. Wenn es dort mal wieder ganz dicke kommt, so hieß es in der Sitzung, würden Autofahrer auf Schleichwege wie die Schildower Straße oder die Elsenstraße zurückgreifen. Die Folge sei, dass zum Beispiel die Bewohner des Hermsdorfer Waldseeviertels zusätzlich vom Straßenverkehr belastet würden. Als Gegenmaßnahme war in der Sitzung in Reinickendorf von sogenannten „temporären Modalfiltern“ die Rede.

Dabei handelt es sich um Betonelemente, die verhindern sollen, dass motorisierte Verkehrsteilnehmer die Strecke benutzen können. „Der frühere „antikapitalistische Schutzwall“ wird zum antibrandenburgischen erklärt“, schreibt ein User auf der Facebook-Seite der Gemeinde Glienicke/Nordbahn und fügt hinzu: „Die Hermsdorfer leben dann wieder ihr ruhiges Leben im Schatten der Mauer.“ Ein anderer User meint: „Hauptsache vor der eigenen Tür ist Ruhe. Sollen sich doch andere Anwohner in anderen Straßen damit herumärgern.“

Straßen sind für hohes Verkehrsaufkommen nicht ausgelegt

„Ich möchte gar nicht in Abrede stellen, dass der Verkehr im genannten Bereich zugenommen hat“, sagt Hans-Günther Oberlack. Die Straßen seien dafür nicht ausgelegt. Im gleichen Atemzug müsse aber auch festgestellt werden, dass an den alten Verbindungsstraßen zwischen Schildow und Hermsdorf von Westberliner Seite aus seit 1945 nichts mehr getan wurde. Vermutlich habe man dort nicht so recht an die deutsche Einheit geglaubt. „Bei uns“, so der Bürgermeister, „gibt es jedenfalls keinerlei Bestrebungen, Straßen zu schließen“. Im Gegenteil! Man habe schließlich gerade erst gemeinsam mit Hohen Neuendorf, Birkenwerder und der Gemeinde Mühlenbecker Land die Erarbeitung eines Verkehrskonzeptes in Auftrag gegeben. Ziel sei es, festzustellen, wie viel Verkehr wo zwischen den Berliner Randbezirken und den genannten Berliner Umlandgemeinden fließt. Damit werde eine Basis geschaffen, um Maßnahmen gegen eine Verkehrsüberflutung in die Wege leiten zu können.

Oberlack: „Zutiefst demokratisches Recht für die Verkehrsteilnehmer, diese Straßen zu benutzen“

„Was wären denn mögliche Alternativen zur gegenwärtigen Situation“, fragt Hans-Günther Oberlack und beantwortet die Frage gleich selbst: Eine Teileinziehung der Straßen oder der Ausbau zu Hauptverkehrsstraßen. Eine Schließung der Straßen droht nach Ansicht des Glienicker Bürgermeisters nicht. Schließlich handele es sich um öffentlich gewidmete Straßen. Es sei folglich das öffentliche und zutiefst demokratische Recht für die Verkehrsteilnehmer, diese Straßen zu benutzen. Nur weil Anlieger das wollten, könnten gewidmete Straßen nicht einfach dicht gemacht werden. Für ihn, so Hans-Günther Oberlack, rieche das Aufbegehren der Anwohner im Waldseeviertel eher danach, als wollten sie sagen: Wir wollen unsere Ruhe haben! „Wir haben uns bereits bemüht“, so unterstreicht Glienickes Verwaltungschef, „Maßnahmen für eine Verkehrsverringerung zu ergreifen“. Eine solche sei zum Beispiel der Kiezbus und sein Zehn-Minuten-Takt in Spitzenbelastungszeiten. Es gelte, mit attraktiven Angeboten des öffentlichen Personennahverkehrs dafür zu sorgen, dass Leute bereitwillig darauf umsteigen und ihr Auto daheim stehen lassen.

Befremdlicher und nicht sehr glaubwürdiger Vorschlag

Der „Westberliner Vorschlag“, mit Betonklötzen den Verkehr zu verringern, erscheint Hans-Günther Oberlack befremdlich und nicht sehr glaubwürdig. Wenn man die Absicht hätte, aus der Schildower Straße eine reine Fahrradstraße, etwa bis zum Bahnhof nach Hermsdorf, zu machen – okay. So aber sollen ja wohl die Betonhindernisse nur an der Grenze nach Glienicke stehen. Ganz nach dem Motto: Wir wollen die Autofahrer aus Richtung Oberhavel dort nicht haben. Im Rest der angrenzenden Berliner Wohnviertel, also auch im Waldseeviertel, sollen die Anlieger aber mit ihren Autos im restlichen Kiez freie Fahrt haben. Angesichts dieser Tatsache haben die Befürchtungen der Anwohner für Hans-Günther Oberlack ein „Geschmäckle“.

Verkehrskonzept wird in Auftrag gegeben

Glienickes Bürgermeister verweist in diesem Zusammenhang noch einmal auf das bereits angestoßene Verkehrskonzept, das nach Bereitstellung der Fördergelder jetzt in Auftrag gegeben werden kann. Es werde auch darüber Auskunft geben, ob die Straßen, die für eine Entlastung des Verkehrs in Frage kommen könnten, überhaupt geeignet sind, diese Last zu tragen. Was die Hauptstraße, den Kreuzungsbereich der Hauptstraße mit der B 96 und in der weiteren Folge auch die B 96 selbst betrifft, so Hans-Günther Oberlack, habe er da so seine Zweifel. „Straßen sollten meiner Meinung nach immer verbinden und nicht trennen“, sagt der Bürgermeister. Und wenn Veränderungen angestrebt werden, müssten diese in ordentlichen Verwaltungsstrukturen vonstatten gehen. Dabei gelte es immer, die Auswirkungen für alle Beteiligten abzuwägen und nicht einer einzelnen Gruppe Vorrang einzuräumen, die sagt: Fahrt bitteschön lang, wo ihr wollt, aber lasst uns in Ruhe.

Von Bert Wittke

Das konnte er nicht länger mitansehen: Marcel Hanisch (40) aus Glienicke hat sich am Sonntag gemeinsam mit drei Mitstreitern in der Schönfließer Bieselheide an die Arbeit gemacht und eine Müllecke gesäubert. Er geht davon aus, dass Jugendliche die Übeltäter sind.

13.01.2020

Bei einem Einbruch in ein Glienicker Einfamilienhaus erbeuteten die bisher unbekannten Täter Schmuck. Sie drangen offenbar über die Terrassentür in das Gebäude ein.

09.01.2020

Die vier im Arbeitskreis Niederbarnimer Fließlandschaft vereinigten Kommune Birkenwerder, Glienicke/Nordbahn, Mühlenbecker Land und Hohen Neuendorf erhalten Fördergeld von der EU. Dafür soll ein Berliner Büro jetzt ein zukunftsfähiges und tragbares Verkehrskonzept entwickeln.

08.01.2020