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Gransee Verwurzelt im Dorf und in der Landwirtschaft
Lokales Oberhavel Gransee Verwurzelt im Dorf und in der Landwirtschaft
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18:35 31.05.2019
Landwirt Ralf Wöller aus Sonnenberg bewirtschaft Felder in der Umgebung von Sonnenberg. Er hat einen Angestellten. Quelle: Uwe Halling
Sonnenberg

Auf den Feldern rings um Sonnenberg wächst und gedeiht es. Wenn im Frühjahr die Saat aufgeht, lässt Ralf Wöller gern den Blick darüber schweifen und fühlt, er hat alles richtig gemacht. Auf dem Mähdrescher der untergehenden Sonne entgegen, oder frühmorgens die glitzernden Tautropfen – natürlich mag er solche Bilder. Den verklärten Blick auf die Landwirtschaft, der immer mehr um sich greift, hingegen absolut nicht.

„Mir lag das Technische“

Sein Urgroßvater hatte einst den Hof in Sonnenberg gekauft, sein Großvater und sein Vater bewirtschafteten das Land, bis die Genossenschaft gebildet wurde. Die Wurzeln waren stark, als junger Mann wollte Ralf Wöller im Dorf bleiben. Landwirtschaft sollte es sein, aber „nichts mit Tieren“. „Mir lag das Technische“, sagt der 61-Jährige.

Der 61-jährige Ralf Wöller ist Landwirt aus Leidenschaft. Ihm liegt vor allem das Technische. Quelle: Uwe Halling

Zwischen der Lehre zum Landmaschinentechniker, der Arbeit als Techniker in der LPG (Tierproduktion) Sonnenberg und dem selbstständigen Landwirt lagen tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen. Die Wöllers holten sich den Acker zurück, gründeten 1994 mit fünf Hektar eine Mutter-Sohn-Gesellschaft. Heute bewirtschaftet Ralf Wöller mit einem Angestellten 350 Hektar eigenes und gepachtetes Land. Im Dorf ist er der einzige Landwirt. Um 1950 hatten noch 40 der 53 Höfe in Sonnenberg Vieh und Acker. Bereut hat er seinen beruflichen Werdegang nie. „Gut, dass ich selbstständig bin“, sagt Ralf Wöller. Er weiß zu schätzen, dass er sich seine Ziele selbst setzen kann. Solange Petrus nicht dazwischen grätscht. Die schwierigen Anfänge hat er nicht vergessen.

„Die neue Düngeverordnung ist ein Monster“

Einfacher ist es sicher nicht geworden. Ein Vierteljahrhundert Erfahrung kommt gegen immer neue EU-Richtlinien kaum an. Ein Stichwort, und Ralf Wöller ist kaum zu bremsen. „Die neue Düngeverordnung ist ein Monster“, schimpft er. „Da steckt so viel Lobbyismus drin.“ Dabei müssten die Pflanzen versorgt, fehlende Nährstoffe, die der Boden nicht hergibt, ergänzt werden. Liebigs Tonne, das Minimumgesetz – für jeden Landwirt gehöre das zur Grundlagenbildung. Ein Bauer achte sehr wohl auf sein Land, auch wenn er hohe Erträge erzielen will, und habe kein Interesse daran, die Umwelt zu vergiften. In der öffentlichen Debatte werde vieles vermischt, was nichts miteinander zu tun hat. Was ihn besonders ärgert, ist die Doppelzüngigkeit. „Die Leute, die am weitesten weg von der Praxis sind und selbst noch nie Verantwortung für einen Betrieb übernommen haben, wollen über uns bestimmen.“ Dass die Büroarbeit die Hälfte seiner Arbeitszeit kostet, darüber verliert er kaum Worte. „Bürokratie passt nicht zur Natur“, sagt er nur.

Die Arbeit auf den Feldern macht dem Landwirt imer noch Spaß. Quelle: Uwe Halling

Den Boden untersuchen und bearbeiten, säen, düngen, Schädlinge fern halten, ernten, verkaufen, Baum- und Feldrandpflege – ein Landwirt hat viele Aufgaben. Ralf Wöller baut hauptsächlich Getreide wie Triticale, Gerste, Roggen und Weizen an. Dazu etwas Raps und Erbsen sowie Gras zur Gewinnung von Saatgut. Wenn die Technik streikt, kann Ralf Wöller meist selbst Hand anlegen, darüber ist er ganz froh. „So lange die Gesundheit mitspielt und die EU uns nicht den Hals umdreht“, will er weitermachen.

Kontinuität zieht sich durch sein Leben, von dem er einen Teil auch der Gemeinschaft widmet. Ralf Wöller ist seit 1993 ehrenamtlicher Bürgermeister und damit der dienstälteste im Amt Gransee. Die Sonnenberger haben ihn am Sonntag für die nächsten fünf Jahre wiedergewählt.

Nach der Frühjahrsbestellung um Kleinigkeiten im Ort kümmern

Die 700-Jahr-Feier im vergangen Jahr und der Bau des Dorfgemeinschaftsplatzes, der am Sonnabend mit einem Fest eröffnet wird, sind zwei der Projekte, in die er viel Zeit und Energie gesteckt hat. Jetzt, wo die Frühjahrsbestellung erledigt ist, hat er Muße, sich um die vielen Kleinigkeiten, die in den Dörfern anfallen, zu kümmern.

Und er kann sich an den Ergebnissen seiner Arbeit freuen. Bald ist es wieder so weit: „Wenn ich aufs Feld gehe, und das Korn knackt, weil es reif ist“ – das ist noch so einer der Momente, die der Landwirt Ralf Wöller genießt.

Von Martina Burghardt

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