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Gransee Von Erdgas träumende Spekulanten
Lokales Oberhavel Gransee Von Erdgas träumende Spekulanten
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17:41 28.02.2020
Die Oberhäupter der betroffenen Kommunen bezogen klar Stellung gegen das Gasbohren.
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Templin / Zehdenick

Zwei tagträumende Spekulanten dänischer Herkunft mit einer Briefkastenfirma bremsen mit ihren Magergas-Fantasien eine ganze Region aus. Viel Gutes wurde am Donnerstagabend in der Templiner Therme nicht gesagt über Stiig Brink Larsen und Thomas Bayer Tygesen, die Gründer der 2016 gegründeten Jasper Resources GmbH, die im Nordosten Oberhavels und Teilen der Uckermark nach Gas bohren will. Seit einem Jahr regt sich dagegen erbitterter Widerstand, angeführt von der Bürgerinitiative gegen Gasbohren Zehdenick, Templin, Gransee.

Rund 13 Monate nach der ersten Zusammenkunft an gleicher Stelle in der Therme Templin war es Zeit für eine Bestandsaufnahme, fand Ralph Riesenberg, Sprecher der BI. „Seit mehr als einem Jahr gelingt es zwei Mittsechzigern aus Dänemark, die Welt in Atem zu halten“, so Riesenberg, der auch an den zwischenzeitlich verstorbenen BI-Mitstreiter und Schöpfer diverser Plakate und Aufkleber Uli erinnerte. „Die Erinnerung an Dich gibt mir die Kraft, weiterzumachen“, sagte er mit erstickter Stimme. Und die Kraft wird es brauchen, gab er sich gegenüber den knapp 200 Anwesenden kämpferisch.

Das Interesse der Bürger an der Arbeit der Bürgerinitiative ist groß. Quelle: Simone Weigelt

Denn obwohl sich Einwohner, Unternehmen und Kommunen in ihrer Ablehnung des Projektes einig sind, vermissen sie die Hilfe der Landesregierung. „Dort wird abgewiegelt mit der Ausrede, dass noch kein konkreter Antrag vorliegt. Damit verstecken sich die Politiker hinter dem Bergbaurecht, anstatt das Thema im Landtag auf die Agenda zu setzen“, schimpfte Riesenberg. Augenzwinkernd hatte er dann doch noch die einzige Nettigkeit des Abends in Richtung der Investoren auf den Lippen: „Danke, Jasper Resources, dass ich seit einem Jahr viele neue interessante Menschen kennenlernen durfte im Kampf gegen das Böse“ .... „Hier steht natürlich: das Gasbohren“, brachte er den Satz nach einer kurzen Denkpause richtig zu Ende.

Brief an den Ministerpräsidenten unterzeichnet

Und übergab das Wort den Vertretern der vier Kommunen, die mit der Initiative gegen das Gasbohren kämpfen: Die Bürgermeister Detlef Tabbert (Templin), Bert Kronenberg (Zehdenick) und Karola Gundlach (Lychen) sowie Frank Stege (Amtsdirektor Gransee) waren zugegen und unterzeichneten einen Brief, der an Ministerpräsident Dietmar Woidke gesendet werden soll. Darin ist der Protest nicht nur nochmals erwähnt, sondern auch detailliert begründet. Angela Glaser von der BI lieferte die Erklärungen dazu.

Denn im Prinzip sei die Sache recht einfach. Erdgas brauche einen Methangehalt von etwa 87 Prozent, um wirtschaftlich genutzt werden zu können. In Niedersachsen gefördertes weise etwa diese Prozentzahl auf, aus Russland importiertes liegt mit 98 Prozent Methangehalt deutlich an der Spitze. Im diesbezüglich gut untersuchten Brandenburg, das würden bei Bohrungen in den 70er Jahren genommene Proben belegen, bewege er sich zwischen 14 und 48 Prozent. Im von Jasper Resources ins Auge gefassten Gebiet liegt der Methangehalt gar nur bei 28 Prozent.

Unterfangen absolut unwirtschaftlich

Daraus folgt, dass im Falle einer Förderung eine kostenintensive Aufbereitung nötig ist, um den enthaltenen Stickstoffanteil abzutrennen. „Und das ist außerordentlich energie- und damit auch kostenintensiv“, so Glaser. Angesichts seit Jahren rückläufiger Preise für den Energieträger, weltweit steigender Fördermengen und sinkenden Verbrauchs sei das Unterfangen absolut unwirtschaftlich. „Wer hier Gas fördern will, kann auch gleich die Kohleförderung in der Lausitz fortsetzen“, so das Fazit von Angela Glaser.

Das Problem für Kommunen wie Zehdenick und Templin: Solange dieses Damoklesschwert über der Region schwebe, werden Investitionen in Tourismus und Zuzug blockiert. Schließlich drohen im Zuge einer Förderung Risiken wie Freisetzen von Umweltgiften bis hin zu seismischen Aktivitäten wie Erdbeben, was gut anhand der Vorkommen in Niedersachsens Fördergebieten zu belegen sei. „Dort wurden die Zusammenhänge zwischen der Gasförderung sowie dem Verpressen von Rückständen und Erdbeben als sehr wahrscheinlich bestätigt“.

Auch der Wasserhaushalt ist in Gefahr

Aber nicht nur für den Tourismus bestehen Gefahren, auch der Wasserhaushalt werde sehr wahrscheinlich empfindlich getroffen. Auf bis zu 1,8 Milliarden Liter Wasser schätzen die Aktivisten den Verbrauch bei einem Projekt dieser Größenordnung. Und das in Zeiten sinkender Niederschläge und steigenden Bedarfs vor allem in der Landwirtschaft. Und nicht zuletzt seien mehr als 70 Prozent der Erkundungsgebiete derzeit Schutzgebiete – diese würden zerstört.

Von Björn Bethe

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