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Gransee Die dritte Kandidatin
Lokales Oberhavel Gransee Die dritte Kandidatin
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19:05 04.02.2019
Marina Hillebrand in ihrem Café in Gransees Innenstadt, das eine kleine Bücherei beherbergt. Quelle: Martina Burghardt
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Gransee

Es ist wie immer. Marina Hillebrand kümmert sich am verlängerten Wochenende gemeinsam mit ihrer Schwägerin und ihrem Mann um das Café im Zentrum von Gransee. Dass die 60-Jährige am Freitag die Unterlagen für ihre Bürgermeisterkandidatur im Rathaus abgegeben hat, scheint nebensächlich. Aber das ist es natürlich nicht. Es gibt einiges, was Marina Hillebrand in Gransee anpacken und verändern würde.

Schon seit Jahren engagiert

Als Einzelkandidatin tritt sie bei den Wahlen im Mai gegen den Amtsinhaber Mario Gruschinske (SPD) und Olaf Peter (CDU) an. „Ich will, dass Gransee attraktiver und schöner wird“, beschreibt sie ihre Motivation. Das ist mehr als ein Motto für die Wahl. Es ist ihre Einstellung – mit oder ohne Bürgermeistertitel. Marina Hillebrand arbeitet als sachkundige Einwohnerin im Finanz-, Sozial- und Kulturausschuss der Stadtverordnetenversammlung mit, engagiert sich in der Willkommensinitiative Gransee, im Frauenkreis der Stadt und im Kulturnetz Nord Brandenburg (Kuno).

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Wissen, wie die Gesellschaft funktioniert

Sich einmischen, nichts einfach hinnehmen, hinterfragen, Ideen einbringen – anders kann sie gar nicht. Marina Hillebrand stammt aus Frankfurt (Oder), lernte dort Elektronikfacharbeiter mit Abitur, ging zur Polizei, um Staat und Recht zu studieren. „Damals hat mich schon gestört, dass Sachen offiziell anders dargestellt wurden, als es wirklich war“, sagt sie. „Ich wollte wissen, wie die Gesellschaft funktioniert.“ Sie sei überzeugt gewesen vom Sozialismus und sei es bis heute, erzählt sie. „Nur wie es damals war, das war so nicht richtig.“

Systemkritik war nicht gefragt. Fragen hatte sie trotzdem und traute sich, sie zu stellen, zum Beispiel als Schöffin, wenn sie über DDR-Flüchtlinge richten sollte. Was sie dort hörte, gab ihr zu denken, auch wenn sie andere Erfahrungen hatte. Mit denen reden, die eine andere Meinung haben – für sie eine Lebenseinstellung.

Sportlich bis zum Ironman

Bei der Polizei lernte Marina Hillebrand ihren Mann kennen. Seit 1978 sind sie verheiratet. Drei Söhne haben die Hillebrands, allesamt sportlich wie die Mutter. Seit sie ein Teenager war, ist sie in Bewegung: Radsport, Laufen, mehrere Berlin-Marathons und – ihr allergrößter persönlicher Erfolg – der Ironman-Triathlon 2012 in Frankfurt (Main). Auch wenn die Gesundheit nicht mehr all das erlaubt, Fahrrad fährt sie immer noch.

Nach der Wiedervereinigung wurde Marina Hillebrand vom Berliner Senat übernommen, bildete sich weiter, trat in die Gewerkschaft ein, arbeitete in verschiedenen Bereichen, seit zehn Jahren in der Ausländerbehörde. Dort ist sie für mehr als 1000 Beschäftigte die stellvertretende Frauenvertreterin. Im September wird sie diese Position hauptamtlich übernehmen.

Weil ihr Mann seit Mitte der 1990er Jahre in der Bußgeldstelle Gransee arbeitete und täglich fahren musste, Marina Hillebrand schon immer ein Haus mit Garten haben wollte, zog das Paar Ende der Neunziger nach Glambeck und blieb zehn Jahre dort bis zum Umzug vor neun Jahren auf ein größeres Grundstück in Kraatz.

Treffpunkt seit drei Jahren

Dort ist Platz für die Hobbys: Malen, Bildhauern und Gartengestaltung. Dass es auf dem Land an Treffpunkten mangelt, wollte Marina Hillebrand nicht so einfach hinnehmen. Das in Kraatz geplante Café-Projekt scheiterte aus bautechnischen Gründen. Vor drei Jahren eröffneten Marina Hillebrand und ihr Mann das Café mit Bücherei in Gransee – ihr Beitrag, um Gransee lebendiger und schöner zu machen.

Es läuft vieles richtig in Gransee. „Die Entwicklung ist in Ordnung, alle geben sich Mühe“, sagt die Bürgermeisterkandidatin. Sie wünscht sich „mehr Transparenz bei den Entscheidungen, dass die Bürger mehr einbezogen werden und dass man auch mal aushält, wenn jemand anderer Meinung ist“. Wie sie es anders machen würde, welche Ideen sie hat, wird sie denen erzählen, die es wissen wollen. Die Kandidatenvorstellung, vom Frauenkreis organisiert, findet am 10. April statt. Man trifft Marina Hillebrand am Wochenende und montags in ihrem Café.

Von Martina Burghardt