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Gransee Asiatische Kultur in Menz
Lokales Oberhavel Gransee Asiatische Kultur in Menz
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19:04 24.10.2018
Jeden Mittwoch um 19.30 veranstaltet Horst Brumm im Institut in Menz eine Meditationsstunde. Willkommen ist jeder, der Eintritt ist frei. Quelle: Uwe Halling
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Menz

Vor dem Stechliner Ortsteil Menz führt ein holpriger 2,4 Kilometer langer Waldweg zum Ort des geistigen Erwachens – ziemlich abgelegen liegt mitten im Nirgendwo das buddhistische Institut „Karma Tengyal Ling“.

Tor zu einer anderen Welt

Auf den ersten Blick könnten Besucher meinen, sie hätten sich verlaufen, denn von außen deutet bis auf das Schild „Buddhistisches Institut“ nichts auf eine Tempelanlage hin.

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Doch der große Meditationsraum ist wie das Tor zu einer anderen Welt. Der von Tageslicht durchflutete Raum ist über und über mit goldenen Buddhaskulpturen, bunten Teppichen und Bildern ausgestattet.

Vor dem Thron kniet ein junger Mann und murmelt unverständliche Silben, während er sich immer wieder verneigt. Anschließend verlässt er den Raum.

Tauchen Sie mit dieser Bildergalerie voller Eindrücke aus dem buddhistischen Institut in Menz in die asiatische Kultur ein.

Horst Brumm – Geschäftsführer, Jogi und Dharmalehrer

In einer so genannten Unterweisung hätte der Vereinsgeschäftsführer, Jogi und Dharmalehrer (Dharma ist die Lehre des Buddhas) Horst Brumm vor ihm auf dem Thron gesessen und beispielsweise Sanskrit-Mantren vorgelesen.

„Eine Unterweisung ist eine Art Lehreinheit. Manchmal erkläre ich den Gästen dabei die Lehren des Buddhismus, manchmal lese ich ihnen Sanskrit-Mantren vor. Es heißt, dass diese beim Hörer eine heilende Wirkung haben sollen“, sagt der 64-jährige Vereinsgeschäftsführer.

Die Essenz der Dharmalehre

„Im Buddhismus geht es kurz gefasst darum, das eigene Leiden zu überwinden und anderen möglichst kein Leid zuzufügen, ihnen sogar im besten Fall Leiden zu ersparen“, erklärt Brumm.

Dann erklärt er noch etwas ausführlicher die Grundzüge der Dharmalehre. „Wir sollten erkennen, dass unser Wesen grundsätzliches Gutsein ist. Unser Gutsein ist jedoch durch unsere Unwissenheit getrübt, aus der Begierde und Abneigung entstehen. Damit wir uns unserer Unwissenheit stellen können, brauchen wir Mitgefühl mit uns selbst.”

Wer seine eigenen Schwächen zugeben kann, ohne sich für sie zu schämen, könne sie einfacher überwinden. Gleichzeitig könnten sie so besser bei anderen toleriert werden. „Seien sie zu sich selbst wie eine liebende Mutter, die ihr unwissendes Kind behütet und dazu anleitet, die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln.”

Seit 1983 beschäftigt sich der gebürtige Trier Horst Brumm mit den lehren des Buddhas. Mit 20 Jahren zog er nach Westberlin Quelle: Uwe Halling

Brumms buddhistische Biografie

Zum Buddhismus kam Horst Brumm im Jahre 1983. Damals suchte er nach Erklärungen für die Ungerechtigkeiten im Leben.

Durch Zufall stieß er auf das Buch „Der Diamantweg“, in dem die Quintessenz der buddhistischen Lehre einfach zusammengefasst zu lesen war.

Eineinhalb Jahre lang überprüfte er die Lehren in seinem Alltag und befand sie für richtig. Zeitgleich stieß er auf das 1977 gegründete buddhistische Institut Karma Tengyal Ling in Westberlin. Dort lernte er die Lehren des Buddhismus.

