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Gransee Fischadler im Naturpark
Lokales Oberhavel Gransee Fischadler im Naturpark
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17:53 26.11.2018
Robert Franck aus Rheinsberg, seit mehr als zehn Jahren ehrenamtlicher Horstbetreuer, beobachtet die Greifvögel im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land. Quelle: Martina Burghardt
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Der Anblick ist selten geworden: Adler, die auf der Suche nach Beute über dem Wasser kreisen. Doch es gibt sie. „An der Rheinsberger Uferpromenade kann man Fischadler sehen, die beste Zeit dafür ist im Juni“, sagt Robert Franck, einer der vier ehrenamtlichen Horstbetreuer im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land. Erstmals hat er die Daten von geschützten und gefährdeten Vogelarten im Auftrag der Naturparkverwaltung zusammengefasst. So haben beispielsweise 17 Fischadler-Paare in diesem Jahr insgesamt 32 Junge aufgezogen. 2017 wurden im Land Brandenburg 363 Brutpaare gezählt, einige weniger als noch in den Jahren zuvor. Aber immerhin ist das mehr als die Hälfte aller Fischadler in Deutschland.

Ein Fischadler im Naturpark Stechlin Ruppiner Land. Quelle: Franck/Kneifel

Die klaren Seen und alten Wälder in dem 680 Quadratkilometer großen Naturpark bieten gute Brutbedingungen. Allerdings haben die großen Stürme auch in dieser Hinsicht Schaden angerichtet. Denn Fischadler nisten auf sehr alten Bäumen, die über andere hinausragen. „Man sagt, der Fischadler möchte die Sterne sehen“, so Robert Franck. Deshalb werden künstliche Brutplätze aus verzinkten Eisen- und Rattankörben samt Nestunterlage geschaffen. Die werden nicht nur gut angenommen, sondern haben auch den Vorteil, dass sie länger halten und die Vogelpaare nicht immer wieder aufs Neue auf die Suche gehen müssen. Außerdem fällt das Beringen leichter, und die Landeigentümer sind informiert.

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Sieben Seeadlerpaare gezählt

Seeadler brüten lieber im Verborgenen. Sie reagieren sehr empfindlich auf Störungen und beanspruchen größere Reviere für sich. Sieben Paare wurden in diesem Jahr im Naturpark gezählt, drei von ihnen blieben ohne Nachwuchs. Sechs Junge wurden flügge. In den vergangenen Jahren waren weniger als 200 Seeadlerpaare in Brandenburg heimisch. Ein Horst wurde für die Seeadler im Naturpark in diesem Jahr neu gebaut. Diese Vögel mit einer Flügelspannweite bis zu 2,50 Meter kann man das ganze Jahr über beobachten.

Wanderfalken werden auch im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land ganz allmählich wieder heimisch. Quelle: Franck/Kneifel

Fast ausgestorben waren die Wanderfalken. Seit den 1970er Jahren erholt sich der Bestand stetig. „Die Tendenz ist steigend, aber regional unterschiedlich“, erklärt Robert Franck. Weil Wanderfalken als einstige Felsenbrüter keine eigenen Horste bauen, sondern verlassene besetzen, helfen die Naturschützer mit Körben und Sägespänen als Nisthilfen weiter. Acht Brutpaare zogen in diesem Jahr sieben Junge auf. „Wanderfalken können 320 km/h schnell fliegen und sind damit die schnellsten Jäger der Luft“, so Robert Franck. Im Naturpark wurden außerdem vier Baumfalkenpärchen mit sieben Jungen gezählt.

Schwarzstörche seit fünf Jahren da

Uhus wurden im Naturpark bisher nicht nachgewiesen. Große Freude herrschte aber bei den Naturfreunden, als sich vor fünf Jahren ein Schwarzstorchpaar im Naturpark ansiedelte, obwohl diese Vögel eher einen Lebensraum mit flachem Wasser bevorzugen.

Die Schwarzstörche haben in diesem Jahr im Naturpark Stechlin Ruppiner Land vier Junge aufgezogen. Quelle: Franck/Kneifel

Er aus dem Westerwald und sie aus Polen bekamen auf einer großen Eiche gleich im Jahr ihrer Hochzeit drei Junge. Und sie kamen wieder. Obwohl ihr Baum einem Sturm zum Opfer gefallen war, nahmen sie den Kunsthorst auf einem Nachbarbaum an. Seitdem zog das Paar jedes Jahr drei Junge auf, in diesem Jahr sogar vier. Gegen die Gefräßigkeit der Waschbären, die sich 2015 die gesamte Brut geholt hatten, wurde der Baum mit einer Klettersperre versehen.

Mit Daten-Loggern versehen

„Die Störche wurden über den ganzen Zeitraum von Carsten Rohde beringt und mit betreut“, so Robert Franck. In diesem Jahr statteten sie drei der Störche mit sogenannten Daten-Loggern, jeweils 29 Gramm schwer, aus, um ihre Wege nachvollziehen zu können.

Frank Krause vom Nabu, Enrico Przibylla von der Preußenquelle und Robert Franck (v.l.n.r.) bei der Übergabe der neuen Patenschaftsurkunde für einen weiteren Fischadlerhorst. Quelle: privat

Trotz der Bemühungen der Horstbetreuer Henry Lange, Bernd Ewert, Paul Sömmer und Robert Franck können Gefahren für die Greifvögel und deren Nachkommen durch Brutverluste, Revierkämpfe, Tourismus und Unwissenheit nicht völlig gebannt werden. Durch Windkraftanlagen gab es in diesem Jahr bislang keine Verluste.

Für die Errichtung der Kunsthorste bemüht sich die Naturparkverwaltung um die Finanzierung durch Sponsoren. Die Rheinsberger Preußenquelle unterstützt seit mehreren Jahren diese Aufgabe. Die Fortsetzung der Patenschaft wurde gerade mit der Übergabe einer Patenschaftsurkunde besiegelt.

Von Martina Burghardt