1984 gründete er daraufhin den Karma Tengyal Ling-Verein. 1992 bezog das Institut die Räumlichkeiten in Menz. Vor acht Jahren bekam Horst Brumm von einer seiner Lehrerinnen den Auftrag, selbst zu unterrichten. Vor zwei Jahren ist er zum Jogi ernannt worden.

Lehrer aus der ganzen Welt kommen nach Menz

Horst Brumm selbst gibt Kurse und Seminare, allerdings bevorzugt er es, Dharmalehrer aus Asien einzuladen. „Asien ist die Geburtsstätte des Buddhismus. Er fand seinen Ursprung vor 2900 Jahren in Indien. Mit der Zeit hat er sich aber über ganz Asien verbreitet“, erklärt Brumm.

Um erfahrene Dharmalehrer einzuladen, reiste er schon einige Male nach Indien, Nepal und in den Tibet. Während dieser Reisen besuchte er auch die buddhistischen Heiligtümer in den jeweiligen Regionen.

Institutsgelände mit langer Historie

Seit 25 Jahren wohnt Brumm nun auf dem Gelände des buddhistischen Instituts in Menz in seinem eigenen kleinen Häuschen. Die Gebäude auf dem Gelände sind ehemalige Stallungen. „Da haben wir das Gutshaus, ein Gesindehaus, zwei Stallungen und eine Scheune. Es gab sogar eine Schmiede. Hier finden wir manchmal sogar noch alte Eisenteile“, verrät Brumm.

Die Häuser bieten Platz für zwei Meditationsräume, eine Bibliothek, zwei Speiseräume und zwei Vereinsküchen sowie Ein-, Zwei- und Mehrbettzimmer für Übernachtungsgäste während der Seminare.

Buddhistische Bibliothek

In der Bibliothek befinden sich größtenteils von Horst Brumm gespendete Bücher. „Früher habe ich alles Mögliche gelesen, jetzt kaufe ich meistens buddhistische Lektüre und stelle sie dann in die Bibliothek, dass auch andere daran Freude finden“, sagt Brumm.

Die Gebäude müssen allesamt abgerissen werden, da sie in keinem guten Zustand sind. Nur das Gutshaus mit neuem Dach und neuer Terrasse wird erhalten bleiben.

Weltweit einzigartige Kloster-und Tempelanlage geplant

Für die Zukunft plant der Verein Großes: Eine weltweit einmalige Kloster- und Tempelanlage soll entstehen. „Dort sollen Mönche, Nonnen, Jogis und Praktizierende unterkommen. Quasi alle unter einem Dach, das gibt es in der Form noch nicht“, sagt Brumm verheißungsvoll.

„Die Finanzierung muss allerdings größtenteils über einen oder mehrere Sponsoren laufen“, ergänzt er.

Brigitte König als gute Seele des Hauses

Den größten finanziellen Beitrag leistet die ehemalige Hautärztin Brigitte König. Sie ist die zweite Person, die ständig vor Ort ist.

Als gute Seele des Hauses, wie Horst Brumm sie nennt, kümmert sich schon seit vielen Jahren um alle Belange des täglichen Lebens und gibt auch mal eine Meditationsstunde.

Sie studiert seit über zehn Jahren in Nepal die Dharmalehre und ist für die gesamte Auslandkorrespondenz verantwortlich.

Kurse und Meditation

Doch für gewöhnlich leitet Horst Brumm die Meditationen. Jeden Mittwoch gibt er um 19.30 Uhr Meditationssitzungen, zu denen jeder eingeladen ist.

Der Eintritt ist frei, wer möchte, kann eine Spende abgeben. Alle weiteren Kursangebote und Informationen zum buddhistischen Institut finden sie auf der Homepage.

Von Josefine Kühnel

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24.10.2018